Kräftigen Gegenwind von Bürgermeister Martin Ragg gab es in der jüngsten Ratssitzung für die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Petra Neubauer: Diese wandte sich gegen weiteren Flächenverbrauch für Gewerbe und Wohnbau.
Niedereschach - "Wie viel Fläche will die Gemeinde Niedereschach in den kommenden Jahren für Gewerbe- und Baugebiete eigentlich noch verbrauchen?", wollte Neubauer in der Frageviertelstunde wissen. Gemäß dem von den Regierungsparteien in Baden-Württemberg unterschriebenen Koalitionsvertrag sei eigentlich ein "Netto-Null-Flächenverbrauch" anzustreben.
"31 Fußballfelder verplant"
Für das vorgesehene interkommunale Gewerbegebiet in Deißlingen würden um die 17 Hektar verplant, plus vier Hektar dazu. Zwischen den Wegen II in Niedereschach seien es 7,4 Hektar, die in einem Vogelschutzgebiet geplant würden. Zwischen den Wegen III wären weitere fünf Hektar.
Dazu die anteiligen Flächen im geplanten interkommunalen Gewerbegebiet ergäben somit insgesamt 18 Hektar – und mit den Neubaugebieten Steigäcker und Schaubelen kämen nochmals vier Hektar dazu. Sie fragte, wo die Rechtfertigung bestehe, "dass wir so viel Fläche verbrauchen". Zumal es sich stets um landwirtschaftliche Fläche handle, die eigentlich für die nächsten Generationen zur Lebensmittelproduktion zur Verfügung stehen sollte.
"Wir haben vor, eine Fläche von 31 Fußballfeldern zu verplanen und zu bebauen", rechnete sie vor. Sie schlug vor, mit dem Gemeinderat und Bürgern eine Gemeindeentwicklungsplanung ins Auge zu fassen, um diese Fragen gemeinsam zu diskutieren.
"Gemeinde profitiert"
"Das, was Sie alles addieren, sind Dinge, die teilweise noch im Fluss sind", lautete die Antwort von Bürgermeister Martin Ragg. Aktuell laufe das Gewerbegebiet Zwischen den Wegen II. Dafür sei inzwischen auch der Aufstellungsbeschluss gefasst.
Des Weiteren gebe es das von Neubauer gar nicht erwähnte Gewerbegebiet Obere Reuten auf dem ehemaligen Reitgelände, also einer vorbelasteten Fläche. Dieses Gebiet sei bereits komplett an zwei einheimische Unternehmen vergeben, die beträchtlich investieren wollten.
Im Gebiet Zwischen den Wegen sei, obwohl erst kürzlich der Aufstellungsbeschluss gefasst wurde, auch bereits ein Großteil an ortsansässige Unternehmen vergeben. Nicht außer Acht lassen sollte man, dass die Gemeinde hiervon ja wieder in Form von Gewerbesteuern und Arbeitsplätzen profitiere.
Langwierige Planung
Man brauche inzwischen viel zu lange, um solche Vorhaben umsetzen zu können, sagte Ragg. "Wir müssen inzwischen in Dimensionen denken, die waren vor wenigen Jahren undenkbar." So habe man die Planung für das Gebiet Zwischen den Wegen bereits 2014 begonnen. Heute, acht Jahre später, sei man erst so weit, dass man den Bebauungsplan starten konnte.
Inzwischen müsse man mit Dekaden rechnen, bis ein Gewerbegebiet steht. Nicht zu vergessen sei, dass sich Niedereschach auf die ortsansässigen Unternehmen konzentriere, denen man Erweiterungsmöglichkeiten bieten möchte. Man schalte keine Anzeigen, um fremde Unternehmen anzuwerben.
Verzicht möglich
Was das interkontinentale Gewerbegebiet und das Gebiet Zwischen den Wegen III betreffe, so seien das die übernächsten Schritte. Auf jeden Fall müsse es eine vernünftige Planung für die nächsten Jahre geben. Sollte das interkommunale Gewerbegebiet in Deißlingen kommen, dann könnte man sich in Niedereschach vorstellen, auf die Planung für Zwischen den Wegen III zu verzichten.