Ohne Impfung leidet jeder Dritte im Laufe seines Lebens an Gürtelrose. Die Zahlen im Kreis Rottweil steigen an. Und hat die Impfung womöglich noch einen anderen Effekt?
Brennende Schmerzen, Hautrötungen, die sich zu Bläschen entwickeln – eine Gürtelrose ist häufig sehr unangenehm und kann zu erheblichen Beschwerden führen. Menschen mit schwachem Immunsystem sind besonders anfällig für einen schweren Krankheitsverlauf mit Langzeitfolgen, erklärt die AOK in einer Pressemitteilung.
Laut einer aktuellen Auswertung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg befanden sich 2023 im Landkreis Rottweil 704 Versicherte aufgrund einer Gürtelrose in medizinischer Behandlung – davon 468 Frauen und 236 Männer. Und die Zahlen steigen: Zwischen 2019 und 2023 hat der Anteil der Betroffenen im Schnitt um 4,5 Prozent pro Jahr zugenommen.
Jeder, der die Windpocken durchgemacht hat, kann an Gürtelrose erkranken. Diese entsteht durch die Reaktivierung ruhender Varizella-Zoster-Viren nach einer früheren Windpockeninfektion. „Das Virus bleibt in den Nervenzellen des Rückenmarks und Gehirns über Jahrzehnte inaktiv erhalten“, erläutert Ralph Bier, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg.
Während Windpocken bei Kindern oft harmlos verlaufen, könne Gürtelrose bei Erwachsenen erhebliche Beschwerden verursachen, wird betont. Die Symptome beginnen oft mit Fieber und Abgeschlagenheit, gefolgt von brennenden Schmerzen und Hautausschlag. Nach zwei bis zehn Tagen trocknen die Bläschen aus und bilden Krusten. Die Erkrankung verursacht in 80 Prozent der Fälle starke, einseitig begrenzte Nervenschmerzen. Eine rasche Behandlung mit virushemmenden Medikamenten und Schmerzmitteln ist entscheidend.
Bei schweren Verläufen können Langzeitfolgen wie dauerhafte Empfindungsstörungen oder Narbenbildung auftreten. Postherpetische Neuralgie ist die häufigste Langzeitfolge und äußert sich durch anhaltende Nervenschmerzen, die Monate oder Jahre andauern können und sehr schwer zu behandeln sind, so die AOK. Eine Gürtelrose im Gesicht kann dauerhafte Schäden an den Augen verursachen, bis hin zu Sehverlust. Auch seltene Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung können auftreten.
Gürtelrose-Bläschen enthalten infektiöse Viren, weshalb direkter Kontakt mit den Flüssigkeiten vermieden werden sollte. Die Erkrankung ist nicht hoch ansteckend, kann aber bei engem Kontakt mit Bläschenflüssigkeit Windpocken auslösen.
Impfung empfohlen
Eine Impfung wird für alle Personen über 60 Jahren und für chronisch Kranke über 50 Jahren empfohlen. Auch ein möglicher Schutz der Impfung vor Demenz wird laut AOK-Mitteilung diskutiert: „Neuere Studien legen nahe, dass eine Impfung gegen Gürtelrose das Risiko für Demenz senken könnte. Der neue rekombinante Impfstoff Shingrix® hat neben einer besseren Schutzwirkung auch eine bessere Schutzwirkung vor Demenz. Dabei ist nicht die Anzahl der Demenzfälle verringert, sondern der Eintritt der Erkrankung wird nach hinten verschoben. Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Demenz könnte auf die entzündlichen Prozesse zurückzuführen sein, die das Nervensystem beeinträchtigen“, so der Arzt Ralph Bier.