Erstmals haben 16-Jährige bei den Kommunalwahlen nicht nur wählen, sondern auch kandidieren dürfen. Einige haben es tatsächlich in die Gremien geschafft.
Eigentlich ist Schenkenzell im Kreis Rottweil fest in CDU-Hand. Die SPD gab es eigentlich noch nie. Ausgerechnet ein 16-Jähriger hat das geändert. Bei der Gemeinderatswahl am vergangenen Sonntag wurde der Schüler Nico Wöhrle zum ersten SPD-Gemeinderat in der Geschichte des Luftkurortes gewählt. Ganz ohne elterliche Unterstützung ging das allerdings nicht. Damit die SPD-Liste nicht zu kurz war, hatte sich auch Nicos Vater Daniel von seinem politisch interessierten Sohn zur Kandidatur überreden lassen, so berichtet es der Schwarzwälder Bote. Der ging allerdings bei der Wahl leer aus.
Zum ersten Mal durften bei einer Kommunalwahl in Baden-Württemberg nicht nur 16- und 17-Jährige wählen gehen, sondern sich auch wählen lassen. Und tatsächlich ist Wöhrle nicht der Einzige, der im jugendlichen Alter den Sprung in das Kommunalparlament seines Wohnortes geschafft hat. So konnte im südbadischen Maulburg die 16-jährige Anna-Lena Kiefer in den Gemeinderat einziehen. Auch sie kandidierte für die SPD und erhielt die zweitmeisten Stimmen auf der Liste. Die ganze Familie und ihre Freunde freuten sich „mega“, sagte sie der Badischen Zeitung.
Gleich zwei Gemeinderäte unter 18
In Remseck im Kreis Ludwigsburg sind sogar zwei Gemeinderäte künftig noch nicht volljährig – aber das erledigt sich ja gewöhnlich von selbst. Dort zogen der 16-jährige Linus Trinkner für die SPD und die ein Jahr ältere Johanna Gebbert für die Grünen in das Gremium ein.
In Ulm erreichte die Spitzenkandidatin der Jungen Ulmer Liste, Emilia Stella Schneider, ebenfalls im zarten Alter von 16 Jahren, ein Gemeinderatsmandat. Die Liste hatte bei dieser Wahl zum ersten Mal kandidiert.
Der Vater muss ihn zur Konkurrenz ziehen lassen
Die ebenfalls erst 16 Jahre alte Eleanor Weber von den Grünen und Unabhängigen ist das jüngste Mitglied in der Geschichte des Reutlinger Gemeinderats. Die Schülerin hatte nur auf Listenplatz 11 kandidiert, schob sich aber nach vorne.
Auf einer SPD-Liste schaffte es der 16-Jährige Marlin Staudenmaier in den Gemeinderat von Neckargemünd. Auch sein Vater ist kommunalpolitisch engagiert und als Ortschaftsrat bei den Freien Wählern. „Er hätte mich auch gerne bei den Freien Wählern gesehen“, berichtete Staudenmaier der Rhein-Neckar-Zeitung. „Aber das war nichts für mich.“