So soll das neue Simmozheimer Gesundheitszentrum aussehen. Foto: Carsten Schuetz, Brandschuetz GmbH, Groß-Zimmern

Simmozheim bekommt wieder eine Zahnarztpraxis – und in dem geplanten Gebäude wird es Platz für weitere Fachärzte geben.

Dem Bauantrag für ein Gesundheitszentrum mit Zahnarztpraxis und vier Wohnungen auf dem Schillerareal hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit acht gegen fünf Stimmen mehrheitlich zugestimmt.

 

Das Bauvorhaben hat für die medizinische Versorgung im Ort große Bedeutung, denn die bisherige Zahnarztpraxis in der Schulgasse wurde schon vor einiger Zeit aufgegeben. Neben der Zahnarztpraxis im Obergeschoss ist im Erdgeschoss Platz für weitere Fachärzte wie beispielsweise Kinder- oder Augenarzt oder andere gesundheitsrelevante Angebote.

Vier Wohnungen im Dachgeschoss

Im Bebauungsplan „Ortsmitte Schillerareal“ ist das Grundstück als Mischgebiet ausgewiesen, heißt, ein dort erstelltes Gebäude muss ein Wohn- und Geschäftshaus sein. Im Dachgeschoss sollen vier Wohnungen entstehen. In der Sitzung beantwortete Zahnarzt Sebastijan Mormer die Fragen der Gemeinderäte. Mormer soll einer der beiden Gesellschafter der in Gründung befindlichen ImmoMedical GmbH werden und wird als Investor und Betreiber des Projekts auftreten. Er selbst ist Inhaber einer Zahnarztpraxis in Stuttgart-Degerloch.

Foto: Jeanette Tröger

Um das Bauvorhaben wirtschaftlich realisieren zu können, sind einige Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplans (BP) notwendig. Unter anderem ist ein Flachdach statt des geforderten Satteldachs geplant, und von geforderten neun Stellplätzen werden auf dem Grundstück nur drei realisiert. Die fehlenden sechs soll der Bauherr von der Gemeinde ablösen.

Flachdach versus Satteldach

Bürgermeister Stefan Feigl stellte dem Gemeinderat und zahlreichen Zuhörern die Pläne im Detail vor und zitierte zu den beantragten Befreiungen und speziell zur Thematik Flachdach versus Satteldach aus der städtebaulichen Beurteilung von Städteplaner Sebastian Zoeppritz. Das Rathaus wie auch die neue Kita auf dem Schillerareal haben teilweise Flachdächer. Deshalb passe das geplante Flachdach-Gebäude laut Zoeppritz städtebaulich ins Ensemble. Feigl informierte, dass das Projekt auch schon mit der Baubehörde, also dem Landratsamt, vorbesprochen ist, von dort wurde „Genehmigungsfähigkeit signalisiert“.

„Es liegt mir sehr am Herzen, das Projekt mit Ihnen umzusetzen,“ betonte Zahnarzt Mormer, „bis jetzt ging alles Hand in Hand, wofür ich nur meine Begeisterung ausdrücken kann“. Der vollständige Bauantrag wurde am 4. September bei der Gemeinde eingereicht, der Gemeinderat hat sich jedoch schon im Vorfeld nichtöffentlich mit dem Projekt befasst und auch Änderungswünsche, zum Beispiel zur Dachform, vorgebracht.

Das sagen die Gemeinderäte

Er freue sich wahnsinnig, dass weitere medizinische Versorgung nach Simmozheim komme, signalisierte Alexander Lang (afS) seine volle Zustimmung. Durch das Flachdach habe es einen Wiedererkennungswert für die Bürger als Gesundheitszentrum, jedes Gebäude im Areal habe so seinen eigenen Charakter.

Jörg Uwe Koske (UW) gestand seine Sorge, dass für dieses Grundstück gar kein Bauantrag mehr komme, „deshalb freut mich das sehr.“ Mehr Diskussionsbedarf hatte Friedbert Baral (afS): Er forderte ein Satteldach und kritisierte die Stellungnahme des Städteplaners, der seinen, Barals, Vorschlag eines leicht geneigten Ziegeldachs ablehnte. Der Gemeinderat habe sich bewusst für steile Satteldächer im BP entschieden, um das ursprüngliche Bild der ehemaligen Bebauung aufzunehmen, so Baral. Wie schon mehrfach geäußert, sieht er das gesamte Verkehrskonzept für den Ortskern kritisch, „es ist äußerst fraglich, ob das funktioniert“.

„Der große Wunsch in der Planungsphase der neuen Ortsmitte war, sie vom Verkehr frei zu halten“, entgegnete dazu Feigl. Die Gemeinde hat das ans Baugrundstück anliegende Anwesen Schillerstraße 11 gekauft, das abgebrochen wird. Auf diesem Grundstück entstehen dann weitere Parkplätze. Damit werde es zusammen mit den anderen Parkplätzen rund ums Schillerareal genügend Parkraum geben.

Mehrfache Bedenken

Probleme mit dem Flachdach haben neben Baral auch die afS-Räte Richard Auwärter und Philip Häberle sowie Lorenz Auwärter. Der Investor wolle wirtschaftlich arbeiten und ein wichtiges medizinische Konzept umsetzen, sagte der Bürgermeister, nach Abwägung „steht für mich die Nutzung im Vordergrund.“ Man komme dem Investor mit vielen Dingen entgegen, beharrte Auwärter, „da kann man erwarten, dass der Investor auch uns entgegenkommt“.

Astrid Winkeler (UW) traut Zoeppritz „so viel städtebauliche Expertise zu, dass er uns sagen würde, wenn es nicht passt“. Rainer Bauser (afS) findet es nicht richtig, auf dem Satteldach zu beharren und die „wichtige wirtschaftliche Geschichte“ sausen zu lassen. Auch Jennifer Lachenmann (UW) fände es „tragisch, wegen einer Dachform die Ansiedlung eines Zahnarztes zu verhindern“. „Wir haben die Flächen so ausgelegt, dass es sich wirtschaftlich trägt und wir denken, dass wir die beste Lösung gefunden haben“, bekam Mormer vom Schultes noch mal das Wort.