Arbeitsunfähig – diese Meldung häuft sich. Foto: Jens Büttner/dpa

Der Krankenstand im Schwarzwald-Baar-Kreis ist im Jahr 2023 signifikant gestiegen – zu diesem Ergebnis kommt die Barmer Krankenkasse in ihrer Auswertung.

Demnach waren die Erwerbstätigen in der Region im vergangenen Jahr deutlich häufiger krankgeschrieben.

 

Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse hervor.

Markanter Anstieg

Je 100 Erwerbspersonen ermittelte die Krankenkasse 190 sogenannte Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle). „Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle im Schwarzwald-Baar-Kreis um zehn Prozent gestiegen. Am häufigsten war eine Atemwegserkrankung der Grund für eine Krankschreibung“, sagt Jonas Zinser, Geschäftsführer der Barmer. Im Schnitt sei jede Erwerbsperson aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis damit im letzten Jahr 19,6 Tage krankgeschrieben gewesen.

Rekordhoch landesweit

Bei der Zahl der AU-Fälle schneide Baden-Württemberg besser ab als der Bund. Deutschlandweit habe die gesetzliche Krankenkasse im Jahr 2023 insgesamt 203 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Erwerbspersonen ermittelt, in Baden-Württemberg seien es 183. Dennoch: „Das ist ein historischer Wert, mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle haben wir in Baden-Württemberg noch nie erfasst“, teilt Jonas Zinser mit.

Bei den landesweiten Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) habe es einen Rückgang um 3,4 Prozent gegeben. Auch der Krankenstand sei in Baden-Württemberg gesunken, von 5,34 Prozent im Jahr 2022 auf 5,16 Prozent im Folgejahr.

„Wir befinden uns in der Post-Corona-Phase. Während wir im Jahr 2022 enorme Nachholeffekte bei den Infektionskrankheiten gesehen haben, scheint sich die Lage langsam zu normalisieren. Aber wir sehen einen Rückgang auf hohem Niveau“, erklärt der Geschäftsführer.

Mehr als 600 000 AU-Fälle

Für den Gesundheitsreport hat die Krankenkasse die Arbeitsunfähigkeitsdaten von mehr als 335 000 baden-württembergischen Erwerbspersonen im Jahr 2023 ausgewertet. Erwerbspersonen sind Versicherte, die Anspruch auf Krankengeld haben. Hierzu zählen die versicherungspflichtig beschäftigten Mitglieder der Barmer, Arbeitslosengeld-I-Empfänger und Selbstständige, die freiwillig bei der Krankenkasse versichert sind und die Anspruch auf Krankengeld haben. Insgesamt ermittelte die Kasse in Baden-Württemberg 601 000 AU-Fälle und 6,7 Millionen AU-Tage.

Woran Erwerbstätige leiden

Eine ähnliche Erhebung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg im Jahr 2022 für das Kalenderjahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass die Beschäftigten in der Region sich vor allem verstärkt mit Langzeiterkrankungen zu Buche schlagen. Demnach lag der durchschnittliche Krankenstand in den Unternehmen damals bei 4,9 Prozent und ist somit um 0,1 Prozent gestiegen gegenüber dem Vorjahr.

Im Schnitt waren die Beschäftigten laut der AOK-Studie in den Unternehmen im Schwarzwald-Baar-Kreis 2021 an 17,8 Tagen krankgeschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage um 1,7 Prozent. Und immer öfter seien Langzeiterkrankungen verantwortlich dafür. Arbeitsunfähigkeitsfälle von mehr als sechs Wochen machten zwar nur knapp 3,9 Prozent von allen Fällen aus, so Tobias Croonenbroeck von der regionalen AOK, „verursachten aber 41,8 Prozent aller Fehltage wegen Krankheit“. Den größten Anteil an Fehltagen bildeten Muskel- und Skeletterkrankungen. Die deutlichste Steigerung aber war in einem anderen Segment zu verzeichnen: Immer mehr Personen litten an psychischer Erkrankungen.