Soziale Netzwerke werden auch für die Innenstädte wichtiger. In Bad Dürrheim wurden die Händler nun geschult. Foto: Elena Baur

Innenstadt-Sterben ist spätestens seit Corona ein immer wiederkehrendes Thema in vielen Gemeinden. In Bad Dürrheim möchte man dagegen vorgehen und bietet Kurse der IHK an, um für Menschen sichtbarer zu werden. Die Meinungen hierzu sind eindeutig.

In vielen Innenstädte herrscht das Phänomen des Geschäfte-Sterbens. Kunden bleiben aus und auch neue Läden schließen nach kurzer Zeit wieder. Doch was kann dagegen getan werden?

 

Um dieser Tendenz, die vor allem auch durch Corona befeuert wurde, entgegen zu wirken, haben die Gewerbetreibenden in Bad Dürrheim die Möglichkeit an verschiedenen Schulungen, organisiert durch die IHK, teilzunehmen. Dies entstand durch das Förderprogramm „Regionale Innenstadt-Berater“ vom Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg.

Philip Hilsenbek von der IHK, zuständig für Schwarzwald-Baar-Heuberg nennt dieses Phänomen Paradigmenwechsel (siehe Info). Das Hauptziel der Aktion sei die Sichtbarkeit der Betriebe. Damit sollen die Innenstädte gestärkt werden und ins Bewusstsein „gehievt“ werden.

Tipps von Profis

Bereits im vergangenen Jahr nahmen einige Unternehmen aus Bad Dürrheim an einem Kurs zur Schaufenstergestaltung im Rahmen dieser Aktion teil. Beim jüngsten Angebot am vergangenen Montag bot sich weiteren sechs Händlern und Gastronomen die Möglichkeit. Dieses Mal zum Thema Instagram.

„Die Einzelhändler sind sehr dankbar für die individuelle Beratung und freuen sich Profi-Tipps zu bekommen und direkte Fragen stellen zu können“, weiß Daniel Limberger City Manager der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim. Vor allem im ländlichen Bereich zähle für ihn die Innenstadt als Ort der Begegnung und des täglichen Lebens. Daher findet er das Förderprogramm wichtig, um den Wandel der Innenstädte zu unterstützen. Denn allein der Handel bringe nicht mehr dieselbe Frequent wie vor ein paar Jahren.

Social Media festigen

Für viele Gewerbetreibenden sei die Social Media Welt Neuland. Da herrsche oft das Bild: Das will ich nicht, das brauche ich nicht, erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion die Vorsitzende des Gewerbevereins Bad Dürrheim Tamara Pfaff. „In Bad Dürrheim ist man noch nicht so auf den Zug aufgesprungen.“ Allerdings müsse man hier auch beachten, dass die meisten der Betreiber bereits 40 plus seien.

Nach einer kurzen Auswahl der Betriebe durch Tamara Pfaff, welche schaute für wen diese Kurs sinnvoll sein könnte, kam am Montag die Expertin Ingrid Lang aka F. Gemeinsam schaute sie je eine Stunde mit dem jeweiligen Unternehmen ihren bisherigen Online-Auftritt an und gab Tipps für kurze Videos und die richtigen Einstellungen für Produktdarstellungen. Mit dabei waren: modelia by gabriele kuhn, der neue Optiker sehenswert, Feine Wäsche – Conny Brix, der Gastronom La Bottega Italiana, die Boutique Modestern, BioVida und auch Tamara Pfaffs Geschäft TP Multimedia.

Kostenlose Chance

Und das führte zu einem Umdenken bei den Teilnehmern. Sie merkten, dass Social Media auch viel positives mit sich bringen könne. „Es ist eine Chance, ganz kostenlos. Einfacher kann man es eigentlich nicht haben“, so Pfaff. Sie hofft nun, dass die kleinen Erfolgsmomente durch die Übungen mit der Expertin und die gewonnene Lust an der neuen Technik bei den Unternehmen anhält und sie weiter dran bleiben.

Bessere Außenwirkung Bad Dürrheims

Um die Menschen nicht nur vom eigenen Laden, sondern auch von der Innenstadt von Bad Dürrheim zu überzeugen, komme es auf den Zusammenhalt der Unternehmen untereinander an. Und neben dem persönlichen Kontakt, sei es auch wichtig online immer wieder für die Menschen präsent zu sein, weiß Pfaff. Denn je besser der Einzelhandel im Online-Auftritten präsentiert werde, desto besser erfahren Touristen von Bad Dürrheim.

Auch online präsent sein

Auch Philip Hilsenbek, der selbst mit vor Ort war, bestätigte diese Aussage. Es komme auf den stationären und den online Fuß an. „Mit zwei Füßen steht es sich besser“, scherzt er dabei lachend.

An diesem Zusammenhalt arbeite Pfaff stetig in Bad Dürrheim. So wurde im letzten Stammtisch des Gewerbevereins Bad Dürrheim gemeinsam beschlossen, dass es ab sofort alle zwei Monate eine „Einzelhandels Hockete“ geben soll. Diese findet jedes Mal zum Feierabend bei einem anderen Gastgeber statt, der dort die Möglichkeit hat sich den anderen vorzustellen und jeden seine Nachbarn besser kennenlernt. Dies sei auch im täglichen Geschäft geschickt, wenn jeder weiß, was der andere anbietet und so eventuell Kunden geholfen werden kann, der nach einer bestimmten Sache suche, freut sich Paff über dieses neue Format. Der erste Gastgeber wird der neue Optiker sehenswert Mitte Juli sein.

Nächster Kurs im Oktober

„Bad Dürrheim hat einen ganz tollen Eindruck hinterlassen, nicht nur bei der IHK sondern auch bei der Expertin. Die Betriebe haben gezeigt, dass sie offen sind und Spaß am Ausprobieren haben und dran bleiben. Sie haben gesehen, dass es keine Gefahr darstellt sondern eine Chance. Danke Bad Dürrheim“, freut sich Hilsenbek und zieht wie Tamara Pfaff ein positives Fazit. Bereits im Oktober wird es den nächsten Kurs für die Innenstadt geben. Bei diesem geht es um die Gestaltung der Innenräume und deren Präsentation. Hilsenbek wünscht sich zudem eine Fortsetzung des Projekts.

Erklärungen

Paradigmenwechsel
Ein Paradigmenwechsel ist einfach gesagt ein Vorzeichen-Wechsel. Das bedeutet, dass es eine grundlegende Veränderung im Fundament gibt. Im Beispiel der Innenstadt sieht das wie folgt aus: Früher habe der reine Handel für das Geschäft gereicht um die Menschen zu locken, so Philip Hilsenbek von der IHK. Jetzt müsse man die Menschen locken, um mehr Frequenz in den Geschäften zu haben.