Peter Vosseler (vorne rechts) leitet die Wandergruppe des Fastenzentrums. Foto:  

Vor 30 Jahren hat Ralf Moll in Bergfelden sein Fastenzentrum eröffnet – samt besonderem Programm. Mit „Spaß haben“ und „Lebensfreude “ beschreibt es eine Teilnehmerin.

„Es war mir wichtig, dass es ein reines Fastenzentrum ohne andere Gäste mit Halbpension ist. Es macht als Faster keinen Spaß, anderen beim Essen zuzuschauen“, erklärt er. „Fasten für Gesunde“ ist in dem ganzjährig geöffneten Seminarhotel mit einem abwechslungsreichen Programm verknüpft.

 

Fester Bestandteil sind dabei geführte Wanderungen. Bewegung verbrenne nicht nur Fett, sondern, so Moll, „macht auch den Geist klar, und die Seele kann baumeln.“

Wandern bei jedem Wetter

Beim Fastenwandern wird geduzt: „Ich bin der Peter“, stellt sich Peter Vosseler vor. Er ist ehrenamtlicher Wanderführer, und das schon seit 27 Jahren. Viele der Teilnehmer sind zum wiederholten Mal dabei. „Das ist für mich, wie nach Hause zu kommen“, sagt Udo aus Bad Hersfeld.

14 Teilnehmer versammeln sich vor dem Hauseingang. Es ist kalt, es schneit. Macht nichts: Bei jedem Wetter wird gewandert, allerdings sollte man geübt sein. Bei Schnee und Eis ist ein sicherer Tritt besonders wichtig. Die meisten benutzten Wanderstöcke. An dem Tag begleitet Erwin Stocker aus Bergfelden als zweiter Wanderführer die Gruppe. Einer geht voraus, der andere bildet den Schluss.

Eine schöne Landschaft

Mit Autos fahren die Fastenwanderer nach Sigmarswangen. Am dortigen Friedhof ist der Ausgangspunkt der vormittäglichen Wanderung, Ziel die Ruine Albeck in Sulz. Eine landschaftlich reizvolle Strecke, auch geschichtlich interessant. Auf der freien Hochebene müssen sich die Wanderer durch zentimeterhohen Schnee kämpfen.

Peter Vosseler legt den ersten Stopp am Wasserhochbehälter ein. Von dort sieht man die Dächer des Hofguts Geroldseck, das jahrhundertelang die Burg Albeck und ihre Herrschaft versorgt hat.

Achtsamkeit ist wichtig

Mammutbäume gehören zu den Besonderheiten der Wanderung. Der Hofbesitzer von Geroldseck hat damit vor 25 Jahren eine Windschutzhecke gepflanzt. Die Bäume sind bereits 25 Meter hoch gewachsen. Blickt man nach links, so sieht man die ersten, im Jahr 1864 gepflanzten Riesenbäume aus dem Wald herausragen.

Die Gruppe nimmt den Pfad Richtung Ruine Albeck, die schon bald in Sicht kommt. Der Albeckhang steht unter Naturschutz, zwölf Orchideenarten, erklärt Peter Vosseler, kommen hier vor. Er berichtet auch von einem Unfall: Ein Bagger ist hier bei Pflegearbeiten am Steilhang abgestürzt und unten auf dem Weg zum Liegen gekommen. Dem Fahrer ist zum Glück nichts passiert. Eine kleine Warnung, doch etwas vorsichtiger den Weg fortzusetzen.

Touren in der ganzen Umgebung

Nichtsdestoweniger unterhalten sich die Teilnehmer unterwegs sehr rege. „Ein beliebtes Thema sind unsere Lieblingsrezepte und was wir über Weihnachten gegessen haben“, verrät Monika. Das Vesper hat Peter Vosseler im Rucksack dabei. Auf der Ruine packt er es aus – es sind Zitronenschnitze, die er verteilt. „Man kann sie mit der Schale essen“, versichert Erwin Stocker.

Insgesamt sind es sieben ehrenamtliche Wanderführer, die eigenständig Touren leiten. Eine davon führt auf den Kirchberg. „Die ist Pflicht“, sagt Stocker. Seine Lieblingswanderung ist die zum Boller Felsen. Andere führen ins Keltertal in Vöhringen oder zur Schlichemklamm bei Epfendorf. Für alle Wandertouren gilt: Man sollte fit dafür sein.

Mammutbaum und Doline

Von der Ruine genießen die Wanderer einen schönen Blick ins Neckartal und auf das verschneite Sulz. Über den Serpentinenpfad hätte es zu den Mammutbäumen weitergehen sollen. Die ersten waren auch schon vorangeschritten, doch dann ruft Peter Vosseler alle wieder zurück – eine gute Entscheidung.

Es ist zu eisig und zu gefährlich. Es gibt noch einen alternativen Weg zu den Mammutbäumen. Doch soweit schafft es die Gruppe nicht mehr, die Zeit ist fortgeschritten. Im Stumpenwald macht Vosseler stattdessen einen kleinen Abstecher zu einer großen Doline, bevor der Ausgangspunkt nach sieben Kilometer erreicht ist. Es ist eine eher kurze Wanderung, die die wenigsten ermüdet hat. Bis zu zwölf Kilometer wird während der Woche gewandert.

Das Ziel ist erreicht: die verschneite Ruine Albeck. Foto: Steinmetz

Ist man anschließend hungrig? Nein, sagt eine der Teilnehmerinnen, „Lust auf Essen habe ich aber schon.“ Das gibt es auch hinterher, Suppen oder Früchte, die das Hungergefühl nicht aufkommen lassen.

Von Spanien nach Sulz

„Es ist ein guter Start in das neue Jahr“, stellt eine Frau fest. Neben geführten Wanderungen werden während der Fastenwoche Yoga, Wellness-Massagen und jeden Abend Vorträge angeboten. „Alles ist durchorganisiert, man muss sich um nichts kümmern“, erklärt ein Teilnehmer. Viele, die an einer Fastenwoche in Bergfelden teilgenommen haben, kehren gern wieder zurück.

Das Fastenzentrum hat eine Wiederholungsquote von 80 Prozent. Myriam Bartholemy, die auf der Kanareninsel La Palma wohnt, ist eine dieser „Wiederholungstäterinnen“. Sie hat mit dem Fasten begonnen, als sie sehr krank war. Seit 25 Jahren macht sie das seither in Bergfelden.

Fasten für jedes Alter

Fasten bedeutet für sie, nicht zu darben, sondern Spaß zu haben, Lebensfreude zu spüren und „tolle Menschen“ kennenzulernen. Das ist auch für sie ein „bewusster Start ins neue Jahr“. Seit elf Jahren bringt sie ihren jetzt 91-jährigen Vater Jo mit.

Er hat, wie er erzählt, in den Kriegsjahren gefastet – zwangsweise, weil es wenig zu essen gab. So war es für ihn keine neue Erfahrung mehr. Vor elf Jahren habe er 15 Kilogramm mehr gewogen und sehr viele Tabletten gegessen. Inzwischen seien es nur noch drei. Fasten ist, wie sein Beispiel zeigt, auch im hohen Alter möglich und sinnvoll.