Die Reha in Horb bleibt erhalten, das Krankenhaus in Freudenstadt steht vor Reformen – Landrat Andreas Junt erklärt, welche Entscheidungen noch anstehen und welche Fragen offen sind.
Die geriatrische Reha in Horb ist vorerst gesichert. Doch die Zukunft der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) steht angesichts der Ankündigung, dass die Bundesregierung die Klinikreform noch nachbessern wird, in den Sternen. Ein Gespräch mit Landrat Andreas Junt.
Der Kreistag hat sich für den Erhalt der geriatrischen Reha in Horb entschieden...
Wir haben die geriatrische Reha gesichert. Das ist ein sehr wichtiger Schritt für die Versorgung älterer Menschen – und der Bedarf wird in Zukunft eher steigen als sinken. Natürlich schmerzt die finanzielle Belastung von rund 1,6 Millionen Euro weiter, wir müssen schauen, wie wir diese Mittel langfristig auffangen. Aber entscheidend ist: Die Einrichtung funktioniert gut, wird stark nachgefragt und bleibt erhalten. Das ist ein deutliches Signal der Stabilität.
Wie sieht es beim Krankenhaus – der KLF – aus?
Bei der KLF haben wir weiterhin die Aufgabe, das Defizit zu reduzieren. Gleichzeitig brauchen wir das Krankenhaus im Kreis – das steht außer Frage. Die Krankenhausreform des Bundes ist im Gange, und wir haben erste Rückmeldungen zu den sogenannten Leistungsgruppen erhalten. Grundsätzlich sieht es danach aus, dass wir viele unserer bisherigen Leistungen auch künftig anbieten können. Aber der Prozess steht ganz am Anfang. Wir müssen jetzt Schritt für Schritt prüfen, welche Leistungen wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sind und was uns von der Politik erlaubt wird.
Werden Abteilungen geschlossen oder Leistungen eingeschränkt?
Aktuell nicht. Wir planen keine Schließung von Abteilungen. Wir arbeiten an Prozessoptimierungen, zum Beispiel im Aufnahme- und Belegungsmanagement, um effizienter zu werden. Aber es geht nicht um Strukturabbau. Wir müssen erst wissen, welche Vorhaltepauschalen wir künftig erhalten und wie sich Personalvorgaben auswirken. Erst wenn diese Faktoren klar sind, können wir konkret werden.
Kreisräte haben eine Gesamtschau gefordert. Wann kommt dieser Schritt?
Das wird kommen – aber erst dann, wenn wir Klarheit über die finanziellen Rahmenbedingungen haben, das wird noch mindestens ein Jahr dauern. Wir können keine Debatte führen, ohne belastbare Zahlen auf dem Tisch zu haben. Wenn wir wissen, wo wir stehen, sprechen wir selbstverständlich mit Chefärzten, niedergelassenen Ärzten, Kommunen und, wenn notwendig, auch in einer größeren öffentlichen Runde. Stand heute sehe ich aber keine Situation, die sofort eine große Gesundheitskonferenz mit den Bürgern erfordert.
Gibt es aus Ihrer Sicht bis dahin Veränderungen im Leistungsangebot?
Nein. Bis dahin arbeiten wir mit der bestehenden Struktur und sichern die Versorgung vor Ort. Unser Ziel ist, das Angebot zu erhalten. Wir brauchen aber zusätzliche Finanzierung durch das Land. Es reicht nicht, nur neue Abrechnungssysteme einzuführen, wenn am Ende das Defizit gleich hoch bleibt.
In einigen Jahren werden niedergelassene Ärzte im Kreis Freudenstadt in Rente gehen, darunter Kinderärzte. Drohen dann Versorgungslücken?
Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Die Verantwortung für die ambulante Versorgung liegt formal bei der Kassenärztlichen Vereinigung, aber natürlich unterstützen wir als Kreis, wo wir können. Wir werben gemeinsam mit Kommunen aktiv um Ärzte, fördern Stipendien und unterstützen Gemeinschaftspraxen. Denn wenn weniger niedergelassene Ärzte verfügbar sind, landen mehr Fälle in der Notaufnahme – das wirkt sich unmittelbar auf das KLF aus.