Gewalt gehört auch für einige Ärzte und MFAs im Schwarzwald-Baar-Kreis bereits zum Alltag. (Symbolbild) Foto: © Halfpoint - stock.adobe.com

Im Schwarzwald-Baar-Kreis häufen sich Berichte über Gewalt gegen Ärzte und Praxisteams. Wie reagieren Betroffene und welche Lösungen fordern sie?

Immer häufiger berichten Ärzte und Praxisteams von aggressivem Verhalten – ob in der Notaufnahme, in der Praxis oder beim Rettungseinsatz. Was steckt dahinter, und welche Lösungen gibt es? Wir haben im Schwarzwald-Baar-Kreis nachgefragt.

 

„Man kann sich manche Szene kaum vorstellen, die sich in der Notaufnahme der Klinik, am Anmeldetresen der Arztpraxis oder am Telefon abspielt, wenn das Wunschrezept verwehrt wird, der Wunschtermin nicht vergeben werden kann oder bei vollem Wartezimmer auch mal ein bis zwei Stunden Wartezeit entstehen“, erklärt Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Auch in Villingen-Schwenningen berichten Ärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) von Gewalt im Berufsalltag – verbal, aber auch physisch.

Versorgungsnot im Schwarzwald-Baar-Kreis

Der Schwenninger Kinderarzt Stefan Röser, der seit einem Dreivierteljahr nur noch Arzt für Privatpatienten und Selbstzahler ist, spricht von seinen Erfahrungen. Gewalt sei in seiner Zeit als Kassenarzt häufig gewesen. Rückblickend sagt er: „Früher hatten wir das immer.“

Es sei oft „unschön“ geworden, Drohungen und Erpressungen seien schon zur Routine geworden, erzählt Röser. Konsequent habe er dann Personen rausgeschmissen. Denn „rumdiskutiert wird nicht“, meint der Kinderarzt.

Die allgemeine Versorgungssituation kollabiere im Schwarzwald-Baar-Kreis, meint der Schwenninger Kinderarzt Stefan Röser. „Und wer krank ist – steht unter Druck“, stellt er verständnisvoll fest. Dass dies aber immer öfter in verbale und körperliche Gewalt umschlage, sei unverständlich.

Physische Gewalt in der Arztpraxis

Auch physische Gewalt sei in seiner Arztpraxis nicht selten gewesen, meint Röser. So sei einmal ein Vater, dessen Kind hohes Fieber hatte, gewalttätig geworden, habe einen MFA geschubst und Rösers Frau beschimpft. „Und da fielen dann Faustschläge“, berichtet er.

Die Polizei sei gerufen worden und es wurden Verfahren wegen Körperverletzung – auch gegen Röser – und ein Verfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet. Diese wurden später eingestellt, was für ihn unverständlich sei: „Nachdem man mit den Fäusten auf mich losgeht.“

Seine Forderungen sind daher eindeutig: „Bringt mal eure Gesundheitsversorgung in Ordnung – dann ist der Druck weg“, stellt er klar. Und Anzeigen wegen Gewalt in Praxen sollten konsequent verfolgt und nicht eingestellt werden.

Forderung: mehr Verständnis von den Patienten

Facharzt Johannes Guhl aus der Gemeinschaftspraxis am Bärenplatz in Schwenningen hingegen fordert mehr Verständnis von den Patienten. „Manchmal kann man eben erst einen Termin in vier Wochen geben“, erklärt er. Dabei verweist er auch auf die begrenzten Kapazitäten in der Praxis: „Wir haben auch nur zwei Hände und zwei Füße, und der Tag endet irgendwann auch“, stellt Guhl fest.

Ein anderes Problem sieht er in mangelndem Respekt. Auch sein Personal verdiene denselben Respekt wie Ärzte – und vor allem „den man sich auch selbst wünschen würde.“

Das Thema ist auch bei anderen Ärzten im Schwarzwald-Baar-Kreis präsent. Hausärztin Ariane Bucher aus Dauchingen macht deutlich: In den Augen der Patienten sei man als Arzt eher eine Respektsperson.

Anne Stergar, MFA bei Kinderärztin Karin Bohlender in Villingen, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Wir werden oft nur als Sekretärinnen oder Tippsen bezeichnet“, sagt sie. „Aber es steckt schon mehr hinter dem Beruf“, betont Stergar mit Blick auf die dreijährige Ausbildung. Ihr Wunsch: „mehr Anerkennung für medizinische Fachangestellte.“

Forderungen an Politik und Gesellschaft

Die Landesärztekammer ist sich der von Ärzten und MFAs genannten Probleme bewusst und fordert ebenfalls Veränderungen von Politik und Gesellschaft. Es solle einen besseren Gewaltschutz für Ärzte und ihre Teams in Praxen, in Krankenhäusern und beim Rettungseinsatz geben, so die Kammer.

„Attacken auf das Medizinische Personal sind konsequent strafrechtlich zu ahnden“, ist eine weitere Forderung. Und vor allem brauche es mehr gesellschaftliche Wertschätzung und Verständnis für die Arbeit der medizinischen Fachkräfte.