Das Gewerbegebiet „Fichtenäcker III“ in Fluorn-Winzeln soll nahe zweier Biotope erschlossen werden. Der Naturschutzbund sieht darin Gefahren für die Artenvielfalt.
Ein neues DRK-Gebäude, ein Discounter und auch ein Hotelbetrieb sind im Zusammenhang mit der geplanten Gewerbegebietsfläche „Fichtenäcker III“ in Fluorn-Winzeln im Gespräch. Seit einiger Zeit befindet sich die Gemeinde in der Planungsphase. Der Naturschutzbund (Nabu) bemängelt allerdings die derzeitige Planung. Was steckt dahinter?
Das Gewerbegebiet soll laut Nabu bei den Tennisplätzen teilweise ohne „Pufferflächen“ an die Feldhecken und Magerrasen der dort verlaufenden Geländestufe heranrücken. Laut Nabu sind das geschützte Biotope.
Die geplanten „großvolumigen“ Bauten würden zudem Parkplätze, Straßen, Leuchtreklamen und Wendeflächen bedeuten – für die dort lebenden Tiere lebensgefährlich, führt der Nabu in einer Stellungnahme auf. Auch wenig mobile Arten wie Käfer, Zauneidechsen und Blindschleichen würden durch die unmittelbare Nähe in den Gefahrenbereich geraten.
Nabu und BUND fordern „Mindestmaß an Distanz“
„Die bisherige Artenvielfalt lässt sich nach den vorliegenden Plänen nicht erhalten“, so Beatrix Lamprecht und Thomas Kreuzberger. „Für das Nebeneinander von artenreichen Biotopen und Gewerbegebieten bedarf es eines Mindestmaßes an Distanz.“ Daher fordern Nabu und BUND die Gemeinde dazu auf, der Natur und Artenvielfalt eine Chance zu geben und ausreichend Abstände zwischen dem geplanten Gewerbegebiet und den Biotopen einzuhalten.
Unsere Redaktion hat sich bei Bürgermeister Rainer Betschner nach dem aktuellen Stand der Planung erkundigt. Werden die Bedenken in den weiteren Schritten berücksichtigt? Beim Flächennutzungsplan fand die Offenlage im April 2024 statt. Beim Bebauungsplan „Fichtenäcker III“ fand im Dezember die frühzeitige Beteiligung statt, informiert Betschner. Generell würden alle Träger öffentlicher Belange im Zuge des Verfahrens gehört werden. Somit werde auch die Einbringung des Nabu berücksichtigt.
Ob den Stellungnahmen gefolgt wird, entscheidet dann der Gemeinderat. Die Verwaltung arbeitet einen Beschlussvorschlag auf Basis der Empfehlungen des Ingenieurbüros aus.
Zwei Ausgleichsflächen bereits geplant
Außerdem würden auch Ausgleichsflächen für die Kompensation bezüglich der Erschließung des Gebiets ausgewiesen. Geplant seien zwei Maßnahmen im Wald: eine Vernässung zum Biotop und eine Waldumwandlung. Zudem werde gerade die Wiedervernässung des Moorgebietes beim Flugplatz geprüft, so Betschner.
Durch weitere Stellungnahmen könne es auch dazu kommen, dass die Gemeinde für Tierarten Ausweichflächen ausweisen und diese Arten dann umgesiedelt werden müssten. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht absehbar.
Erschließung im Herbst wünschenswert
Zum generellen Fortschritt konnte Rainer Betschner Details nennen. Nachdem der Bebauungsplan in die Offenlage kommt, werde die Gemeinde mit der Erschließung beginnen. Den Zeitpunkt genau zu definieren sei derzeit schwierig, da noch nicht alle Stellungnahmen vorliegen würden. Wünschenswert wäre allerdings, wenn die Erschließung im Herbst erfolgen könnte, so der Bürgermeister.
Danach könnte auch mit dem Bau des Discounters begonnen werden – voraussichtlich im ersten Quartal 2027. Das Hotelprojekt sei derzeit noch in der Abstimmungsphase, verrät er. Ein Baubeginn sei aber auch hier für 2027 oder 2028 denkbar.