Die Vorsitzenden des Gewerbevereins Jürgen Ott (links) und Nicolai Stotz (rechts) haben Selina Söhner und Horst Graef beim Neujahrsempfang den Calwer Löwen für die Deer GmbH überreicht. Foto: Felix Biermayer

Das Tochterunternehmen der ENCW wurde vom Gewerbeverein Calw auf dem Neujahrsempfang mit dem Preis ausgezeichnet. Verein und Politik blicken zudem auf die Herausforderungen für die lokale Wirtschaft.

Sie ist der verlässliche Höhepunkt des Neujahrsempfangs des Calwer Gewerbevereins: die Verleihung des Calwer Löwen.

 

Diesen Wirtschaftspreis bekommt jährlich ein Unternehmen und wird damit für seine Leistung ausgezeichnet. Wer ihn bekommt, ist vor der Veranstaltung streng geheim. Entschieden wird darüber im Vorstand des Gewerbevereins.

24 000 Kunden, 60 Mitarbeiter

Als am Montagabend Jürgen Ott, einer der Vorsitzenden, im Dehoga-Campus auf dem Wimberg die Bühne betrat, gab er in seiner Laudatio ein paar Hinweise.

Das in diesem Jahr ausgezeichnete Unternehmen sei 2019 gegründet worden und habe über 60 Mitarbeiter. Es engagiere sie sich sozial und kulturell, unter anderem bei der Vesperkirche. Dazu habe die Firma 389 Standorte in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz oder Hessen – und mehr als 24 000 registrierte Kunden.

Diese würden mit 1000 Fahrzeugen bedient. Und in der Calwer Innenstadt betreibe das Unternehmen einen Shuttle. Die Kunden hätten 2024 fast 2,6 Millionen Kilometer zurückgelegt und so fast 280 Tonnen CO₂ eingespart.

Nach diesen Informationen dürfte es vielen klar geworden sein. Der 16. Calwer Löwe ging an die Deer GmbH. Die bietet unter anderem E-Carsharing an und ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der ENCW.

Auszeichnung als Ansporn

„Es ist eine große Ehre“, sagte deren Geschäftsführer Horst Graef, als er den Preis überreicht bekam. „Sie werden noch viel von uns hören, wir sind erst am Anfang“, wandte er sich an die Gäste. Es sei ein junges Unternehmen mit einem jungen Team. Auch er habe dazulernen müssen. „Teilen lernen ist die große Kunst der Zukunft“, bezog sich Graef auf das Firmenkonzept. Nach Ernährung und Wasser sei Mobilität das nächste Bedürfnis.

„Wir wollen gemeinsam an einer nachhaltigen und innovativen Zukunft arbeiten“, sagte Selina Söhner, Bereichsleiterin Business Development & Operations bei der Deer GmbH. Neben harter Arbeit brauche es dafür eine klare Planung und eine Vision – heute dringender denn je. Auch sie bedankte sich für die Auszeichnung. Die sei für das junge Unternehmen ein Ansporn.

Alle ein bisschen Löwe sein

Der andere Vorsitzende des Gewerbevereins, Nicolai Stotz, schaute im Jubiläumsjahr der Stadt auf deren Geschichte und die der Unternehmen zurück. Die Calwer hätten sich gerade im Angesicht von Krisen nicht unterkriegen lassen. „Fleiß, Erfindergeist und Mut“, zählte er die Eigenschaften auf.

So habe ein Bauer vor 150 Jahren im Öländerle einen Graben angelegt, um mit dem wärmeren Wasser des Schlittenbachs die Hänge früher im Jahr vom Schnee zu befreien. Das Ergebnis: eine weiter Heuernte. Diese Einstellung brauche es auch heute. „Wir müssen alle ein bisschen Löwe sein“, spielte er auf das Wappentier an.

Stotz warb für Mut, zum Beispiel bei der neuen Calw-Card. 1000 Karten mit einem Volumen von 30 000 Euro seien schon im Umlauf. Es gebe aber nur 25 Akzeptanzpartner. Ziel sei es, noch mehr solcher Partner zu finden.

Stadt will unterstützen

OB Florian Kling meinte, es brauche kreative Köpfe, um die Stadt voranzubringen. Die Unternehmer hielten den Laden am laufen. Und die Stadt wolle sie dabei unterstützen, zum Beispiel mit einem beschleunigten Fachkräfteverfahren.

Hierbei bekommen Einwanderer zügiger ein Visum, um arbeiten zu könne. Die Stadt Calw ist hier schneller als andere Kommunen, weil sie diesen Vorgang aus dem Bereich der Ausländerbehörde in die Wirtschaftsförderung überführt hat. Eine Idee, die jetzt im ganzen Land kopiert werde, so Kling – und den Unternehmen helfe. Denn die kämen so schnell an fehlende Fachkräfte.

Zu viel Bürokratie

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Mack sah wirtschaftlich schwere Zeiten für die Unternehmer. Man müsse sich in Calw auf eigene Stärken besinnen. Aber die „schwäbischen Schaffer“ könnten das. Die Hesse-Bahn bringe sicherlich einen Aufschwung für Calw. Und die Calw-Card setze Maßstäbe.

Landrat Helmut Riegger lobte den Dehoga-Campus, wo der Neujahrsempfang erstmals stattfand. Dort laufe alles hervorragend, und vielleicht müsse er bald erweitert werden. Er betonte, wie viel Geld der Landkreis in die Berufsschulen investiere und so die Unternehmen fördere. Trotz wirtschaftlicher Krise plädierte er für Zuversicht.

Riegger machte aber auch klar, dass sich in der Politik etwas ändern müsse. Es brauche weniger Bürokratie. Und man müsse die soziale Sicherung „wieder auf ein normales Maß zurückschrauben“. Man müsse nicht die Schwachen „noch mehr pampern“, sondern etwas für die Unternehmer tun. Die seien die Wirtschaftskraft. Die Sozialausgaben belasteten den Kreishaushalt und trieben die Kreisumlage nach oben.

Der Landkreis müsse aber in die Zukunft investieren: in Glasfaser, in den Gesundheitscampus und in die Hesse-Bahn. „Die wird ein Segen für die Region sein“, so Riegger. Und er nannte einen Starttermin: den 5. Dezember.