Die Möbel im Karlsplatz-Pavillon wurden von der Spurensicherung abgebaut und mitgenommen. Foto: Magdi Aboul-Kheir

Wieder einmal steht der Ulmer Karlsplatz im Mittelpunkt. Das Opfer einer Gewalttat befindet sich in einem kritischen Gesundheitszustand, die Behörden ermitteln.

Die Tische und Bänke im Pavillon sind weg. Wo sonst Menschengruppen am Karlsplatz mehr oder minder bequem abhängen können, ist nun eine leere Fläche. Wie Sven Vrancken, Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, bestätigt, ist das Mobiliar zur Spurensicherung abmontiert und mitgenommen worden.

 

Denn das Areal – das über die Jahre immer wieder als Brennpunkt in der Stadt auffällt – ist aktuell zu einem Tatort geworden: In der Nacht von Freitag auf Samstag ist dort ein 75-Jähriger attackiert und lebensgefährlich verletzt worden. Am Samstag war der Karlsplatz viele Stunden abgesperrt, weil die Polizei dort Spuren suchte. Diese werden nun beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg ausgewertet.

75-Jähriger noch auf der Intensivstation

Bei der Kriminalpolizei Ulm wurde zwischenzeitlich die Sonderkommission Karl zur Aufklärung der Tat eingerichtet. Kripo und Staatsanwaltschaft ermittelten auf Hochtouren, wie Vrancken mitteilt. Natürlich stehen die Männer und Frauen, die dort oft trinkend, feiernd und lärmend viel Zeit verbringen und Anwohnern auch auf die Nerven gehen, im Mittelpunkt des behördlichen Interesses. Aber wie der Polizeisprecher sagt, wird „in alle Richtungen ermittelt“, man dürfe nichts ausschließen. Zeugenhinweise nimmt die Polizei Ulm weiterhin unter der Telefonnummer 0731/188-0 entgegen.

Und was das Opfer der Gewalttat betrifft: Der 75-Jährige wird intensivmedizinisch betreut, sagt Vrancken. Er wurde mittlerweile operiert und „befindet sich weiterhin in einem kritischen Gesundheitszustand“.

Mehr Party, wenn das Wetter besser wird

Das 22-jährige Opfer der Gewalttat von den Sedelhöfen von vor einer Woche ist derweil aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er war in der Unterführung am Hauptbahnhof mit einem Messer attackiert worden.

Auf dem Karlsplatz ist es in den vergangenen Wochen wieder lebhafter zugegangen. „Das war auch erwartbar, wenn der Winter vorbei ist und das Wetter besser wird“, sagt Hans-Peter Hermann, Geschäftsführer der Drogenhilfe Ulm/Alb-Donau, für die der Karlsplatz regelmäßig im Fokus steht. „Es ist klar, dass dann wieder Leute dort zusammenkommen und Party machen.“

Karlsplatz ein „Szene-Treffpunkt“

Der Karlsplatz sei nun mal ein „Szene-Treffpunkt“, allerdings „nicht permanent“, und vor allem seien dort unterschiedliche Gruppen zugegen, betont Hermann. Mal sei es eine „Trinkerszene“, mal eher die Klientel, die die Drogenhilfe im Auge hat. Manchmal berichten Sozialarbeiter, dass gar nichts los sei. Unter der Klientel der Drogenhilfe sei es vielleicht eine Handvoll, die immer mal wieder für Unmut sorge, sei es am Lederhof, sei es am Karlsplatz, sagt Hermann: „Die werden dort auffällig, wo sie sich aufhalten.“

Was die Gewalttat vom Wochenende betrifft, sollte man nun aber erst einmal die Ermittlungen abwarten, bevor man vorschnell Schlüsse ziehe, betont Hermann.