Cornelia Wülbeck (Dezernatsleiterin für Recht, Ordnung und Gesundheit beim Landratsamt), Isabell Dörflinger, Marion Dammann, Thomas Schlotterbeck, Carlo Wolf und Oli Lou Kramer gaben den Startschuss für die Kooperation mit der digitalen Plattform „gesundheitsinformation.de“ des IQWiG. Foto: Uwe Thomes

Der digitale Gesundheits- und Sozialkompass des Landkreises Lörrach geht mit der digitalen Plattform „gesundheitsinformation.de“ eine Liaison ein.

Der Startschuss für das deutschlandweite Pilotprojekt fiel am Dienstagnachmittag im Lörracher Landratsamt.

 

Vor dem Hintergrund eines immer komplexer werdenden Gesundheitswesens und eines stetig wachsenden Orientierungsbedarfs seitens der Bevölkerung, aber auch des medizinischen Fachpersonals, rief Landrätin Marion Dammann in ihrer Eröffnungsrede am Tag der Gesundheitsinformation den zahlreich erschienenen Vertretern von Gemeinden, Ausbildungsstätten und medizinischen Einrichtungen zu: „Wir brauchen Ihre Perspektiven!“ Dies auch politisch motiviert: „Welche Rolle können Kommunen im Gesundheitswesen einnehmen und welche Wege können sie beschreiten?“

Gesundheitskompetenzen stärken

Mit dem Gesundheits- und Sozialkompass des Landkreises soll die allgemeine Gesundheitskompetenz gestärkt werden. Laut Bundesgesundheitsministerium umfasst diese das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden. Das Lörracher Projekt will Personen helfen, durch Bündelung und systematischer Strukturierung regionaler Gesundheits-, Pflege- und Sozialangebote, welche eine Orientierung im Gesundheits- und Versorgungssystemschafft, barrierearm schnelle, verlässliche Antworten und Angebote zu finden.

Zukunftsfähige Versorgung

Erklärtes Ziel ist eine zukunftsfähige Versorgung der Bevölkerung. Und hierfür hat der Landkreis mit der IQWiG sowie der AOK Hochrhein-Bodensee und mit der mit der Umsetzung beauftragten Digitalagentur Pocket Rocket entsprechende Partner mit ins Boot geholt.

Die per Video zugeschaltete Inger Schelke von der IQWiG erklärte deren Aufgabe bei dem Projekt. Zu den gesetzlich festgelegten Aufträgen der IQWiG gehöre es, evidenzbasierte Entscheidungen in Gesundheitsfragen zu unterstützen, Behandlungen und Untersuchungen zu bewerten und damit Bürgern unabhängige, kostenlose und werbefreie Antworten auf häufige Gesundheitsfragen anzubieten – aktuell in rund 300 Themen.

Unabhängig und verständlich aufbereitet

Mit der neuen Schnittstelle zu gesundheitsinformation.de stehen den Nutzern von GesundSozial.digital nun Hunderte unabhängig geprüfte und verständlich aufbereitete Fachartikel zur Verfügung, welche direkt mit passenden regionalen Angeboten verknüpft sind – mehrsprachig und filterbar.

Mehrere Partner im Boot

Carlo Wolf von der AOK als Vertreter der Kostenträger ging auf grundsätzliche Problematiken im deutschen Gesundheitswesen ein: Deutschland belege im internationalen Vergleich Spitzenplätze bei der Anzahl der Arztbesuche und den Kosten, finde sich bei der Lebenserwartung jedoch trotzdem nur im hinteren Mittelfeld, was Wolfs Meinung nach auch mit einem der hintersten Plätze in Sachen vernetzte Datennutzung zusammenhängt. „54,7 Prozent der Bevölkerung verfügen aktuell über eine nur geringe Gesundheitskompetenz.“

Verständlich aufbereitet

Das genau seien die Herausforderungen, welchen sich GesundSozial.digital annehme, erklärte die inhaltliche Projektleiterin Isabell Dörflinger. „Im Gegensatz zum Internet wie Google oder KI-basierten Auskünften weiß unsere Plattform zwar auch keine Antworten auf alle Fragen, aber sie ist niederschwellig, strukturiert, praxisorientiert, geprüft und evidenzbasiert sowie vertrauenswürdig. Dazu bildet sie fast alle Angebote im Landkreis ab.“

Kooperation soll Erfolgsgeschichte werden

Thomas Schlotterbeck von der Rocket Pocket GmbH erklärte abschließend die vielfältigen Möglichkeiten der neu gestalteten Plattform.

Im zweiten Teil des Nachmittags stand für die geladenen Fachpersonen ein Workshop auf dem Programm, bei welchem deren Perspektiven, Anforderungen und Verbesserungsvorschläge zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung von GesundSozial.digital aufgenommen werden sollten. Denn, so der allgemeine Tenor: Dieser Nachmittag im Landratsamt soll nur der Anfang einer Erfolgsstory gewesen sein.