Der 84-jährige Mann gewann etwa 750.000 Euro, sah aber keinen Cent von seinem Geld. Foto: dpa/Tom Weller

Nun steht das Urteil fest: Eine Pflegedienstbetreiberin, die einen alten Mann aus Burladingen um seinen Lottogewinn betrogen hatte, erhält eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Über Jahre tippte ein 84-Jähriger in Burladingen dieselben Lottozahlen – doch als er mit seinen Zahlen richtig lag, kassierte eine Pflegedienstbetreiberin das Geld ein. Untreue lautete der Vorwurf später vor dem Landgericht Hechingen.

Das Oberlandesgericht Stuttgart bestätigt nun die Entscheidung des Landgerichts Hechingen: Eine Pflegedienstbetreiberin ist wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

Das Landgericht Hechingen hatte am 16. November 2022 die angeklagte Pflegedienstbetreiberin im Berufungsverfahren wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, die einen älteren Herren um seinen Lottogewinn in Höhe von knapp 380.000 Euro brachte.

Oberlandesgericht Stuttgart verwirft Revision

Die mitangeklagte Mutter der Pflegedienstbetreiberin wurde freigesprochen, jedoch wurde gegen sie die Einziehung von 100.000 Euro angeordnet.

Gegen diese Entscheidung legten die beiden Angeklagten Revision ein, die Mutter vor dem Hintergrund, keine 100.000 Euro zurückzahlen zu müssen.

Die Revisionen der beiden Angeklagten wurden nun vom Oberlandesgericht Stuttgart als unbegründet verworfen.

Lotto-Spieler bittet Pflegerin um Hilfe

Die Angeklagte hatte über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten einen 84-jährigen Mann gepflegt. Dieser spielte zwei Mal wöchentlich Lotto, immer mit derselben Zahlenkombination.

Da er selbst nicht mehr in der Lage war, den Lottoschein abzugeben, bat er die Angeklagte, dies für ihn zu tun – was die Frau auch tat.

Aufgrund eines Sechsers im Lotto gewann der Geschädigte insgesamt etwa 750.000 Euro. Da der Geschädigte Angst hatte, dieses Geld könne von seinem Betreuer zurückgehalten oder für Pflegekosten aufgewendet werden, vereinbarte er mit der Angeklagten, dass das Geld zunächst auf ihr Konto gehen solle, sie dafür 250.000 Euro erhalte und sie ihm die restlichen 500.000 Euro sodann zukommen lasse.

Lottogewinn geht auf Konto der Angeklagten

Entsprechend dieser Vereinbarung wurde das Geld auf das Konto der Angeklagten ausbezahlt. In der Folgezeit überredete die Angeklagte den Geschädigten, dass er ihr die Hälfte des Gewinns überlasse, womit sich der Angeklagte einverstanden erklärte.

Da die Angeklagte jedoch den gesamten Gewinn für sich behalten wollte, bezahlte sie in der Folgezeit nichts an den Geschädigten aus, sondern gab einen großen Teil des Geldes aus.

An ihre Mutter überwies sie einen Betrag in Höhe von 100.000 Euro.

Lügen zum Lottospiel

Die Mutter bestätigte daraufhin die unzutreffende Version ihrer Tochter, dass der Geschädigte mit dem Lottospielen aufgehört habe und ihre Tochter den aufgefundenen Dauerlottoschein des Geschädigten genommen habe, um selbst damit Lotto zu spielen.

Letztlich verstarb der Geschädigte im Juni 2020, ohne jemals einen Euro von seinem Lottogewinn erhalten zu haben.

Erstinstanzlich hatte das Amtsgericht Hechingen bereits am 22. Dezember 2021 dieselbe Strafe gegen die Angeklagte ausgesprochen,die Mutter wurde hingegen wegen Begünstigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten mit Bewährung verurteilt.

Gegen diese Entscheidung hatten die beiden Angeklagten sowie die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.