Kinderarzt Stefan Langrehr auf der Gesundheitskonferenz des Landkreis Freudenstadt. Foto: Jürgen Lück

Stefan Langrehr ist Kinderarzt in Freudenstadt und im Vorstand der Ärzteschaft. Was der Pädiater und die KV zu den neuen Kassensitzen sagen.

Erst verkündet die kassenärztliche Vereinigung, dass durch zwei neue Sitze die kinderärztliche Versorgung im Landkreis Freudenstadt gesichert sei. Doch stimmt das?

 

Stefan Langrehr ist CDU-Kreisrat, Kinderarzt, im Vorstand der Ärzteschaft Freudenstadt. Er sagt: „Es ist sicherlich korrekt zu sagen, dass durch diese Maßnahme in der Versorgung eine Stabilisierung eingetreten sei. Die Probleme bleiben.“

Das liege daran, so der Kinderarzt, dass zwar die Praxen von Iona Oprea (Horb) und Birgit Busch-Wurster (Freudenstadt) einen halben beziehungsweise dreiviertel Kassensitz bekommen haben. Langrehr: „Die Praxen können jetzt besser mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.“ Jedoch: „Es sind Mediziner, die ohnehin schon bei ihnen gearbeitet haben.“

Kinderarzt: „Arztzahl in Horb bleibt gleich“

Langrehrs Kollege Ulrich Funk aus Altensteig, der seit 1. Oktober im Ruhestand ist, sagt: „Die bisherige Kinderarzt-Anzahl bleibt in Horb gleich. Die bestehende Praxis von Iona Oprea in Horb hat eine Assistentin, die schon seit 2022 bei der Kollegin arbeitet. In dieser Zeit hatte Michael Nagel noch seine Praxis für Kassenpatienten geöffnet. Anfang des Jahres arbeitet diese frühere Assistentin als Fachärztin. “

Die kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) widerspricht. Sie war in der Kinderarzt-Krise heftig unter Druck geraten. Sprecher Kai Sonntag: „Das mit den Personen stimmt. Weiterbildungsassistenten, die bisher in den beiden Kinderarzt-Praxen gearbeitet hatten, sind jetzt ausgebildete Fachärzte. Ihre Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet. Damit verbessert sich auch der Versorgungsgrad im Landkreis Freudenstadt.“ Das werde bald in den offiziellen Zahlen niederschlagen.

KVBW: Patient profitiert von den neuen Sitzen

Das bedeute für den Patienten bisher, vereinfacht gesagt, dass der bisherige Assistenzarzt ein Facharzt ist. Der sei jetzt so qualifiziert, dass er nicht nur einen Teil der Kindermedizin machen darf, sondern als Facharzt das volle Spektrum. Und das komme dem Patienten direkt zu Gute.

Sonntag sieht die beiden neuen Sitze als Beispiel, wie gut die Förderung funktioniert. Auch, weil es mehr Mediziner in die Kinderarztpraxen gebracht habe. Aber ein großes Problem bleibt – da sind sich Stefan Langrehr und die KV einig: Das Nachwuchsprogramm für Kinderärzte.

Sonntag: „Es gibt eine Förderung für Ärzte, die nach dem Studium in einer Praxis vor Ort ihren Facharzt-Titel erwerben wollen. Die wollen natürlich so viel wie in der Klinik verdienen. Für angehende Hausärzte ist die Zahl dieser geförderten Stellen unbegrenzt, bei Kinderärzten limitiert.“

Das kann die Bundesregierung tun

Der KV-Sprecher: „Wir fordern seit Jahren, das zu ändern. Doch der Bundesgesetzgeber, der das in der Ausbildungsverordnung festlegt, versperrt sich dem. “

Langrehr warnt vor Verschärfung der Kinderarzt-Krise

Stefan Langrehr: „Ich nehme Weiterbildungsassistenten seit Jahren. Bei mir sind das allerdings meistens Allgemeinmediziner.“ Für den Landkreis bleibt Kinderarzt Langrehr skeptisch: „Ich bin 63 Jahre alt. Wir haben im Westkreis noch vier Kollegen, die sind noch älter als ich. In fünf Jahren sind wir theoretisch weg.“