In einem knappen Monat startet die Weltmeisterschaft. Eine Umfrage unserer Redaktion zeigt: Große öffentliche Fußballfeste sind in Lahr nicht zu erwarten – auch nicht im Europa-Park.
Es ist die 106. Minute im EM-Viertelfinale Deutschland gegen Spanien. Beim Schuss von Jamal Musiala prallt der Ball Linksverteidiger Marc Cucurella im Strafraum an den schlaffen Arm – und Hunderte Menschen im Lahrer Seepark blicken entsetzt die Großbildleinwand an und schreien „Hand“. Doch es gibt keinen Elfmeter. Stattdessen steigt 13 Minuten später Mikel Merino hoch und köpft Deutschland aus dem Turnier.
Im Seepark macht sich kollektive Enttäuschung breit. Die Beine wirken nach fünf Kilometern Firmenlauf zuvor plötzlich doppelt so schwer. Auf dem Lahrer Rathausplatz, wo die „Bima-Bar“ zum Public Viewing eingeladen hatte, geht ein Teil der Fan-Schar geknickt nach Hause, andere bleiben in der Innenstadt, um in den Kneipen über den Schiedsrichter zu schimpfen.
In einem knappen Monat steht erneut ein Fußball-Großereignis an. Doch Szenen wie diese wird es – unabhängig vom Abschneiden der Deutschen Elf – dieses Jahr in Lahr nicht geben. Der Firmenlauf kollidiert nicht mit einem deutschen Spiel, der Rathausplatz wird weiter als Parkfläche benötigt. „Rudelschauen“ können Lahrer Fußballfans bei der WM in Nordamerika nur in den Bars. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen mit einem dezentralen Public Viewing hier in Lahr gemacht“, erklärt der städtische Pressesprecher Nicolas Scherger auf Anfrage unserer Redaktion.
Gute Erfahrungen mit dezentralen Übertragungen
Ein städtisches Public Viewing gab es zuletzt 2016 auf dem Rathausplatz. Bei den vergangenen Großereignissen haben Gastronomen und Vereine die Spiele in ihren Räumlichkeiten gezeigt. „Resonanz und Stimmung waren sehr gut“, so Scherger. Für eine dezentrale Ausstrahlung spreche zudem der monetäre Mehrwert für die lokale Gastronomie und Vereinskassen, die über den Getränkeverkauf direkte Einnahmen erhalten.
Gastronomen, die innerhalb ihrer genehmigten Fläche Public Viewing anbieten, „ohne dass dadurch ein besonderer Veranstaltungscharakter entsteht“, brauchen laut Scherger keine separate Genehmigung. Zu beachten sei jedoch, dass ab 22 Uhr Nachtruhe gilt und die Lautstärke zu reduzieren ist. Der Bund sei derzeit dabei, eine Verordnung zu erlassen, die während der Übertragung von WM-Spielen die zulässigen Lärmgrenzwerte erhöht.
Doch was ist mit der Bewirtung? Im Außenbereich ist es in Lahr generell bis 23 Uhr genehmigt, Getränke auszuschenken. Allein zwei deutsche Gruppenspiele starten jedoch erst um 22 Uhr, was bedeuten würde, dass die Bewirtung auch an noch so heißen Sommertagen ab der zweiten Halbzeit flach fällt. Die Stadt lässt verlauten, dass man Anträge auf Ausnahmegenehmigungen „im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten prüfen“ möchte. Insgesamt werde man bei Kontrollen „mit viel Augenmaß“ vorgehen. Dies habe sich bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften so bewährt.
Lahrer Bars haben schon Pläne
Wie bereitet sich die Gastronomie auf die WM vor? Die „Bima-Bar“ verzichtet in diesem Jahr auf eine Großbildleinwand auf dem Rathausplatz – und zwar nicht nur wegen der eingerichteten Parkplätze. „Wir haben noch nie etwas daran verdient, es hat eigentlich immer nur Spaß gemacht“, meint Inhaberin Alexa Ackermann im Gespräch mit unserer Redaktion. Die zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen seien zu hoch, zudem würden viele Spiele schlicht „zu spät“ angepfiffen. Stattdessen werde man die WM-Matches im Innenraum übertragen.
Beim „Platzhirsch“ am Marktplatz wird man auch in diesem Sommer wieder Spiele auf zwei Leinwänden übertragen. Einmal im Lokal an sich, einmal im benachbarten „Stall“, ist vor Ort zu erfahren. Alle Spiele werde man jedoch nicht zeigen. Man konzentriere sich auf die Spiele der deutschen Elf und jene, die noch zu humanen mitteleuropäischen Uhrzeiten stattfinden.
Was macht der Europa-Park?
Der Europa-Park hatte 2024 einige WM-Spiele auf einer Großbildleinwand im Innenhof des Hotels „Colosseo“ übertragen. Darauf verzichtet man in Rust in diesem Jahr. „Einige Spiele der WM werden in der ,Bubba Svens Sportbar’ sowie in den Hotelbars gezeigt“, erklärt die Unternehmenskommunikation auf Anfrage unserer Redaktion. Gleiches gelte für das Europa-League-Finale am Mittwoch, 20. Mai, wenn der SC Freiburg in Istanbul auf Aston Villa trifft.