Der ehemalige Kinderarzt Henning Lichte erzählte im Sozialausschuss des Kreistags, dass er ähnliches erlebt habe mit der KV wie nun der Schwenninger Kinderarzt Stefan Röser. Foto: Birgit Heinig

Der Fall des Schwenninger Kinderarztes Stefan Röser beschäftigt nicht nur Eltern in Villingen-Schwenningen, sondern auch die Politik.

„Gibt es Möglichkeiten der Einflussnahme der Verwaltung?“, das wollte SPD-Stadtrat Bernd Lohmiller am Mittwoch wissen. Für Oberbürgermeister Jürgen Roth steht fest, was zu tun ist: „Ziel ist, dass wir ein MVZ in Villingen oder Schwenningen entstehen lassen.“

 

Investor gesucht

Über „die Mathematik der Kassenärztlichen Vereinigung“ wollte sich Roth nicht vertieft äußern, stattdessen wolle man in der Region tätig werden. „Dazu braucht es aber auch einen Investor, der sagt, ich bau’ Dir das und vermiete es Dir dann“, viele Fragen seien noch ungeklärt – und häufig gehe ein MVZ nicht mit einer schwarzen Null aus einem Wirtschaftsjahr. „Da müssen Sie uns einfach noch ein bisschen Zeit geben“, appellierte er an das Gremium, wohl wissend, dass „der Kittel brennt“.

Ermessensspielraum?

Stadtrat Joachim von Mirbach (Grüne) blickte trotzdem noch einmal aufgebracht zurück. Der wahre Skandal sei es, dass die KV es einerseits seit Jahren nicht schaffe, einen freien Kinderarztsitz in Villingen-Schwenningen zu besetzen – und gleichzeitig Stefan Röser dafür bestrafe, wenn er als Kinderarzt da ist „für den Kollegen, der eben nicht da ist“.

Natürlich bewege sich die KV mit ihren Plausibilitätsprüfungen, in deren Rahmen Röser Rückforderungen wegen überlanger Arbeitszeiten drohen, im legalen Rahmen – „aber man hätte das ja mal aussetzen können, anstatt dieser erbarmungslosen Durchsetzung einer Vorschrift.

Die Petition für Röser im Internet wurde bereits von über 5300 Personen unterschrieben. Darüber hinaus bemüht sich die CDU-Stadträtin Maria Noce mit Mitstreitern gerade um die Organisation einer Podiumsdiskussion mit Ärzten, Politikern und der KV zum Thema.