Medikamente sind in der Erkältungszeit sehr gefragt. Auch Drogeriemärkte wollen vermehrt Medikamente anbieten. Eine Apothekerin aus Rottweil sieht dabei aber Risiken.
Ein Kratzen im Hals hier, eine laufende Nase da – mit dem Herbstwetter rollte auch die Krankheitswelle über die Region. Nasenspray und Hustenlöser sind daher gefragte Medikamente. Mehrere Drogeriemärkte kündigten bereits an, vermehrt in den Gesundheitssektor zu investieren und Medikamente verkaufen zu wollen. DM beispielsweise möchte bis zum Ende des Jahres eine Online-Apotheke auf den Markt bringen. Das aber ganz zum Ärger der Apotheker vor Ort.
Claudia Scheider ist Inhaberin der Schneider Apotheke im Markt und sieht für die Verbraucher einige Risiken. Bereits jetzt gebe es das Problem, dass Händler wie DM, Lidl oder Aldi in geringem Ausmaß Arzneimittel in ihr Sortiment aufnehmen würden. Aktuell dürften Drogerien nicht-apothekenpflichtige Arzneimittel und Medizinprodukte verkaufen.
Kunden würden sich oft nicht auskennen
Patienten würden sich aber oft nicht mit den Medikamenten auskennen und kämen dann in die Apotheke um nach Rat zu fragen. „Da muss ich ganz klar sagen, dass es natürlich in unserem heilberuflichen Interesse liegt die Kunden zu beraten, unsere Arbeitszeit aber auch nicht kostenlos ist. Wir beraten gerne, aber brauchen dafür auch Umsatz“, macht Schneider klar.
Die Gefahr bestehe darin, dass Kunden Medikamente kaufen würden, von denen sie aber nur denken, dass sie ihnen helfen könnte. Oftmals sei es aber nicht das richtige Medikament für den Patienten, da entweder die Wirkungsweise nicht zu den Symptomen passe, es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gebe oder der Patient eine Grunderkrankung habe, bei dem das gekaufte Medikament kontraindiziert ist, also unter bestimmten Umständen nicht eingenommen werden darf oder gar schaden kann.
Zusätzlich könnte der Patient oft nicht selbst beurteilen, ab wann eine Erkrankung in ärztliche Behandlung gehöre. Daher sei eine Beratung ihrer Meinung nach immer sinnvoll, um schwerere Erkrankungen auszuschließen.
Beratung sei immer sinnvoll
Außerdem sei den meisten Menschen vermutlich nicht bewusst, dass die neue Online-Apotheke von DM in Tschechien sitze, so die Apothekerin weiter. Denn nur im Ausland sei eine Online-Apotheke ohne angegliederte öffentliche Apotheke überhaupt zulässig.
Apotheken überleben durch OTC-Verkäufe
Online-Apotheken seien bereits jetzt eine Konkurrenz zu den Vor-Ort-Apotheken. Die meisten Apotheken hätten einen Rezeptanteil von etwa 80 Prozent und nur 20 Prozent an OTC-Produkten. OTC-Produkte sind hierbei rezeptfreie Medikamente. Sie sind meist für leichte Beschwerden gedacht.
Die Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bei sogenannten Rx-Packungen, also verschreibungspflichtigen Medikamenten, sei allerdings seit 2013 nicht mehr angehoben worden. Die Kosten seien aber durch die Inflation und steigenden Fixkosten explodiert. Daher bleibe immer weniger Geld übrig, das mit Verkäufen anderer Produkte in der Apotheke ausgeglichen werden müsse, so Schneider. Auch die Anfertigung von Individualrezepturen und die Sicherstellung der Notdienste müsse dadurch finanziert werden. Das mache keine Online-Apotheke.
Immer mehr Apotheken müssten schließen
„Je mehr OTC in die Online-Apotheke abwandert, desto mehr Apotheken werden ihre Leistungen nicht mehr aufrechterhalten können und wenn es ganz schlecht läuft auch schließen müssen.“ Diese fallende Tendenz sei bereits zu erkennen. Von 22 000 Apotheken seien es jetzt noch etwas über 17 000 Apotheken in Deutschland, bedauert die Apothekerin.