Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Neue Daten belegen: Ärzte verdienen ganz besonders an privat versicherten Patienten – und der Anteil dieses Mehrumsatzes ist deutlich größer geworden.

Wer zum Arzt geht, erlebt die Unterschiede zwischen der Privaten und der Gesetzlichen Krankenversicherung ganz persönlich: privat versicherte Patienten bekommen oft schneller einen Termin beim Facharzt, bei ihnen schaut eher ein Chefarzt vorbei und es gibt mehr Spielraum, welche Medikamente eingesetzt werden dürfen. Diese Unterschiede sorgen aufseiten der Ärzte für deutliche Mehreinnahmen: sie verdienen an einem Privatpatienten weit besser als an einem Kassenpatienten.

 

Eine neue Untersuchung zeigt, wie stark sich die Unterschiede zwischen Privater Krankenversicherung (PKV) und Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) in den Praxen des Südwestens auswirken: „Die Private Krankenversicherung sichert jedem niedergelassenen Arzt in Baden-Württemberg pro Jahr im Schnitt mehr als 84 000 Euro zusätzlich, die ohne PKV wegfallen würden“, sagt Thomas Brahm, Vorsitzender des PKV-Bundesverbands.

Anstieg um 14,2 Prozent

Brahm bricht damit bundesweite Zahlen auf Baden-Württemberg herunter, die gerade vom Wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) erhoben wurden. Danach wuchs 2023 der sogenannte Mehrumsatz mit Privatversicherten gegenüber dem Vorjahr deutlich – auf insgesamt 14,46 Milliarden Euro. Das war bezogen auf ganz Deutschland ein Anstieg um rund 1,8 Milliarden Euro, also um 14,2 Prozent. Der Mehrumsatz weist den Betrag aus, den das Gesundheitssystem verlieren würde, wenn die Privatpatienten finanziell und ärztlich genauso behandelt würden wie Kassenpatienten. Diese Mehrumsätze entstehen, weil es für die Behandlung von Privatpatienten weniger Beschränkungen und Regulierungen gibt als in der GKV – und oft höhere Honorare für dieselben ärztlichen Leistungen gezahlt werden.

Finanzielle Bedeutung der PKV wächst

In den Krankenhäusern fallen die Unterschiede zwischen privat und gesetzlich versicherten Patienten nicht so stark ins Gewicht. Ganz anders ist das in den Haus- und Facharztpraxen: Der größte Teil des Mehrumsatzes entfällt laut WIP-Studie auf den ambulant-ärztlichen Bereich, also die niedergelassenen Ärzte. Hier stieg der Mehrumsatz von 2022 auf 2023 um fast eine Milliarde Euro auf 7,99 Milliarden Euro. Der Mehrumsatz je Arztpraxis liegt bundesweit nun bei 73 830 Euro pro Jahr und damit fast 10 000 Euro höher als im Jahr davor.

Obwohl die Privatversicherten nur 10,4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, tragen sie in der ambulant-ärztlichen Versorgung 21,4 Prozent zur Finanzierung bei. Anders ausgedrückt: ohne die Mehreinnahmen durch Patienten mit PKV-Hintergrund sähe es für die Praxen finanziell deutlich schlechter aus. Die monetäre Bedeutung der Privaten Krankenversicherung für das deutsche Gesundheitssystem ist damit über die letzten Jahre stark gewachsen.

Bürgerversicherung – kein Thema in der neuen Koalition

Immer wieder gibt es politische Vorstöße, das duale System von PKV und GKV in Deutschland abzuschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle zu ersetzen.

Die privaten Krankenversicherer, vertreten durch ihren Verband in Berlin, sehen in den Untersuchungen zum Mehrumsatz ein starkes Argument für den Erhalt der PKV. „Dieses Geld ermöglicht eine bessere personelle und technische Ausstattung der Arztpraxen. Das kommt allen Patienten zugute“, sagt der PKV-Verbandsvorsitzende Thomas Brahm.

Aktuell muss die PKV jedoch wenig Angst um ihr Überleben haben. Die SPD, seit vielen Jahren Befürworter der Bürgerversicherung, hat es nicht geschafft, ihr Konzept in den Koalitionsvertrag mit CDU und CSU hineinzuverhandeln. Die Unionsparteien lehnen weiterhin ein Ende der Privaten Krankenversicherung strikt ab.