Bei der Gewerbeschau 2023: Freuen sich bei der Eröffnung auf die Gewerbeschau (von links): Bürgermeister Jonathan Berggötz, Kur und Bäder Geschäftsführer Markus Spettel, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, Handwerkskammerpräsident Werner Rottler, Bad Dürrheims Wirtschaftsförderer Alexander Stengelin, Kunststoff Christel Prokurist Markus Federspiel, Bad Dürrheims ehemaliger Bürgermeister Walter Klumpp und der geschäftsführende Gesellschafter von Kunststoff Christel, Rainer Christel. (Archiv) Foto: Wilfried Strohmeier

Im kommenden Jahr wird der Gewerbeverein Bad Dürrheim 125 Jahre alt. Er ist einer der ältesten Vereine in Bad Dürrheim und hat als Vermittlungsorgan zwischen Gewerbetreibenden und Stadt eine wichtige Rolle – es könnte jedoch zur Auflösung kommen.

Die Vorsitzende Tamara Pfaff hat ihr Amt seit 15 Jahre inne, Andrea Kanold ebenfalls schon seit langem, und für Jürgen Rebholz ist Pfaff die vierte Vorsitzende in seiner Zeit im Vorstand. Alle drei wollen nicht mehr.

 

Das Dreigestirn gibt dem Verein noch ein Jahr Galgenfrist. Man wollte dann doch nicht das 125-jährige Bestehen gefährden, aber: Sie ließen sich nur noch für ein Jahr wählen. Im Herbst 2025 ist endgültig Schluss. Ein Jahr Galgenfrist für die Vereinsmitglieder, neue Vorsitzende zu finden.

„Die Lage ist ernst.“ Tamara Pfaff fasst die Lage in einem Satz zusammen. „Der Gewerbeverein hat Gewicht in Bad Dürrheim“, und im Interesse der Stadt, der Kur und Bäder wie auch seiner Mitglieder müsse man den Fortbestand sichern. „Ein Bad Dürrheim ohne Gewerbeverein können wir uns nicht wünschen.“

Vor 15 Jahre stand der Verein schon auf der Kippe

Pfaff erinnert sich: Als sie für den Vorsitz kandidierte, stand der Gewerbeverein schon einmal auf der Kippe. Sie führte den anwesenden Mitgliedern auch vor Augen, was es bedeutet, wenn es keinen Gewerbeverein mehr gibt: Es werde keinen Verkaufsoffenen Sonntag mehr geben, keinen Handwerkerhock, keine gemeinsamen Aktionen, keine Gewerbeschauen, kein Sitz mehr im Marketingbeirat, kein Sitz mehr im Stadtentwicklungsausschuss, keine Kooperationen mehr mit der IHK und die Kommunikation mit der Stadt werde schwieriger.

Für die beiden letztgenannten Punkte nennt sie ein Beispiel: So gab es in Zusammenarbeit mit der IHK eine Aktion für eine Social Media Beratung einiger Geschäfte mit einer Fachfrau. Mit der Stadt gab es Gesprächsrunden in Sachen Fremdenverkehrsabgabe – diese erhitzte die Gemüter in den vergangenen Jahren sehr.

Ein anderes Beispiel nannte Jürgen Rebholz. Bei einem Handwerkertreff ging es um die neuen Vergabemodalitäten bei Ausschreibungen. Bei dieser seien dann auch Nicht-Mitglieder anwesend gewesen. „Ich glaube es ist ein Verein, der sehr notwendig ist.“

Wie kommen Events bei den Mitgliedern an?

Andrea Kanold wollte dann auch wissen: Wie kommen denn die Aktionen des Gewerbevereins an? Hier meldete sich unter anderem Markus Stegmann zu Wort. Von den Verkaufsoffenen Aktionen habe er jetzt im Gewerbegebiet nicht allzu viel, aber bei der Fremdenverkehrsabgabe stand man zusammen. Seiner Ansicht nach profitieren die Geschäfte der Innenstadt mehr als die im Gewerbegebiet. Ileana Rupp, Leiterin des Kurstifts, räumte ein, dass sie jetzt bei einem Verkaufsoffenen Sonntag nicht mitmachen könne, aber man könne sich ja aussuchen, wo man sich beteiligen will. Sie beteilige sich gerne an dem Adventskalender.

Bürgermeister Jonathan Berggötz, der von einer CDU-Veranstaltung später zur Versammlung kam, hob heraus: Vieles funktioniert zusammen mit dem Gewerbeverein, die Vernetzung, die kritische Diskussion um die Fremdenverkehrsabgabe, er nannte noch einiges mehr. Er forderte auf, dass sich der eine oder andere doch überlegen solle, ob er nicht bereit wäre, in einem Jahr an die erste Stelle zu treten. „Für die Stadt Bad Dürrheim ist es wichtig, dass wir einen starken Gewerbeverein haben.“

Neuwahl des Vorstands im Herbst 2025

Die komplette Vorstandschaft mit Beisitzern wurde an dem Abend nur für ein Jahr und nicht wie in den Statuten normalerweise festgelegt, für drei Jahre gewählt. Es gibt zwei neue Beisitzer, dies sind Markus Pfeiffer und Josef Heissmann. Sollten sich bis zum Herbst 2025 keine Kandidaten finden, werde der Verein in einem geregelten Verfahren aufgelöst, so Tamara Pfaff.