Die Mitarbeiterinnen Lina Faller (links) und Caro Throm zogen Bilanz aus 40 Jahren Arbeit im Frauenhaus. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Vor gut 40 Jahren öffnete das Autonome Frauenhaus Lörrach seine Türen. Seitdem hat die Gewalt gegen Frauen nicht abgenommen, durch die digitale Welt kamen sogar neue Gewaltformen hinzu.

Caro Throm und Lina Faller vom geschäftsführenden Leitungsteam des Frauenhauses zogen beim Pressegespräch am Mittwoch diese ernüchternde Bilanz. Ihr Jahresbericht für 2025, den sie vorstellten, stand daher unter dem Motto: „Jetzt ist es Zeit, frech zu werden und so laut, dass man uns hören kann!“

 

Das Frauenhaus – von den Anfängen bis heute

Im Jahr 1980 gründeten engagierte Frauen den Verein „Frauen helfen Frauen“, ein Frauencafé und später die Frauenberatungsstelle. Im Jahr 1985 öffnete das Frauenhaus Lörrach seine Türen in einer Wohnung mit sechs Plätzen. Heute verfügt die Einrichtung über 24 Plätze in zwei Gebäuden und einem barrierefreien Appartement in Lörrach. Die jüngste Erweiterung wurde aus Mitteln von Bund, Land und der Bürgerstiftung über den Riehle-Fonds finanziert. Im Frauenhaus finden Frauen und ihre Kinder unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion Schutz vor Gewalt. Die Mitarbeiterinnen helfen ihnen in Einzelbegleitung und mit Gruppenangeboten, ihr Leben neu zu organisieren.

Im laufenden Betrieb finanziert sich das Frauenhaus im Wesentlichen von den Tagespauschalen, die der Landkreis für die schutzsuchenden Frauen bezahlt. Hinzu kommen Spenden und freiwillige Zuschüsse von Kommunen, die in Zeiten knapper Kassen aber zunehmend in Frage stünden, so Throm und Faller.

Die Wohnungssuche als größte Herausforderung

Auch im Jahr 2025 fanden 74 Frauen jeden Alters mit 59 Kindern im Frauenhaus Schutz, auch im Jahr 2025 mussten 325 Schutzsuchende mangels Platz abgewiesen werden. Die meisten (75 Prozent) flohen vor ihrem gewalttätigen Ehemann, Ex-Mann oder Freund – auch das habe sich seit 1985 nicht geändert, so Throm und Faller. Zwölf Frauen kehrten vom Frauenhaus zu ihrem Misshandle zurück, um der Beziehung nochmals eine Chance zu geben. Vier kehrten in die eheliche Wohnung zurück, die ihnen nach dem Gewaltschutzgesetz zugewiesen wurde, und 17 fanden eine eigene Wohnung. Die übrigen Frauen wechselten in ein anderes Frauenhaus, kamen bei Verwandten oder Bekannten unter oder verließen das Frauenhaus mit unbekanntem Ziel.

Die Wohnungssuche stelle für die Betroffenen die größte Herausforderung dar, schilderten Throm und Faller. Viele seien mehrfach stigmatisiert als alleinerziehende Mütter, wegen Armut, ihrer Herkunft oder Sprachbarrieren. Betroffene erlebten Übergriffe bei der Wohnungssuche, etwa unangenehme Berührungen oder Angebote wie „Wohnung gegen Sex“. Vor allem aber fehlten Wohnungen, selbst bei der Wohnbau Lörrach sei es praktisch „aussichtslos“ etwas zu finden, so Throm und Faller. Im Jahresbericht fordert das Frauenhausteam daher mehr sozialen Wohnungsbau. Beim Projekt „Wohnen“ im Frauenhaus erhalten die Betroffenen Informationen holen, sie unterstützen sich gegenseitig, etwa bei Sprachbarrieren, und können ihre Erfahrungen bei der Wohnungssuche verarbeiten. Im Jahr 2025 konnten die Bewohnerinnen des Frauenhauses außerdem zum ersten Mal in Wen-Do-Kursen lernen, eigene Grenzen zu setzen und sich zu verteidigen.