Seit einem Schuss in einem Haus in Irslingen ist für die Familie des schwer verletzten Damian nichts mehr wie es war. Jetzt gibt es Neues zum Gesundheitszustand des Jungen – und die Staatsanwaltschaft gibt auf Nachfrage Auskunft zum Stand der Ermittlungen.
Die Tat am 15. Dezember hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Ein Zwölfjähriger wird durch einen Schuss in den Kopf schwer verletzt, dringend tatverdächtig ist ein 14-jähriger Freund, der in Untersuchungshaft sitzt. Es wird wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt.
Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, ist die Anteilnahme am Schicksal des jungen Opfers enorm. Der Zwölfjährige musste in der Tatnacht ins künstliche Koma versetzt, von der Feuerwehr aus dem ersten Stock des Hauses vorsichtig über die Hebebühne nach draußen transportiert und dann mit dem Hubschrauber in die Klinik nach Tübingen geflogen werden.
Zustand hat sich stabilisiert
Freunde der Familie haben Spendenaufrufe sowohl auf „Gofundme“ als auch über Paypal gestartet. Sie wollen der Familie, die vier Kinder hat, damit zumindest die finanziellen Hürden etwas erleichtern und vielleicht zu Behandlungsmöglichkeiten von Damian beitragen. Insgesamt sind mittlerweile rund 22 000 Euro zusammengekommen.
Die Initiatorin der Gofundme-Spendenaktion, Cristina Breinlinger, gibt nun auf der Plattform in Internet auch ein Update zum Gesundheitszustand des Jungen. Sie schreibt, dass sich Damians Zustand nach den langen Tagen des Bangens und der Ungewissheit stabilisiert habe. Inzwischen sei er aus dem künstlichen Koma aufgewacht und ansprechbar.
Traurige Nachricht
Doch es gibt auch eine sehr traurige Nachricht, wie sie schreibt: „Leider haben sich aber auch die Befürchtungen bestätigt, dass neben dem bereits durch die Schussverletzung verlorenen Auge, auch der Sehnerv des zweiten Auges so irreparabel beschädigt ist, dass Damian auch auf dem zweiten Auge erblindet ist.“
Für den Jungen sei es beängstigend und noch schwer zu begreifen, warum er seine Augen nicht mehr öffnen kann. Sie erklärt weiter: „Welche weiteren Folgeschäden bestehen bleiben, werden die nächsten Wochen zeigen. Es ist jedoch klar, dass Damian und seine Familie noch einen weiten und schweren Weg vor sich haben, bis ein annähernd normales Leben wieder möglich sein kann.“
Anteilnahme ist überwältigend
Im Namen von Damians Familie bedankt sie sich herzlichst bei allen Spendern und für die überwältigende Anteilnahme. Die Spendenaktion läuft weiter. Alle für Damian gesammelten Spenden werden aus organisatorischen Gründen an Damians Oma ausbezahlt und alle Banküberweisungen werden in Ihrem Namen angenommen, um Damians Eltern in der momentanen Situation zu entlasten. Alle gesammelten Spenden, so betont sie, werden anschließend umgehend an Damian und seine Eltern überwiesen.
Vernehmung des Opfers möglich
Konnte der schwer verletzte Junge nun also doch zum Tathergang vernommen werden? Und wie ist der Stand der Ermittlungen? Frank Grundke, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Rottweil, bestätigt am Freitag auf Nachfrage, dass sich der Zustand des Jungen stabilisiert habe. Stand der Dinge sei seiner Kenntnis nach, dass „eine Vernehmung in absehbarer Zeit möglich sein wird“.
Hat der 14-Jährige ausgesagt?
Ob der 14-Jährige Tatverdächtige bei der Polizei Aussagen zum Tathergang gemacht hat, darüber habe er keine expliziten Erkenntnisse – aber: „Das wäre sehr ungewöhnlich.“ Anwälte würden in solch einem Fall dazu raten, nicht auszusagen, bis die Verteidigung Klarheit über die weiteren Ergebnisse der Ermittlungen hat, um den Mandanten dann weiter beraten zu können.
Klar ist aber in jedem Fall: Der Prozess wird nicht öffentlich stattfinden. Das ist im Alter des Tatverdächtigen begründet, wie Grundke erklärt. Wenn es in einem Fall dagegen mehrere Angeklagte gäbe und einer über 18 Jahre alt ist, dann finde ein Verfahren öffentlich statt.
Haftprüfungsfrist beträgt sechs Monate
Der jugendliche mutmaßliche Täter ist weiterhin in U-Haft. Die Haftprüfungsfrist beträgt auch bei einem 14-Jährigen sechs Monate – sprich: Bis dahin sollte ein Urteil fallen, außer die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen oder ein anderer wichtiger Grund hätten dies noch nicht zugelassen.
Frank Grundke geht im Fall des Schusses in Irslingen von Ermittlungen „in einem überschaubaren Rahmen“ aus. Man werde alles versuchen, um die Haftprüfungsfrist einzuhalten.
Das bedeutet, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach noch im Frühjahr zu einem Prozess und einem Urteil kommen wird. Währenddessen muss sich der zwölfjährige Damian weiter zurück ins Leben kämpfen.