In diesem Wohnhaus in Irslingen fällt Mitte Dezember ein Schuss. Die Polizei durchsucht das Gebäude mehrfach. Foto: Otto

Der Schuss auf einen zwölfjährigen Jungen in Irslingen hat die Region erschüttert. Nach intensiven Ermittlungen der Polizei gibt es jetzt Neues.

Während die Schlagzeilen über den Schuss, den mutmaßlich ein 14-Jähriger auf einen Zwölfjährigen in Irslingen abgefeuert hat, bei vielen langsam in den Hintergrund rücken, ist für die betroffene Familie seither nichts mehr wie es war. Das junge, schwer verletzte Opfer kämpft sich mühsam zurück ins Leben – derweil haben die aufwendigen Ermittlungen der Polizei jetzt zum nächsten Schritt geführt.

 

Wie wir auf Nachfrage erfahren, hat die Staatsanwaltschaft Rottweil nun Ende März Anklage an das Landgericht Rottweil – Jugendkammer – „insbesondere wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher und mit schwerer Körperverletzung gegen den Jugendlichen erhoben“. Das teilt Robin Schray, stellvertretender Sprecher der Staatsanwaltschaft, mit.

Das Augenlicht verloren

Angeklagt ist der 14-jährige Freund des Opfers, der den Schuss am Abend des 15. Dezembers im Wohnhaus des 14-Jährigen abgefeuert haben soll. Über die näheren Umstände, die zu der Tat führten, wurde noch nichts bekannt. Der 14-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Klar ist aber, dass der Schuss den Zwölfjährigen in den Kopf, im Bereich des Auges getroffen hat. Der Junge hat dadurch sein Augenlicht verloren und weitere schwere Verletzungen davongetragen.

In einer dramatischen Rettungsaktion war er am Tatabend in ein künstliches Koma versetzt und mithilfe der Feuerwehr Rottweil von den Rettungskräften aus dem Obergeschoss des Hauses geholt und in eine Spezialklinik transportiert worden.

Auf der Spendenplattform gofundme kamen zur Unterstützung für Damian und seine Familie rund 20 500 Euro zusammen.

Wohnhaus beschlagnahmt

Zur Rekonstruktion der Tat und für die weiteren Ermittlungen war das Wohnhaus am Tag vor Weihnachten beschlagnahmt worden. Auch das Landeskriminalamt war vor Ort, um unter anderem eine 3D-Tatortvermessung durchzuführen.

Doch wie kam der 14-Jährige an die Waffe? „Die Ermittlungen gegen die gesetzlichen Vertreter dauern noch an“, sagt Robin Schray von der Staatsanwaltschaft dazu. Es laufen Ermittlungsverfahren wegen waffenrechtlicher Verstöße und wegen des Tatvorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung.

Prozess wohl ab Mitte Juni

Der Prozess gegen den jungen mutmaßlichen Täter wegen versuchten Mordes rückt nun dagegen in greifbare Nähe. Auf die Frage nach einer möglichen Terminierung und dem Umfang des Prozesses erklärt Corinne Schweizer, Sprecherin des Landgerichts Rottweils: „Die Kammer wird zeitnah über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Es ist geplant, im Falle der Eröffnung Mitte Juni 2025 mit der Hauptverhandlung zu beginnen.“ Das Verfahren werde sich voraussichtlich über mehrere Wochen erstrecken.

Verfahren nicht öffentlich

Und: Das Verfahren findet – wie in diesem Fall aufgrund des jugendlichen Alters des Angeklagten vorgeschrieben – nicht öffentlich statt. Das Landgericht werde aber bestmöglich über den Verlauf informieren. Wie auch die Tat, wird dieser Prozess wohl landesweit für Aufsehen sorgen.

Währenddessen versucht der zwölfjährige Damian weiter, mithilfe seiner Familie und der Ärzte zurück ins Leben zu finden. Wie aus Familienkreisen verlautete, ist zu befürchten, dass er lebenslang auf Pflege angewiesen sein wird.