Der Landkreis Lörrach will die Gesundheitskompetenz der Bürger verbessern. Ein Projekt soll dazu beitragen und Maßnahmen ausloten.
In vielen Ländern seien die Gesundheitssysteme immer komplexer und unüberschaubarer geworden. Das deutsche Gesundheitssystem bilde hiervon keine Ausnahme, und die Anforderungen an die Orientierung und Navigation der Nutzer seien in den vergangenen Jahren gestiegen, wie Alexander Mion, Leiter der Stabsstelle Gesundheitskonferenz, dieser Tage im Kreis-Verwaltungsausschuss darlegte.
Die sogenannte navigationale Gesundheitskompetenz, also der Umgang mit navigationsbezogener Information, sei in der Bevölkerung Deutschlands sehr schwach ausgeprägt. Der Anteil geringer Gesundheitskompetenz betrage 82,8 Prozent.
Das soll sich ändern, weshalb der Kreis gemeinsam mit dem Stadtkreis Stuttgart ein gemeinsames kreisübergreifendes Projekt erarbeitet, das durch weitere fünf Stadt- und Landkreise unterstützt wird. Das Projekt trägt den Titel „Kreisübergreifende Stärkung der navigationalen Gesundheitskompetenz in urbanen und ländlichen Räumen“, wie Mion dem Gremium berichtete. Der Antrag für die Projektförderung befinde sich in der Prüfung. Der Umfang beträgt 75 000 Euro für die Dauer eines Jahres pro Landkreis.
Konkrete Maßnahmen
Innerhalb der Projektlaufzeit sollen konkrete Maßnahmen zur besseren Orientierung im Gesundheitssystem entwi- ckelt und weitergeführt werden. Dabei würden sowohl der ambulante als auch der stationäre Sektor und das Übergangsmanagement angesprochen, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Die Land- und Stadtkreise setzen dabei nicht nur auf neue Einzelangebote, sondern auf bestehende Informations- und Orientierungsstrukturen.
Zum Hintergrund: Der Landkreis Lörrach hat bereits den digitalen Gesundheits- und Sozialkompass aus der Taufe gehoben. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, die Bürgern im Landkreis helfen soll, passende Gesundheits- und Sozialinformationen und -angebote zu finden. Ziel ist es, eine leicht zugängliche Lösung für die Daseinsvorsorge im digitalen Zeitalter zu schaffen. Ergebnisse des Projekts sollen in den digitalen Gesundheitskompass einfließen.
Der Titel des Projekts sorgte für kritische Töne im Ratsrund: „Hierzu fehlt uns das Wörterbuch“, kommentierte Gudrun Heute-Bluhm (CDU). „Richtet sich das an Fachpersonen oder den Bürger? Sprachlich ist das echt schwierig“, sprach sie sich für eine geringere Flughöhe aus. Dass im Zuge des Vorhabens höhere Personalkosten entstünden, könne nicht das Ziel der Sache sein, so die CDU-Kreisrätin weiter. Auch den anderen Fraktionen wollte sich das Projekt zunächst nicht so ganz erschließen.
Willibald Kerscher (Freie Wähler) erklärte, dass die Gesundheitskonferenz bereits sehr effektiv an dem Thema arbeite. Mehr Fördermittel bedeuteten mehr Personal. So ließe sich auch mehr erreichen. Was nach dem Förderzeitraum geschehe, wollte dann auch Marion Caspers-Merk (SPD) erfahren. Und weiter: „Wie misst man am Ende die Gesundheitskompetenz?“ Kommt das überhaupt bei den Bürgern an?
Für den Alltag
Dass dies der Fall sei, betonte Mion mit Verweis auf den Online-Gesundheitskompass des Landkreises. Die Zugriffszahlen könnten erfasst und ausgewertet werden. Auf Basis der Plattform soll das Projekt weiterentwickelt werden. „Das, was wir erreichen, fließt in den Gesundheitskompass ein“, erklärte Landrätin Marion Dammann. Das Projekt sei ergänzend, anschließend brauche es kein zusätzliches Personal. Die Idee, die Menschen mündiger zu machen sei richtig, befand Jörg Lutz (SPD). Und dies sei der Werkzeugkasten hierzu. Heute Bluhm: „Das Ziel an sich ist richtig, das Vorhaben muss die Menschen in ihrem Alltag weiterbringen.“ Indes könnte das Projekt nicht für mehr Ärzte in der Region sorgen, so Dammann.