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Gesundheitsgefahr Ozon-Alarm im Schwarzwald

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Ausgerechnet im Ferienort Münstertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) werden die bundesweit höchsten Ozonwerte gemessen. Sport sollte man dann besser bleiben lassen. Foto: mauritius/Chris Seba

Region - "Vermeiden Sie körperlich anstrengende Tätigkeiten oder Sport im Freien" - diese Warnung kennen viele Menschen vermutlich noch aus dem Radio. Bis vor wenigen Jahren wurde an heißen Sommertagen regelmäßig vor zu hohen Ozonkonzentrationen in der Atemluft gewarnt. Anders als in der Atmosphäre (Stichwort Ozonloch) ist das Gas am Boden unerwünscht. Vor 25 Jahren, im Sommer 1994, wurde in Deutschland erstmals "Ozonalarm" ausgerufen: Auf hessischen Autobahnen galt Tempo 90, Autos ohne Katalysator durften gar nicht fahren.

Tempi passati: Vom Ozon hat man zuletzt nur noch wenig gehört, nicht nur im Radio. Die entsprechende Rechtsgrundlage für Fahrverbote und Tempolimits wurde 1999 abgeschafft. Mittlerweile wird häufiger über Feinstaub- und Stickoxidwerte diskutiert, und von Fahrverboten sind inzwischen Diesel-Autos betroffen. Doch das Ozon ist immer noch da.

Meiste Überschreitungstage werden bundesweit in Münstertal gezählt

In Baden-Württemberg steht überdies jene Messstation, die bundesweit die schlechtesten Werte meldet. Der Südschwarzwald ist Spitzenreiter. In der EU-Richtlinie, die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid festschreibt, steht auch ein Ozonwert: Im Acht-Stunden-Mittel dürfen mehr als 120 Mikrogramm des schädlichen Gases an maximal 25 Tagen im Jahr gemessen werden. An der Messstelle in der Schwarzwaldgemeinde Münstertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wurde dieser Wert im laufenden Jahr bereits an 61 Tagen gerissen.

Den idyllischen Ort mit Postkartenkulisse, der als Teil der Ferienregion Münstertal Staufen auf seiner Website mit seiner "magischen Landschaft" und "schmucken Schwarzwaldhöfen" erholungsbedürftige Urlauber umwirbt, würden wohl nur die Wenigsten mit fragwürdiger Luftqualität und der Warnung vor anstrengenden Wanderungen in Verbindung bringen. Und doch werden auf dem Gebiet der 5100-Einwohner-Gemeinde beim Ozonwert regelmäßig die bundesweit meisten Überschreitungstage gezählt.

Im Ort rege das keinen auf, und auch für die Feriengäste sei es kein Thema, versichert Christoph Blattmann. "Die Messstelle steht mitten im Wald auf 1000 Metern Höhe", berichtet der Hauptamtsleiter. An vergleichbaren Standorten in anderen Gemeinden seien die Werte ähnlich. Tatsächlich werden an der nahen Messstelle in Schauinsland bei Freiburg ebenfalls hohe Werte gemessen. Blattmann weist darauf hin, dass das Ozon aus Südfrankreich hierhergeweht wird.

Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden

Das Gas schädigt die menschliche Gesundheit und die Natur. Kleine Kinder, ältere Personen, Asthmatiker oder Raucher leiden unter Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Bei Pflanzen werden Wachstum, Ernte-erträge und -qualität gemindert. Besonders an heißen Sommertagen steigt die Ozonkonzentration in der Luft. Sie erreicht mittlerweile zwar seltener Spitzenwerte von 180 oder gar 240 Mikrogramm, über die die Öffentlichkeit auch weiterhin informiert beziehungsweise davor gewarnt wird.

Jedoch steigt die mittlere Ozonbelastung: Laut Umweltbundesamt wurde der 120-Mikro­gramm-Wert zuletzt nur im Hitzesommer 2003 häufiger überschritten als 2018. In den vergangenen sechs Jahren wurde diese Marke im Schnitt an nur sechs von 29 Messstellen in Baden-Württemberg eingehalten.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die mit Klagen auf Diesel-Fahrverbote im Fokus des Streits über die Luftqualität in Deutschland steht, bezeichnete bodennahes Ozon bereits vor vier Jahren als "unterschätztes Problem". Im Juli beklagte der Verein, dass Fahrverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen insbesondere bei sommerlicher Hitze nicht mehr möglich sind. "Der jahrzehntelange Abgasbetrug der Diesel-Konzerne ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir in den Städten nach 25 Jahren immer noch zu hohe Ozonwerte im Sommer verzeichnen, unter denen Menschen und Umwelt leiden", wurde DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch in einer Pressemitteilung zitiert.

Zwar baut das überwiegend aus dem Auspuff kommende Stickstoffmonoxid unter Sonneneinstrahlung an viel befahrenen Straßen tendenziell Ozon ab; abseits der Hauptverkehrsachsen tritt jedoch der gegenteilige Effekt ein und die unter anderem zu Stickstoffdioxid reagierten Abgase werden in Ozon umgewandelt.

Auch Weil am Rhein, Gärtringen und Ludwigsburg zählen zu den Orten mit übermäßiger Ozonbelastung; an der Messstelle in Stuttgart-Bad Cannstatt werden die 120 Mikrogramm zu oft überschritten. Das macht einige Bürger hellhörig. Dazu zählt Ewald Thoma aus Leonberg, der sich seit Jahrzehnten mit Luft und Lärm beschäftigt und regelmäßig zusammen mit Umweltverbänden Medien sowie Ministerien darauf anspricht. Vom Verkehrsministerium kriege er auf seine Fragen bloß "Ministerialprosa" als Antwort, klagt Thoma, "die wollen mit dem Ozon wohl keine weitere Baustelle. Der EU-Wert wurde zum Schutz der menschlichen Gesundheit eingeführt. Warum interessiert das kaum jemanden?"

Umweltbundesamt sieht "eine Gefährdung für die Gesundheit der Menschen"

Die dem Umweltministerium unterstehende Karlsruher Landesanstalt für Umwelt (LUBW), die in Baden-Württemberg die Ozonwerte ermittelt, gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. Eine Sprecherin betont, dass es sich bei den in der EU-Richtlinie genannten 120 Mikrogramm nicht um einen Grenz-, sondern bloß um einen Zielwert handelt – wird er nicht eingehalten, kann anders als beim Feinstaub oder Stickoxid niemand vor Gericht ziehen. Im Übrigen sei die Bundesregierung für Gegenmaßnahmen zuständig.

Das Umweltbundesamt in Dessau ringt sich zu einer klareren Positionierung durch. "Die aktuellen Ozonwerte stellen eine Gefährdung für die Gesundheit der Menschen dar", sagt Ute Dauert, Fachgebietsleiterin für Luftqualität. Und das, obwohl dank nationaler und europäischer Anstrengungen der Ausstoß von Stickstoffoxiden und anderen Vorläufer­substanzen aus Abgasen, Lacken oder Kraftstofftanks seit den 90er-Jahren um mehr als die Hälfte reduziert wurde.

Um die Ozonwerte auf ein unbedenkliches Maß zu senken, müssten laut Ute Dauert die Emissionen aus dem Verkehrsbereich und der Energieverbrauch verringert werden, beispielsweise würde aber auch der Einsatz lösemittelarmer Straßenmarkierungen, Lacke und Farben helfen. Vor allem sollten beim Ozon keine unverbindlichen Ziel-, sondern einklagbare Grenzwerte gelten.

Lokale Maßnahmen helfen kaum

In so einem Fall müssten bei zu hohen Ozonwerten Luftreinhaltepläne aufgestellt werden - also beispielsweise auch in Münstertal im Südschwarzwald. Lokale Maßnahmen helfen allerdings kaum: Aus Ballungsräumen wie der Landeshauptstadt werden das Gas und seine Vorläuferstoffe hinaus aufs Land geweht. Auch ist "der Ozontransport von außerhalb nach Baden-Württemberg hoch", heißt es in einer Untersuchung der LUBW zur Luftqualität im Land.

Anderswo tut man zumindest kurzfristig durchaus etwas gegen das Ozon: Wegen der erwarteten hohen Belastung durften Ende Juni erstmals zahlreiche Autos nicht mehr in den Großraum Paris einfahren, in Südfrankreich wurde die Höchstgeschwindigkeit reduziert. In Baden-Württemberg gab es lediglich einen als Pressemitteilung verschickten Warnhinweis der LUBW: "Ozonempfindliche Personen sollten sportliche Aktivitäten und körperliche Anstrengung auf die frühen Morgenstunden verlegen."

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