Giftköder in Bahnhofstraße ausgelegt. Beamter äußert sich. Tipps zu Maßnahmen am Hund.
Knapp eine Woche ist es her, dass in Calw Giftköder gefunden wurden. Leider kein Einzelfall, berichtet ein Polizeisprecher auf Anfrage. Mehr dazu und was Hundehalter tun können, wenn es das eigene Tier vergiftet wurde, lesen Sie in unserm (SB+)-Artikel.
Calw - Es ist ein Bild, das jedem Hundefreund das Blut in den Adern gefrieren lässt: ein aufgeschnittenes Würstchen, gefüllt mit Glasteilchen und einer Stecknadel. Eigens dafür präpariert, einem Vierbeiner furchtbare Qualen zuzufügen.
Mitten in der Calwer Kernstadt wurden vor knapp einer Woche solche Giftköder entdeckt. Ein Unbekannter hatte diese laut Polizei am Donnerstagmorgen zwischen 8.30 und 10.20 Uhr in der Bahnhofstraße ausgelegt. Dabei hat er augenscheinlich nichts dem Zufall überlassen. Denn neben mehreren der besagten Würstchen verteilte er auch noch Scherben auf dem Weg.
Motiv unklar
Erfolg hatte der Täter wohl keinen – Polizeibeamte suchten den Bereich weiträumig ab und wiesen Hundebesitzer an, besonders auf ihre Tiere acht zu geben. In den sozialen Medien rief der Beitrag bestürzte Reaktionen hervor. "Und es trifft die treuesten Seelen, die sich nicht wehren können. Pfui, pfui, pfui!!! Passt gut auf eure Lieblinge auf!!!", schreibt eine Facebook-Nutzerin. Eine andere fragt sich: "Warum? Mich interessiert ehrlich, warum Menschen das machen... das ist so abartig!"
Dirk Wagner vom Polizeipräsidium Pforzheim kann über die Motivlage selbst nur spekulieren. Von Hass auf Hunde im Allgemeinen über Wut über deren Hinterlassenschaften bis hin zu Intoleranz gegenüber Gebell sei vieles möglich, erklärt er auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Werden die Giftköder mehr oder weniger willkürlich auf einer Straße verteilt, wie im jüngsten Fall von Calw, handle es sich aber vermutlich um ein anderes Motiv, als wenn ein Täter einen Giftköder gezielt in den Nachbarsgarten wirft, wo ein Hund lebt.
Warum auch immer ein Mensch so etwas tut: Wird er überführt, muss er mit drastischen Konsequenzen rechnen. Schon das Auslegen eines Giftköders kann mit einem Bußgeld geahndet werden, weil das gegen das Tierschutzgesetz verstößt, erklärt Wagner. Kommt ein Hund zu Schaden, droht dem Täter sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.
Bevölkerung reagiert sensibler
Die Ermittlungen gestalten sich jedoch meist schwierig, räumt der Polizeisprecher ein. Darum seien die Beamten unbedingt auf Zeugenhinweise angewiesen – zum Beispiel, wenn man beobachtet, wie jemand gezielt Essen wegwirft.
2020 habe es im Gebiet des Polizeipräsidiums Pforzheim rund 30 Hinweise auf Giftköder gegeben. Nur zwei davon haben sich im Nachhinein wirklich als solche herausgestellt. Wagner schiebt das auf die Tatsache, dass die Leute inzwischen sensibler sind, was dieses Thema anbelangt. "Was auch gut ist", lobt er. "Wir nehmen sowas sehr ernst."
Oftmals handle es sich aber eben doch nur um ein verloren gegangenes Vesper. Immer wieder komme es auch vor, dass Rattengift falsch ausgelegt werde, sodass es zur tödlichen Gefahr für Hunde wird – ohne, dass die Menschen das beabsichtigt hatten. Nichtsdestotrotz könne das geahndet werden, erklärt Wagner.
"Jeder kennt seinen Hund"
Der jüngste Fall in Calw aber sei ganz "eindeutig" als ein gezielter Anschlag auf Hunde zu verstehen, ordnet der Polizeisprecher ein. Nadeln in Würstchen und Scherben – da ist ein Versehen ausgeschlossen. Im noch jungen Jahr 2021 handelt es sich dabei bereits um den zweiten Hinweis auf Giftköder, wobei sich der erste nicht so eindeutig darstellte.
In Calw war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Vorfällen mit mutmaßlichen Giftködern gekommen. Ende 2017 hatte die Stadtverwaltung sogar Warnschilder in Stammheim und Heumaden aufgestellt, um darauf hinzuweisen, dass Hundehalter ihre Tiere zur Sicherheit besser an der Leine führen sollten. Hauptsächlich in der Gegend um Stammheim und Heumaden hatte es im Vorfeld zahlreiche Vorkommnisse gegeben; ein Hund und zwei Katzen mussten sterben, andere Tiere wiesen Vergiftungssymptome auf. 2018 wurde in Altburg ein Hund mutmaßlich mit einem ausgelegten Köder vergiftet.
Dirk Wagner rät dazu, das Verhalten des eigenen Hundes zu beobachten, um etwaige Maßnahmen daraus abzuleiten. "Jeder kennt seinen Hund", meint er. Neige das Tier dazu, alles zu fressen, was es findet, sollte es definitiv lieber an der Leine bleiben.
Giftköder
Augen auf beim Spaziergang: Laut der internationalen Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gibt es typische Giftköder; vornehmlich Fleischbällchen, gespickt mit gefährlichen Gegenständen wie Rasierklingen, Scherben oder Rattengift. Auch Schneckenkorn werde als Giftköder verwendet. Die Köder würden bevorzugt in Gebüsch oder am Rand von Gehwegen mit Rasenflächen platziert.
Symptome
Hinweise, ob ein Hund eine Vergiftung erlitten hat, seien nach Angaben von "Vier Pfoten" Erbrechen, Durchfall, helle Schleimhäute im Rachenbereich, schwankender Gang, Atem- und/oder Herzstillstand, Krämpfe, schneller Herzschlag, Lähmungserscheinungen, Bewusstlosigkeit.
Sofortmaßnahmen
Hat ein Hund einen Giftköder gefressen, gelte es, schnell zu reagieren. Die Tierschutzorganisation rät, sofort den Tierarzt zu kontaktieren, die Symptome zu schildern. Der Arzt könne dann im besten Fall bereits das Gegengift bereithalten. Auch eine Probe des Köders sei hilfreich. Hundehalter sollten im Übrigen davon absehen, ihre Tiere zum Erbrechen zu bringen, wenn unklar sei, was gefressen wurde – bei ätzenden oder scharfen Ködern könne es zu Verletzungen kommen.