Doris Reinhardt und Kai Sonntag von der KVBW informierten in Nagolds Kubus. Foto: Bernklau

Die Entscheidung ist längst gefallen. Die Notfallpraxis in Nagold wird dichtgemacht. Die Kassenärztliche Vereinigung informierte nun darüber, wie es nach dem 30. Juni weitergeht.

Die politische Entscheidung ist im vergangenen Jahr gefallen: Nachdem ursprünglich die Notfallpraxis in Calw für eine Schließung vorgesehen war, verkündete die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) im Oktober 2024 die Schließung der Praxis in Nagold zum 30. Juni 2025. Jetzt informierten Doris Reinhardt und Kai Sonntag im Nagolder Kubus darüber, was potenzielle Patienten nach dem 30. Juni für Möglichkeiten haben.

 

Die Öffnungszeiten sollen verlässlich sein

Doris Reinhardt, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW, präsentierte als erste alternative Anlaufstation an Wochenenden und Feiertagen die Notfallpraxis in Calw, die sich im aktuellen Krankenhaus befindet.

Die Öffnungszeiten, die man so weit wie möglich in Land und Region vereinheitlichen wolle, seien von 9 bis 19 Uhr. Und diese Zeiten seien auch „verlässlich“, so Reinhardt. Und wer innerhalb dieser Öffnungszeiten in die Praxis komme, werde auch behandelt, versicherte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Für einen Dienst in der Calwer Praxis verpflichtet seien alle Haus- und auch Fachärzte – auch die aus dem Nagolder Raum. Im Gegensatz zum bisherigen Angebot werde es neun Arztstunden pro Woche mehr geben, versicherte die KV-Funktionärin. Man habe die Besetzung und die Arztstunden in der Calwer Praxis „robust geplant“. Ergänzend zu der eigentlichen Praxis soll es das Angebot von Hausbesuchen und auch von Telemedizin geben. Erreichbar sind die Angebote unter der Nummer 116 117.

In maximal 45 Minuten in der Notfallpraxis

Auch zur heiß diskutierten Frage, welche Praxis bestehen bleibt und welche geschlossen wird, äußerte sich Reinhardt. Man habe als Maßstab die Erreichbarkeit einer solchen Praxis in 30 Minuten, im Extremfall in 45 Minuten angewandt, erklärte sie. Dabei sei lediglich die Fahrzeit per Auto untersucht worden, der ÖPNV habe in dieser Betrachtung keine Rolle gespielt.

Für Bürger aus dem Raum Nagold nennt die KV als mögliche Notfallpraxen die in Calw, Freudenstadt oder Sindelfingen. Es gebe dabei für die Patienten die freie Standortwahl. Reinhardt zeigte sich überzeugt, dass diese drei Praxen in der vorgegebenen Zeit erreichbar sind: „In 45 Minuten erreicht jeder eine Notfallpraxis“, sagte Reinhardt, die allerdings zugeben musste, dass die Schließung für Menschen aus dem Raum Nagold negative Folgen hat. „Das ist schon eine Zumutung, da müssen wir nicht drüber reden“, gab sie zu.

Die Darstellung der KV stieß bei den Besuchern des Infoabends, darunter etliche Ärzte, auf Skepsis. Uwe Helber, Chefarzt am Nagolder Krankenhaus, prognostizierte, dass sich die Schließung der Notfallpraxis deutlich auf die Notaufnahme des Krankenhauses auswirken werde: „Wir werden das in der Notaufnahme merken“, ist sich der Chefarzt sicher.