Scharfe Kritik aus der regionalen Wirtschaft gibt es an der Entscheidung des EU-Parlaments zum Mercosur-Handelsabkommen.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg übt deutliche Kritik an der Entscheidung des Europäischen Parlaments, das Mercosur-Handelsabkommen an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen.
Bei den export- und importorientierten Unternehmen der Region sorgt dieser Schritt für erhebliches Unverständnis. „Das Abstimmungsergebnis ist ein bitterer Rückschlag für Europa, besonders für die Medizintechnik, den Maschinenbau und die Automobilzulieferindustrie“, sagt Steffen P. Würth, Vizepräsident der IHK.
„Die Einschaltung des Gerichtshofs verkompliziert und verzögert den Prozess massiv und ist angesichts der wirtschaftlichen und geopolitischen Lage Europas vollkommen unverständlich. Ein Gutachten kann – wie beim Freihandelsabkommen mit Singapur – bis zu zwei Jahre dauern.“
Zügiges Inkrafttreten essenziell
Insbesondere für den Maschinenbau und andere exportstarke Industrien sei ein zügiges Inkrafttreten jedoch essenziell: „Die derzeitigen Mercosur-Zölle von durchschnittlich elf Prozent verteuerten europäische Exporte erheblich und belasteten zahlreiche Unternehmen auch in der Region. Nach mehr als 25 Jahren Debatte sind weitere Verzögerungen nicht akzeptabel. Europa blockiert sich selbst – insbesondere zulasten des industriellen Mittelstands“, so Würth.
Er appelliert deshalb an die EU-Kommission, das Abkommen zumindest vorläufig anzuwenden. „Unsere international aktiven Mitgliedsunternehmen haben ein eindeutiges Interesse daran, dass die Vorteile dieses Abkommens so bald wie möglich greifen.“
Außerdem fordert er – unabhängig von dem Mercosur-Abkommen – endlich den Abschluss eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Brasilien. „Bislang existiert zwischen Deutschland und dem wichtigsten Handelspartner Südamerikas kein solches Abkommen. Das Risiko einer Doppelbesteuerung ist für deutsche Unternehmen dort besonders hoch“, fügt Steffen P. Würth hinzu.
Unabhängig von der Entscheidung der EU-Kommission und des Europäischen Gerichtshofes sollten sich die international orientierten Unternehmen künftig noch intensiver auf wachstumsstarke Märkte blicken.
Neben Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay gewinnen auch weitere dynamisch wachsende Volkswirtschaften, wie etwa Indien, an Bedeutung. „Diese Ländermärkte sollten der Volksrepublik China und den USA nicht allein überlassen werden“, so Würth.
Die IHK unterstützt und informiert die kleinen und mittleren Unternehmen regelmäßig bei der Markterschließung durch Beratung und Veranstaltungen gemeinsam mit den Auslandshandelskammern (AHK).
Im Zeitraum vom 12. bis 18. März 2026 findet in der IHK eine AHK-Round-Table-Woche zu den Märkten USA, Indien, Türkei, Malaysia und Brasilien statt. IHK-Außenwirtschaftsexperte Jörg Hermle ist telefonisch unter 07721/92 21 23 oder per E-Mail an hermle@vs.ihk.de erreichbar.