Die Schließung der Kinderarztpraxis in Furtwangen zum Jahresende rückt näher. Als Folgelösung wird ein Medizinisches Versorgungszentrum diskutiert. Doch da gibt es noch etlichen Klärungsbedarf, wie Bürgermeister Josef Herdner informiert.
„Mein Ziel ist es, die kinderärztliche Versorgung so schnell wie möglich sicherzustellen“, betont Herdner. Zum jetzigen Zeitpunkt sei jedoch unklar, ob es in Furtwangen eine Lücke in diesem Bereich zum Jahresanfang gebe.
Wie ihm von der Kassenärztlichen Vereinigung signalisiert wurde, sehe sie Anfang März den frühest möglichen Termin für den Start eines Medizinisches Versorgungszentrums (MVZ) in städtischer Regie in Furtwangen.
Und auch dieser Termin ist sportlich gesetzt. So gibt es laut Herdner noch etliche Vorarbeit zu leisten. Bis Mitte Dezember müsste die Stadt die Antragsunterlagen für ein solches MVZ beim entsprechenden Zulassungsausschuss einreichen. Den Unterlagen müssten bereits Verträge mit Kinderärzten beiliegen, die dann im MVZ arbeiten würden.
Der Ausschuss tage dann im Januar. Bei einer Genehmigung seien weitere Arbeiten nötig, bis schließlich frühestens Anfang März ein MVZ eröffnet werden könne. So die Sichtweise, wie sie laut Herdner von der Kassenärztlichen Vereinigung vermittelt wurde.
Wegen des engen Zeitplans sei für ein solches Zentrum der bisherige Standort der Kinderarztpraxis in der Bregstraße im Gespräch. Langfristig sieht Herdner ein MVZ jedoch in einem größeren Rahmen mit mehreren Praxen und verschiedenen medizinischen Ausrichtungen an einem anderen Standort, der räumlich mehr Freiheiten erlaubt.
Mangel an Kinderärzten
Der Mangel an Kinderärzten sei derzeit ein weit verbreitetes „riesiges“ Problem, so der Bürgermeister. Er weiß von Stuttgart, dass die Stadt jüngst ein Förderprogramm auf die Beine gestellt hat. Dabei werde die Übernahme von Praxen und die Errichtung von Medizinischen Versorgungszentren gefördert. Auch Villingen-Schwenningen suche nach Möglichkeiten, die Versorgung mit Kinderärzten zu sichern. Herdner ist deshalb auch in Kontakt mit der Doppelstadt, um eventuell einen gemeinsamen Weg zu finden und gemeinschaftlich das Thema MVZ umzusetzen.
Kommunen betreten damit Neuland. Für den Bürgermeister ist es deshalb vorstellbar, mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die in diesem Bereich Fachwissen haben.
Bei ihm drängt sich angesichts der angespannten Situation das „Gefühl von Politik-Versagen auf, und die Kommunen können’s ausbaden“.
Weitere Gespräche
Ob es nun eine Lücke gibt in der kinderärztlichen Versorgung ist Thema weiterer Gespräche, die Herdner mit verschiedenen Seiten in nächster Zeit führen möchte, unter anderem auch mit den Ärzten in der bestehenden Kinderarztpraxis.
Ob ein MVZ tatsächlich Erfolg hat und genug Ärzte anzieht, bleibt abzuwarten. Herdner ist zuversichtlich, dass ein solches Zentrum attraktiv wirkt, weil Ärzte zunehmend die Annehmlichkeiten eines Angestelltenverhältnisses schätzten. Es gebe auch immer mehr Frauen im Ärzteberuf und damit auch den Wunsch nach anderen Lebensmodellen, die ein MVZ erfüllen könnte.
Wobei Bürgermeister Herdner voraus denkt: Wenn dann jede Kommune ein MVZ habe, träten die Gemeinden untereinander verstärkt in Konkurrenz.