Heimatforscher brachten das Siebenfelsen-Gipfelbuch von Schonach zurück nach Yach. Es verrät einiges über das Lebensgefühl der Menschen.
Das Büchlein war auf verschlungenen Wegen nach Schonach gekommen und sollte wieder dorthin gelangen, wo das Naturdenkmal „Siebenfelsen“ steht. Im vollbesetzten Sitzungsraum im Dorfgemeinschaftshaus war die offizielle Übergabe, heißt es in einer Pressemitteilung.
Der Vorsitzende des Heimat- und Landschaftspflegevereins Yach, Claus-Michael Hoch, und Ortsvorsteher Hubert Disch begrüßten die Gäste zu diesem außergewöhnlichem Artefakt von Heimatgeschichte. Neben Gästen aus Yach und dem Elztal waren viele Teilnehmer aus Schonach angereist, unter ihnen die Initiatoren, Arnold Kuner und Wolfgang Schyle, welche die Geschichte dieses Buches darstellten.
Arnold Kuner, ein Sammler von lokalhistorischen Raritäten, hatte im Fundus des Sammlers Max Kuner („Bärt-Max“) ein „altes Heftli“ entdeckt und durfte es mitnehmen. Später erfolgte ein Kontakt mit Schyle, Lokalhistoriker und ehrenamtlicher Archivar von Schonach. Und Bruder Meinrad vom Schweizer Kloster Engelberg, der sich seit vielen Jahren mit der Geschichte Schonachs und dem Nationalsozialismus beschäftigt, fand einen Eintrag mit NS-Bezug.
Heiko Haumann referierte über dieses „Gipfelbüchlein“, das witterungsbedingt doch gelitten hatte. Es sei wohl auch „gewandert“, da man Eintragungen des in der Nähe liegenden „Kritzli-Felsen“ fand. „Notes für die Bezwingung des Siebenfelsen“, so lautete die Überschrift, welche die Schonacher Bruno Bender und Wilhelm Schwer am 20. April 1941 angelegt hatten; an „Führers Geburtstag“. Die Einträge seien Stoff für einen Detektiv.
Letzter Eintrag im Jahr 1977
Ein letzter Eintrag erfolgte 1977 durch Franz Brucker aus Hausach. Die meisten Gipfelstürmer kamen aus Yach selbst und aus Schonach, einige aus Triberg oder dem Kinzigtal. „Ich bin verliebt bis über beide Ohren und habe nicht auf die Warnungen gehört, diese lebensgefährlichen Felsen zu besteigen“, kommentiert ein anderer Eintrag den durchaus anspruchsvollen kurzen Aufstieg.
Auch Spaßvögel haben sich verewigt: „Ich find’ mein Angesicht ganz schön – doch es schaut mich niemand an.“ - „Jeder hat einen Vogel, vielleicht auch ich“ oder sehr humorig: „Ich bestieg die Ostwand dieses Felsens bei drückender Kälte. Yach, 16. August“.
Kein Zugang zu russischen Archiven
Todernst dagegen 1945 der Eintrag in kyrillischer Schrift des 17-jährigen Alexander Nikandrow, vermutlich ein sowjetischer Zwangsarbeiter, der als Hirtenbub eingesetzt war und dessen Spuren Osteuropa-Historiker Haumann ein Stück weit aufspüren konnte – aber der Krieg gegen die Ukraine verhindert weitere Forschungen.
„Die Einträge im Gipfelbuch verraten viel über das Lebensgefühl der Menschen, ihre Heimat und die Natur. Darüber hinaus eröffnen sie Perspektiven auf historisch-politische Zusammenhänge. Insoweit ist dieses unscheinbare Heft etwas ganz Besonderes“, schloss Haumann unter großem Beifall der gut 60 Zuhörer. Anschließend gab es viele Gespräche, und der Verein weiß schon, wie das Gipfelbuch im Museum angemessen präsentiert wird.