Wenn mehrere nahe Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, kann ein Gentest mitunter sinnvoll sein, sagen die Experten der Krankenkasse AOK im Kreis Rottweil.
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. 2024 sind im Landkreis Rottweil 68 bei der AOK versicherte Frauen neu an Brustkrebs erkrankt. Die Dunkelziffer könnte höher sein, da nur Frauen ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden.
Die Häufigkeit der Erkrankung ist abhängig vom Alter. Auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. „Das eigene Risiko verdoppelt sich, wenn Brustkrebs bei der Mutter oder einer Schwester auftritt“, erläutert Dr. Ariane Chaudhuri, Ärztin bei der AOK-Baden-Württemberg. „Wenn eine Großmutter oder Cousine betroffen ist, ist das eigene Risiko dagegen kaum erhöht“, so die Ärztin weiter. Wenn mehrere nahe Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, kann das ein Hinweis auf Genveränderungen sein. Ein Gentest ist dann mitunter sinnvoll.
Es gibt mehrere Faktoren
Der Lebensstil beeinflusst das Brustkrebsrisiko nach derzeitigem Erkenntnisstand nur gering. „Frauen, die körperlich sehr aktiv sind, haben wahrscheinlich ein etwas niedrigeres Brustkrebsrisiko“, so Dr. Chaudhuri. Welche Rolle das Gewicht und das Rauchen spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. „Frauen, die viel Alkohol trinken, erkranken jedoch häufiger an Brustkrebs“, so die AOK-Ärztin.
Hormone können beeinflussen, wie sich Brustkrebszellen vermehren. „Deshalb kann es zum Beispiel eine Rolle spielen, in welchem Alter eine Frau ihre Periode bekommen hat, wann sie ihr erstes Kind geboren hat, wie oft sie schwanger war und ob sie die Antibabypille genommen hat oder Hormonpräparate,“ so Dr. Chaudhuri.
Spezielle Untersuchung ab 50 Jahren
Je früher man Brustkrebs entdeckt, desto besser kann man ihn behandeln. Frauen wird empfohlen, die eigene Brust regelmäßig zu beobachten und abzutasten. Es gibt einige Anzeichen, die auf einen Tumor oder einen gutartigen Knoten in der Brust hindeuten können. „Wenn sich die Form oder Größe einer Brust verändern, ein oder mehrere Knoten in Brust oder Achselhöhle tastbar sind, die Brustwarze oder ein anderer Teil der Brust sich nach innen zieht, die Haut der Brust sich rötet oder schuppt und nicht verheilt oder wenn eine Brustwarze klare oder blutige Flüssigkeit abgibt, sollte dies rasch von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden“, erläutert Dr. Chaudhuri.
Alle gesetzlich versicherten Frauen ab einem Alter von 30 Jahren haben Anspruch auf eine kostenlose jährliche Tastuntersuchung der Brust. Frauen zwischen 50 und 75 Jahren können alle zwei Jahre eine Mammografie-Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen.
Bei einer Brustkrebserkrankung stehen – ergänzend zur Operation – als mögliche Behandlungsschritte Hormontherapie, Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente und je nach Situation auch Bestrahlungen zur Verfügung. „Wurde Brustkrebs festgestellt, ist es sinnvoll, sich über Vor- und Nachteile der im individuellen Fall zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten umfassend zu informieren. Dabei sind die Aspekte Wirksamkeit, mögliche Belastungen durch die Behandlung sowie potenzielle kurz- und langfristige Folgen von besonderer Bedeutung. Zertifizierte Brustzentren können diese Beratung und Behandlungsplanung leisten“, erläutert die AOK-Ärztin.