Energie sparen, aber wie? Hilft es, die Wohnung weniger zu heizen, weniger zu duschen? Und ist der Waschlappen wirklich eine so brauchbare Erfindung? Muss man für das Temperaturgefühl abhärten? Und hilft gar Eisbaden?
Bad Dürrheim - Chefs von Energieversorgern und Politiker warnen vor Energieengpässen und fordern auf, Energie zu sparen. Einige Thesen wurden aufgestellt von weniger duschen über kältere Wohnungen und Baden-Württembergs Ministerpräsident findet den guten alten Waschlappen eine brauchbare Erfindung. Bei den Bad Dürrheimer Biohackern kann man Eisbaden und für einen gesunden Erwachsenen könnte hier tatsächlich eine reelle Möglichkeit bestehen – für das Immunsystem und für das Wärme- und Kälteempfinden. Aber wie geht man da vor?
Beate Proske, bei der Kur und Bäder GmbH die Projektleiterin in Sachen Biohacking, kann zu diesem Thema einige Auskünfte geben. Und es muss nicht gleich Eisbaden sein. Beginnen kann man im heimischen Badezimmer. "Am besten ist es, wenn sich der Körper morgen oder abends beim Duschen nach und nach an die Kälte gewöhnen darf." Das erzeugt auch eine Kontinuität. Sie empfiehlt zunächst warm zu duschen und zum Abschluss kalt. Und hier könne man gut auf etwas zurückgreifen, das Pfarrer Kneipp empfohlen hat: Kaltes Abbrausen der Beine, Arme und der Brust. Beim zweiten oder dritten Mal dann den ganzen Körper kalt abduschen. Die Biohacker empfehlen zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten. Noch länger bringe es aus gesundheitlicher Sicht nichts.
Ideal für jeden Gesunden
Kalt duschen ist ihren Angaben zufolge ideal für jeden, der sich gesund fühle. Mehr noch für jede Person, die ihre Willensstärke, ihr Immunsystem und das so genannte "Braune Fett" aufbauen möchte. Mit regelmäßigem kalten Duschen lerne der Körper wieder, sich selbst aufzuwärmen. Denn dadurch werden die so genannten Mitochondrien aufgebaut. Das sind körpereigene Zellkraftwerke, die für die Energieproduktion des Körpers zuständig sind und ihn somit auch mit Wärme versorgen. Diese Stimulierung führe auch dazu, dass man nicht mehr so schnell friere.
Durch die Temperaturunterschiede beim Duschen gelange schon morgens das Nervensystem in Balance, da es sich wie ein Muskel in Aktion anspanne und wieder entspanne. Und es wirkt Durchblutungsstörungen entgegen. Sprich die Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Körper benötigt mehr Energie, um das Blut hindurchzupumpen, das Herz wird mehr beansprucht und gestärkt – insofern hilft kaltes Duschen durchaus ein anderes Wärme-Kälte-Empfinden zu entwickeln.
Strategie und bewusstes Handeln helfen
Es hilft eine Strategie, maßgebender seien jedoch das Bewusstsein und das eigene Gefühl. Zunächst wird es für viele Überwindung kosten, kalt zu duschen, das weiß sie aus eigener Erfahrung. Es hilft die innere Überzeugung und die individuelle Frage des Warums, führt Beate Proske aus. Dies sollte man anpassen und bewusst starten. "Hilfreich ist zu Beginn, und so tastete auch ich mach ran, immer mit warmen Wasser zu starten, entspannt zu duschen und zum Schluss auf Kalt drehen", verrät sie. Nach und nach lässt sich die Zeit unter der kalten Dusche auf bis zu zwei Minuten steigern. "Der Dopamin-Schub macht hellwach und nach einer kleinen Weile einfach nur noch Laune", verspricht sie den Zögerlichen.
Körper baut Schutzmaßnahmen automatisch auf
"Unser Körper fährt automatisch Schutzmaßnahmen auf, wenn er beim kalt Duschen oder Eisbaden mit Kälte von außen konfrontiert wird." Dadurch aktiviere sich die Kontraktionskraft des Herzkreislaufsystems. Biochemisch werden zusätzlich unterschiedliche Hormone ausgeschüttet, wie beispielsweise Zytokine, so die Fachfrau. "Das sind Botenstoffe, die zum größten Teil antientzündlich wirken und das Immunsystem aktivierten. Bewiesen sei außerdem, dass sich bei regelmäßigem Eisbaden weiße Blutkörperchen bilden und hilft eben auch beim Aufbau der bereits erwähnten Mitochondrien im Braunen Fettgewebe. Durch dieses mehr an Energie werde man leistungsfähiger und habe durch die so aufgebaute Immunabwehr automatisch mehr Schlagkraft.