Annett Geitner (links) und Claudia Fritz sprachen ausführlich über Aspekte rund um die Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs. Foto: Stephan Hübner

Über die Erkennung und Therapie von sowie die Nachsorge bei Brustkrebs sprachen im Rahmen der St. Georgener Gesundheitswoche zwei Ärztinnen.

Annett Geitner, Frauenärztin in St. Georgen, und Claudia Fritz, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Helios-Klinik in Titisee-Neustadt waren die Referentinnen.

 

Bürgermeister Michael Rieger dankte zur Begrüßung Johannes Probst, der die Gesundheitswoche seit 28 Jahren „mit unglaublich großer Leidenschaft“ organisiert.

Laut Probst ist dieses Jahr das Immunsystem ein großes Thema, da das nach der Pandemie entschieden geschwächt sei. Dabei könne man selbst durch Bewegung und Ernährung am meisten tun. 30 Prozent der Frauen, die nach Brustkrebs Sport machten, erhöhten ihre Überlebensrate deutlich.

Jede achte Frau ist davon betroffen

Viele Frauen nähmen die Voruntersuchungen nicht wahr, so Geitner, obwohl jede achte Frau davon betroffen sei, ein Großteil davon im Alter zwischen 50 und 69. Nur ein Prozent betreffe Männer.

Risikofaktoren seien unspezifisch, zum Beispiel Rauchen, lange Östrogenexposition oder keine beziehungsweise späte Schwangerschaften. Primäre Prävention sei, Übergewicht zu vermeiden, keinen oder nur mäßig Alkohol, aber viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und viel Bewegung. „Prävention ist unbequem.“ Trotzdem bleibe ein Restrisiko von zwölf Prozent.

Wirkliche Vorsorge gebe es nicht

Wirkliche Vorsorge gebe es nicht, so Geitner. Empfohlen werde einmal monatlich die Selbstuntersuchung, um früh kleine Änderungen zu erkennen. Anzeigen seien neue Verhärtungen, Änderungen in Form und Größe der Brust, Absonderungen der Brustwarze, Rötungen, Schuppungen und Knoten in der Achselhöhle.

Nicht immer eindeutig sei Ultraschall, da die Krebsvorstufe Mikrokalk nicht erkennbar sei. Trotzdem sei es eine gute ergänzende Methode. Nichts sei so kontrovers diskutiert wie die Mammografie, die alle zwei Jahre für Frauen zwischen 50 und 69 empfohlen sei. Nötig sei dabei, die Brust zwischen zwei Platten einzuspannen und zu komprimieren, was die Strahlenbelastung stark verringere. Sie liege pro Untersuchung bei einem Zehntel der natürlichen jährlichen Strahlenbelastung.

Blinde Frauen können helfen

Ganz neu sei die manuelle Abtastung durch blinde Frauen, die Geitner ab Mai für etwa drei Monate in ihrer Praxis anbieten möchte. Dabei können allerkleinste Tumore gefunden werden.

Nur wenige Krebsfälle haben genetische Ursachen, so die Ärztin, bei einer positiven Familienanamnese sei jedoch ist eine intensivierte Vorsorge empfohlen.

Sie wolle vor allem Angst nehmen, da es viele Möglichkeiten der Untersuchung und neue Therapien gebe, so Fritz. Das könne ein langer, beschwerlicher Weg sein, aber Chef sei immer die Patientin, die entscheide was sie für richtig halte.

Therapien

Claudia Fritz
  sprach über Therapien bei Brustkrebs und beschrieb den intensiven Austausch mehrerer Experten zu jedem Fall. Nicht jeder Tumor werde gleich operiert, eine Biopsie könne genauere Auskunft geben. Nötig sei eventuell die schonende Entnahme von Wächterlymphknoten. Bestrahlung spiele bei der Behandlung eine große Rolle.An erster Stelle stehe eine brusterhaltende OP, manchmal sei aber die Entfernung nötig. Ein Brustaufbau werde von der Krankenkasse bezahlt. Fritz zeigte Vorher-Nachher-Fotos, die das Ergebnis illustrierten. Die Nachsorge beim Frauenarzt sei sehr engmaschig, da Brustkrebs bis zu 20 Jahre später wieder auftreten könne. Deshalb sei die komplette Entfernung der Krebszellen äußerst wichtig.