Der Ärztemangel hält den Kreis Rottweil im Würgegriff. Bei den Kinderärzten ist die Lage besonders ernst. Einen aktuellen Überblick über Versorgung und Lösungsansätze gab es jetzt.
Das Rottweiler Gesundheitsamt hatte zuletzt im November im Kreistag Alarm geschlagen – „da brennt der Kittel in den nächsten Jahren ganz massiv“ – und besorgniserregende Zahlen genannt: 80 Prozent der Hausarztpraxen im Kreis Rottweil seien nicht zukunftsfähig. Besonders ernst sei die Lage zudem bei den Kinderärzten und den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten. Jetzt gab es vom Gesundheitsamt ein Update.
Anabel Dobaj vom Gesundheitsamt rief zunächst die Versorgungsgrade in Erinnerung. Demnach droht bei den HNO-Ärzten im Kreis Rottweil (Versorgungsgrad: 73 Prozent) – aktuell gebe es zwei HNO-Praxen, eine Verbesserung sei zum zweiten Quartal zu erwarten, stellte Dobaj in Aussicht – eine Unterversorgung.
Unterversorgung bei der Pädiatrie
Bei den Kinderärzten wurde diese mit 68 Prozent bereits im Sommer 2025 von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) festgestellt.
Bei den Hausärzten liegt der Versorgungsgrad im Mittelbereich Rottweil bei 73 Prozent mit 21 freien Sitzen. Im Mittelbereich Schramberg – das war auf Nachfrage von CDU-Kreisrat Franz Moser zu erfahren – ist man mit mehr als 90 Prozent deutlich besser aufgestellt.
Weiterbildungsverbund für künftige Kinderärzte
Im Dezember habe man den pädiatrischen Weiterbildungsverbund mit den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen gegründet. Damit soll sich der ärztliche Nachwuchs schneller und besser zum Facharzt weiterbilden können – und nach seinem Abschluss bestenfalls der Region treu bleiben.
Auch ausländische Ärzte sollen besser integriert werden. Dafür arbeiten die Kreisärzteschaft, die Volkshochschule und die Kliniken zusammen, wie Dobaj berichtete.
Damit der Ärztemangel im Kreis Rottweil entschärft werden kann, engagiert sich der Landkreis auch, wenn es darum geht, Medizinische Versorgungszentren auf den Weg zu bringen. Das Unternehmen Diomedes wurde in diesem Zusammenhang beauftragt, bei den Kommunen und Ärzten die Bereitschaft zur Partizipation abzufragen und ein individuelles Konzept für den Landkreis zu erstellen.
Die folgenden Schritte wären dann die Gründung einer rechtsfähigen Genossenschaft oder alternativen Trägergesellschaft, die Gründung eines MVZ und die Vorbereitung und Begleitung des Betriebsstarts.
Mittlerweile seien schon einige Gespräche geführt worden, informierte das Gesundheitsamt. Parallel bahnten sich aber auch immer mehr privatwirtschaftliche Kooperationen an, wurde berichtet. An der Möglichkeit des MVZ-Genossenschaftsmodells werde dennoch festgehalten.