Radon, das beim Zerfall von Uran entsteht, kommt auch in Böden des Zollernalbkreises vor, und ist Radioaktiv. Foto: picture alliance/dpa/Stefan Sauer

Das radioaktive Zerfallsprodukt von Uran kann zu Gesundheitsproblemen – insbesondere zu Lungenkrebs führen. Karten des Bundesamtes für Strahlenschutz und das Landratsamt geben eine Einschätzung.

Radon ist ein radioaktives Gas, das beim Zerfall von Uran im Boden entsteht. Es gelangt aus dem Erdreich an die Oberfläche und kann in Gebäude eindringen und sich absetzen.

 

Karten vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zeigen für den Zollernalbkreis mittlere bis hohe Werte, jedoch unterhalb der Werte von ausgewiesenen Vorsorgegebiete.

Radon-Bewertung im Zollernalbkreis

Das Landratsamt teilt auf Anfrage mit, dass eine kurzfristige Exposition als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wird, während längerer Kontakt mit dem Gas zu Gesundheitsproblemen, insbesondere Lungenkrebs, führen kann. Der Zollernalbkreis sei kein ausgewiesenes Radon-Vorsorgegebiet, was jedoch nicht ausschließt, dass der radioaktive Stoff lokal auftreten kann.

Radon-Potenzial und aktuelle Messwerte

Karten des Bundesamtes für Strahlenschutz zeigen das Radon-Potenzial an, also in welcher Konzentration Radon aus dem Boden entweichen und in Innenräume gelangen kann. Die Prognosen der Karten des BfS bilden den aktuellen Stand der Erkenntnisse ab und bieten eine Grundlage für die Bewertung der Radonsituation. Im Zollernalbkreis liegen die Werte des Radon-Potenzials zwischen 16 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³ - Maßeinheit der Radonkonzentration) in Hechingen und 25,8 Bq/m³ in Albstadt. Zum Vergleich: Radonvorsorgegebiete starten bei 50 Bq/m³.

Radonmessgerät Foto: dpa/Uli Deck

„Eine Langzeitmessung von Radon in Räumen unter Erdgleiche könne helfen, das Risiko zu erkennen und gegebenenfalls zu minimieren“, erklärt Steffen Maier, Sprecher des Landratsamtes. Das Strahlenschutzgesetz verpflichtet die Bundesländer dazu, die Radonsituation zu ermitteln und Radonvorsorgegebiete festzulegen. In Baden-Württemberg wurden diese Gebiete im Jahr 2021 durch das Umweltministerium festgelegt und liegen allesamt im nahe gelegenen Schwarzwald.

Vorsorge und Beratung zum Schutz vor Radon

Bei der Frage nach eigenen Vorsorgeanstrengungen zum Schutz vor Radon verweist die Kreisverwaltung auf die kostenlosen Informationsveranstaltungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Spezialisten im Landratsamt oder im Kreis gebe es nicht, jedoch bietet die Radon-Beratungsstelle der LUBW Unterstützung an. Sie ist unter der Telefonnummer 0721/56 00 23 57 und per E-Mail an radon@lubw.bwl.de erreichbar.

Messungen und Empfehlungen

Das Landratsamt führt selbst keine Messungen durch. Eine Messpflicht für Arbeitsräume gibt es nur für Betriebe in Radonvorsorgegebieten – was auf den Zollernalbkreis nicht zutrifft. Für Wohnräume gibt es keine Messpflicht: „Die Durchführung von Messungen ist freiwillig und liegt in der Eigenverantwortung einer jeden Einzelnen Person“, heißt es aus dem Landratsamt. „Messungen empfehlen sich insbesondere für Räume unter Erdgleiche“ heißt es weiter.

Diese Messungen seien einfach und kostengünstig mit sogenannten Exposimetern durchzuführen, die bei Messlaboren bestellt werden können. Anbieter sind auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz aufgelistet. Die Messdauer beträgt etwa ein Jahr.

Die durchschnittliche Radon-Aktivitätskonzentration in Wohnräumen im Zollernalbkreis zeigt auf der Karte des BfS, die höchsten Werte in Albstadt mit 154 Bq/m³, gefolgt von Burladingen mit 148 und Rosenfeld mit 132 Bq/m³. In Balingen liegt die Konzentration bei etwa 83 und in Hechingen bei 84 Bq/m³. Im Vergleich dazu erreichen Vorsorgegebiete teils über 250 Bq/m³.

Gesetzliche Grenzwerte und Referenzwerte der WHO

Das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt: „Für Radon-Konzentrationen oberhalb von etwa 100 Bq/m³ ist die Erhöhung des Lungenkrebsrisikos statistisch signifikant nachgewiesen.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt daher einen Grenzwert von 100 Bq/m³ vor. Das deutsche Strahlenschutzgesetz hingegen legt einen Wert von 300 Bq/m³ als oberen Referenzwert fest, was sowohl von der WHO als auch von der Internationalen Strahlenschutzbehörde als oberer Referenzwert akzeptiert wird.

Zukünftige Maßnahmen

Ergebnisse aus privaten Messungen können an die Radon-Beratungsstelle der LUBW weitergeleitet werden, um eine fundierte Beurteilungsgrundlage für die Ausweisung von Vorsorgegebieten zu schaffen.

Auch wenn der Zollernalbkreis derzeit kein Radon-Vorsorgegebiet ist, sind die Werte dennoch höher als in vielen Teilen Deutschlands. Durch Messungen können potenzielle Gesundheitsrisiken erkannt und minimiert werden.

Was ist Radon?

Radon
ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das im Boden aus dem Zerfall von Uran und Thorium entsteht. Es ist unsichtbar, geruchlos und geschmacklos. Radon ist eine der größten natürlichen Quellen der Strahlenbelastung und kann Lungenkrebs verursachen – wenn es eingeatmet wird.

Weitere Informationen und Karten zu Radonbelastung gibt es unter www.bfs.de/radon