Rund 1,6 Prozent der Versicherten der AOK im Landkreis Rottweil sind aufgrund einer Demenzerkrankung in Behandlung. Dabei sind mehr Frauen betroffen als Männer. Die AOK Baden-Württemberg informiert, was zur Prävention getan werden kann und wo auch Angehörige Hilfe finden.
Demenz betrifft viele Menschen im Landkreis und beeinflusst das Leben der Erkrankten sowie ihrer Angehörigen stark. Der Begriff umfasst unterschiedliche Krankheiten, von denen Morbus Alzheimer die bekannteste und mit 75 Prozent auch die häufigste ist. Von Demenz spricht man, wenn eine Person seit mindestens sechs Monaten unter einer Gedächtnisstörung leidet, die mit der Beeinträchtigung mindestens einer weiteren Hirnleistung einhergeht und deutliche Einschränkungen im Alltag verursacht.
Im Landkreis Rottweil waren laut Pressemitteilung im Jahr 2023 rund 1400 AOK-Versicherte aufgrund einer Demenzerkrankung in ärztlicher Behandlung. Das waren rund 1,6 Prozent aller Versicherten der Gesundheitskasse. Frauen waren mit 867 Diagnosen häufiger betroffen als Männer (535 Diagnosen). Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt ab einem Alter von 60 Jahren zu und steigt ab 80 Jahren deutlich an.
Demenz bewirkt auch Persönlichkeitsänderungen
„Bei einer Demenz können neben dem Gedächtnis auch Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen beeinträchtigt sein. Begleitet werden diese Einschränkungen häufig auch von Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen. Die Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen, ist aufgrund dieser Symptome zunehmend eingeschränkt“, erläutert Dr. med. Alexandra Isaksson, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.
In Deutschland waren Ende 2023 circa 1,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Während der Anteil der betroffenen Versicherten im Landkreis Rottweil zwischen 2019 und 2023 im Durchschnitt um 3,4 Prozent pro Jahr gesunken ist, gehen aktuelle Prognosen von einem generellen Anstieg der Anzahl Demenzerkrankter aus. Bis zum Jahr 2025 könnten circa 2,7 Millionen Menschen über 65 Jahre betroffen sein. Ein Grund hierfür ist die steigende Lebenserwartung mit Demenz als eine der häufigsten altersassoziierten Erkrankungen.
Finanzierung muss stabilisiert werden
Harald Rettenmaier, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg weist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer bereits jetzt bestehenden milliardenschweren Finanzierungslücke darauf hin, wie wichtig es ist, die Finanzierung der Pflegeversicherung langfristig zu stabilisieren: „Eine verlässliche und nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung muss zu einer der vordringlichsten Aufgaben der nächsten Bundesregierung werden. Nur so kann die langfristige Handlungsfähigkeit dieses Pfeilers der Sozialversicherung sichergestellt werden“, so Rettenmaier.
Prävention hat große Bedeutung
Der geschätzte Anstieg der Demenzerkrankungen in den Modellen hängt unter anderem von der Entwicklung der Lebenserwartung und der Bevölkerungsstruktur ab. Zudem spielt eine Rolle, inwieweit das Präventionspotenzial ausgeschöpft wird. Daher kommt der Prävention von Risikofaktoren eine besondere Bedeutung zu. „Durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität, geringem Alkoholkonsum sowie dem Verzicht auf das Rauchen könnten viele Demenzerkrankungen verhindert werden“, so Dr. med. Alexandra Isaksson. Zudem seien eine frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung von mit Demenzen assoziierten Erkrankungen wie Hörminderungen, Depressionen, Bluthochdruck und Diabetes wichtig.
Das Wissen darüber, wie eine Demenz behandelt werden kann, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Bei den meisten Demenzformen können aber nur die Symptome behandelt werden, nicht die Ursache. Häufig werden medikamentöse, nicht-medikamentöse und psychosoziale Maßnahmen kombiniert. „Ziel der Therapie ist der Erhalt größtmöglicher Selbstständigkeit des Patienten im Alltag sowie der Teilhabe am gesellschaftlichen und familiären Leben. Psychosoziale Verfahren sind genauso wichtig wie die Medikation und daher zentraler Bestandteil des Behandlungsplans“, so die AOK-Ärztin.
Auch Angehörige sind betroffen
In den meisten Fällen betrifft eine Demenz nicht nur den Erkrankten selbst, sondern auch seine Angehörigen. Auch für sie ist der Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner, um gesundheitlichen Belastungen vorzubeugen, die sich aus der Pflege des Erkrankten ergeben können. Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft werden etwa 80 von 100 Menschen mit Demenz von ihren Angehörigen versorgt, die meisten davon sind Frauen. Die Demenz und ihre Symptome belasten viele dieser pflegenden Angehörigen und schränken deren Lebensqualität stark ein. Deshalb bietet die AOK Baden-Württemberg Pflegeberatung und Pflegekurse an, auch online.