Auch in Nagold zeichnen Polizisten manche Einsätze mit der Bodycam auf. Foto: Marcus Brandt/dpa

Der Job des Polizisten wird immer härter. Die Auswertung von Bodycam-Aufnahmen bestätigen das. Auch die Polizei in Nagold zeichnet Einsätze auf Video auf. Das sind die Erfahrungen.

Polizeihauptkommissar Jens Weber gab Eindrücke aus erster Hand weiter. Der Leiter des Nagolder Ermittlungsdienstes wählte bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für 2024 im Nagolder Sozialausschuss offene Worte.

 

Zum Beispiel zur Präsenz der Beamten in der Öffentlichkeit. Zu Aggressionen gegenüber Polizisten. Aber auch dazu, wie sich der Job mit der Zeit verändert hat.

„Die Polizei kann nicht mehr so arbeiten wie früher“, sagte Weber. Mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, zum Beispiel mit mehr Streifengängen sei zwar wünschenswert, aber leider nicht machbar.

„Die Kollegen arbeiten teilweise rund um die Uh“

Personalmangel und den Anstieg an Bürokratie benannte der erfahrene Polizist als Gründe dafür. „Die Kollegen arbeiten teilweise rund um die Uhr, aber Du bekommst nicht mehr Personal“, so Weber weiter. Ein Phänomen sei, dass trotz des wenigen Personals, es noch immer geschafft werde. „Obwohl man an der Leistungsgrenze ist.“

Auch Gewalt und Aggressivität gegenüber Polizeibeamten sei ein Thema. „Wenn man sieht, wie die Täter auf die Kollegen zugehen, das ist erschreckend“, sagte Weber.

„Jetzt haben wir diese Aufnahmen und sehen, was da wirklich abgeht“

Und er „sieht“ es im Nachhinein oft tatsächlich. Denn die Fälle landen bei ihm zur Bearbeitung auf dem Tisch. Auch Nagolds Beamten setzen Bodycams ein – zeichnen also brenzlige Situationen per Video auf.

„Jetzt haben wir diese Aufnahmen und sehen, was da wirklich abgeht auf der Straße“, so Weber. Er verdeutlichte: „Was ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe, also ich könnte das nicht mehr schaffen.“

Einsatz der Bodycam wird positiv bewertet

Den Einsatz von Bodycams befürwortet Weber klar. „Da sieht man, dass die Kollegen wirklich professionell arbeiten, und dass ihr Handeln rechtschaffen ist.“

Die Bodycams zeigen wirklich auf, wie die Polizisten auf die Personen zugehen und was passiert. „Das ist ein super Ding. Und es zeigt: Die Kollegen machen eine super Arbeit.“

Und wie handhabt die Polizei den Einsatz von Bodycams? Laufen die immer? „Grundsätzlich sind Bodycams in ausreichender Zahl vorhanden, damit jeder Streifenbeamte mit einer Bodycam ausgestattet werden kann“, teilt dazu die Pressestelle in Pforzheim auf Anfrage der Redaktion mit. In der Regel trage sie ein Beamter eines Streifenteams.

Wenn eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben besteht

Die Voraussetzungen für den Einsatz der Bodycam seien im Polizeigesetz geregelt. „Sie zeichnet nur dauerhaft auf, wenn eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben der Einsatzkräfte oder Dritter besteht“, heißt es aus der Pressestelle.

Die Kamera muss dafür aktiv von den Einsatzkräften eingeschaltet werden. Befestigt ist die kleine Kamera an einer speziellen Halterung, die an der Schutzweste oder der Oberbekleidung festgemacht ist. Dort kann die Bodycam dann angebracht werden.

Eine Statistik über die Anzahl der Bodycam-Aufzeichnungen führt die Polizei nicht.