Undine Jung wurde bei der Abschlusskonferenz vom Leiter der Gewerbeschule, Svjetlan Magazinovic, im Namen des Kollegiums und des Schulleitungsteams in den Ruhestand verabschiedet Foto: Maria Gessler

44 Dienstjahre hat Undine Jung unterrichtet. Jetzt hat die Gewerbeschule sie in den Ruhestand verabschiedet. 2006 war sie mit ihrem Mann von Thüringen nach Villingen-Schwenningen gekommen und hatte sich auch neuen Fächern zugewandt.

An der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen wurde zum Schuljahresende hin eine langgediente Lehrkraft in den Ruhestand verabschiedet.

Nach der beinahe unglaublich klingenden Zahl von 44 Dienstjahren als Lehrerin blickt Undine Jung, die seit 2006 an der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen tausende von Schülern in Deutsch und Gemeinschaftskunde unterrichtet hat, auf eine deutsch-deutsche Geschichte des Lehrens und Lernens zurück. In Thüringen begann sie schon mit 22 Jahren, als junge Lehrkraft für Deutsch und Bildende Kunst zu wirken.

Beinahe 30 Jahren in Thüringens Schuldienst

Das war im Jahr 1979, als der Nato-Doppelbeschluss auch kühne Visionäre nicht an eine Annäherung von Ost und West denken ließ. Man sprach von Deutschland nur als „BRD“ oder „DDR“. Dass sie einmal auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs Schwarzwälder Schüler über den Kalten Krieg, die Demokratie und die Wiedervereinigung unterrichten würde, wäre Undine Jung im Traum nicht eingefallen.

2006 aber, nach beinahe 30 Jahren in Thüringens Schuldienst, erlebte Undine Jung ihre persönliche Wende, als ihrem Mann an der Schwenninger Feintechnikschule eine Stelle als Mathe- und Physiklehrer angeboten wurde und dieser sagte: „Nicht ohne meine Frau.“ An der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen wurde damals eine allgemeinbildende Lehrkraft gesucht und in Undine Jung schließlich auch gefunden. Das Bewerbungsgespräch im Januar 2006 verließ sie mit den Schulbüchern für Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde in der Hand, und schon ab Februar begann für sie mit dem zweiten Schulhalbjahr das neue Leben in Baden-Württemberg, wohin das Ehepaar Jung seiner Tochter nachgefolgt war.

Abschied vom Fach Bildende Kunst

Die Lehrtätigkeit in Villingen-Schwenningen bedeutete für Undine Jung den Abschied vom Fach Bildende Kunst, das sie aber gerne für das neue Fach Gemeinschaftskunde losließ. Denn so konnte sie als in der DDR aufgewachsene Thüringerin die Demokratie in all ihren theoretischen Grundlagen verstehen und die deutsch-deutsche Geschichte aus der großen Perspektive betrachten, wie sie im Rückblick sagt.

Auch dass die Schüler an der Gewerbeschule im Vergleich mit ihrer früheren Schule älter oder auch schon erwachsen waren, hat ihr an ihrer neuen „Lehrstelle“ gefallen. Sie begriff das Lehren immer auch als eigenes Lernen, und so ging sie mit offenem Herzen und Neugier auch das zweite neue Fach Geschichte an, das im Laufe der Zeit dazu kam und das sie im Berufskolleg unterrichtet hat. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit hat sie gleich seit ihrem ersten Tag an der Gewerbeschule auch die Pressearbeit ausgeübt, was nahelag. Denn wäre Undine Jung nicht Lehrerin geworden, hätte sie sich dem Journalismus gewidmet.

Vitale Lebensführung als Steckenpferd

Ab jetzt wird sie sich vermehrt ihrem Steckenpferd vitale Lebensführung durch bewusste Ernährung und Bewegung widmen und mit ihrem Mann die eine oder andere Reise unternehmen. Sie werde sicherlich manchmal mit Wehmut auf den zu Ende gegangenen Lebensabschnitt blicken, sagt sie, nur nicht im November zum Zeitpunkt der Berufsschulabschlussprüfungen, die für sie stets mit einer hohen Arbeitslast aufgrund von Korrekturen verbunden waren.

Die Schulleitung und das Kollegium der Gewerbeschule haben Undine Jung im Rahmen der Abschlusskonferenz für ihr Wirken gedankt und wünschten ihr einen Ruhestand in Gesundheit und Freude.