Die Gewerkschaft hat etliche Forderungen an die Politik. Im Hinblick auf die Zukunft der Betriebe versichert sie: Man setze auf den Dialog und ein gemeinsames Vorangehen mit den Unternehmen.
Immer mehr Kurzarbeit, Zurückhaltung bei Investitionen und Einstellungen, der bange Blick auf die Exportmärkte und eine allgemeine Verunsicherung im Hinblick auf die strategische Ausrichtung – die aktuelle Lage beschäftigt selbstredend auch die IG Metall.
Der Erste Bevollmächtigte Thomas Bleile betonte im Rahmen eines Pressegesprächs zwar, dass die Unternehmen in der Region unterschiedlich stark von der Krise betroffen seien.
Insbesondere bei Automotive-Zulieferern und im Maschinenbau schlage diese durch. „Wir haben aber auch Betriebe, da läuft es gut, sie sind von Kurzarbeit weit entfernt und haben volle Auftragsbücher,“ so Bleile. Insgesamt verzeichne man aber schon eine deutliche Zunahme der Kurzarbeit, in manchen Firmen laufe die schon seit einem Jahr.
„Ein notwendiges Mittel“
Dass die Bundesregierung deren Dauer auf mögliche 24 Monate verlängert hat, sei derweil ein notwendiger Schritt gewesen, sind sich Bleile und seine Gewerkschaftskollegen sicher. „Es ist ein Mittel, um die Beschäftigten an Bord zu halten.“ Betriebsbedingte Kündigungen seien – noch – kein Thema. Personalabbau gab es indes aber schon in einigen Firmen und bei anderen sei die Lage den Beschäftigten zu ungewiss, so dass sie abwanderten, entweder in andere Unternehmen, in denen es besser läuft, oder direkt in andere Branchen oder auch in die benachbarte Schweiz.
Fachkräfte werden schon noch gesucht, so die Wahrnehmung der Gewerkschafter. Schlechter sieht es allerdings zum Beispiel für Hilfskräfte aus, betont Gewerkschaftssekretärin Angela Linsbauer: „Die Lage ist schon brisant“, bewertet sie jedenfalls für diesen Bereich die aktuelle Beschäftigungssituation.
Investitionen und Bürokratieabbau gefordert
Für die anstehende Bundestagswahl hat die Gewerkschaft ein Elf-Punkte-Programm mit Forderungen an die Politik und die Unternehmen aufgestellt. Ein Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland wird verlangt, Bürokratieabbau und die Stärkung aller deutschen Regionen ebenso wie Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, eine Reform der Schuldenbremse und des Steuersystems und eine Beschleunigung der Mobilitätswende etwa stehen auf der Wunschliste ganz oben. Gerade bei letzterem Punkt müsse Schluss sein mit Debatten um Ausstiegsdaten und Grenzwerte. „Ein Zick-Zack-Kurs gefährdet nur Arbeitsplätze“, ist sich Thomas Bleile sicher, „es muss Klarheit herrschen.“ Gefordert wird außerdem ganz konkret ein wettbewerbsfähiger Strompreis und die Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien.
Bereit zu Kompromissen
Am Beispiel von Mahle in Rottweil zeigt Thomas Bleile auf, was konkret getan werden könnte. Der Automobilzulieferer-Konzern sei zum Beispiel im Bereich Elektromobilität gut aufgestellt, aber leider nicht in Deutschland, sondern vor allem seinen Standorten in Osteuropa. Gerade der Bereich Rottweil sei, was Innovationen angehe, massiv vernachlässigt worden. Wenn die Arbeitgeberseite hier mit hohen Lohnkosten argumentiere, signalisiere man auch als Gewerkschaft durchaus Kompromissbereitschaft: „Wir sind sehr wohl in der Lage, Abstriche zu machen.“ Zeitweise Entlastungen seien denkbar, wenn damit eine gewisse Zukunftsgarantie für den Standort einhergehe, indem man hier Innovationen platziert, die Hand und Fuß und vor allem Zukunft haben.
Aktionstag in Stuttgart
Um allen Forderungen Nachdruck zu verleihen, wird es am 15. März – wohl in einer Zeit, in der die möglichen Koalitionäre einer künftigen Regierung sich finden werden – einen bundesweiten industriepolitischen Aktionstag in mehreren Städten geben. Die IG Metall VS chartert sechs Busse, um gemeinsam nach Stuttgart zu fahren.
Dort wird als Hauptredner Jürgen Kerner, der zweite Vorsitzende der Industriegewerkschaft, sprechen. Der ganze Tag soll unter dem Motto „Laut sein! Druck machen!“ unter Beteiligung aller ein buntes Bild abgeben, samt Rahmenprogramm mit Max Herre und Joy Denalane. Ab nächster Woche läuft in den Betrieben zudem eine Unterschriftensammlung für eine Petition.
Das ist bei der Gewerkschaft gerade wichtig
Rückblick
Die Tarifrunde 2024 für die Metall- und Elektroindustrie sei „intensiv“ gewesen, fasst Thomas Bleile zusammen. Das Ergebnis, das man Ende November erreicht hat, stimmte die Verantwortlichen insgesamt positiv, und ganz besonders zum Beispiel mit Blick auf das höhere Entgelt für Azubis. Auch dass das tarifliche Zusatzentgelt ausgeweitet wurde und man dieses in bis zu acht freie Tage im Jahr umwandeln kann, kam ebenfalls gut bei den Beschäftigten an. Gewerkschaftssekretär Oliver Böhme sagt: „Wie haben die Rückmeldung aus den Betrieben bekommen, dass das eine gute Sache ist. Es wird sehr, sehr gut angenommen.“ Vorantreiben möchte man, dass die Firmen mehr Qualifizierungsmaßnahmen für ihre Beschäftigten in Anspruch nehmen. „Gerade mal sieben Prozent der Betriebe nutzen die Möglichkeiten“, bedauert Thomas Bleile – gerade in Zeiten vermehrter Kurzarbeit ein richtig schlechter Schnitt.
Mitgliederstatistik
Die IG Metall VS hatte im vergangenen Jahr einen Mitgliederschwund von 3,88 Prozent auf 7162 Mitglieder zu verzeichnen. Dies hängt nach Einschätzung der Bevollmächtigten auch stark damit zusammen, dass man eine relativ hohe Altersstruktur hat.
Tarifrunde im KfZ-Handwerk
Im KfZ-Handwerk, der zweitgrößten Branche, für die die IG Metall zuständig ist, wird es im März in allen Bezirken die erste Tarifverhandlungsrunde geben. Gefordert werden 6,5 Prozent mehr Geld und ebenfalls ein Plus in der Ausbildungsvergütung in Höhe von 170 Euro. Man hoffe auf ein Tarifergebnis im Mai, so der zuständige Gewerkschaftssekretär Oliver Böhme. Zwei große tarifgebundene Betriebe der Branche sind in der Region die Firma Autowelt Schuler und die Firma Südstern Bölle.