Wichtig ja, hübsch nein: Die Hochwasserschutz-Betonmauer bei der Förderschnecke im Gerberviertel wird mit aufweniger Stahlkunst verschönert. Foto: Sum

Kommunales: Gemeinderat spricht bei Auswahl und Material mit / Befestigung nicht ganz einfach

Die "hässliche Betonmauer" der Hochwasserschutzwand beim Schüttesägemuseum wird verschönert: Klassische Motive aus Schiltach und dem Lehengericht sollen zeigen, was die Stadt zu bieten hat.

Schiltach. Die Idee dazu hatte Stadtarchivar und Museumsleiter Andreas Morgenstern. Zwar sei das Bauwerk für den Schutz gegen Hochwasser wichtig, "aber schön ist die Mauer nicht". Auch zugewachsen sei sie im Lauf der Jahre nicht. Die Frage nach kreativen Ideen für die "hässliche Wand" gab er an die Agentur "4Raum" in Schramberg weiter, die einen Entwurf für die Gestaltung erarbeitete.

Das war im vergangenen Jahr. Im Juli 2020 kam das Thema bereits in den Gemeinderat. In drei Sitzungen diskutierte das Gremium unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Entwurf, sprach über Motive und Materialgestaltung. In der jüngsten Sitzung dann vergab der Rat in öffentlicher Sitzung die nötigen Stahlarbeiten (siehe Infokasten). Bei einem Pressetermin wurde das Projekt am Mittwoch nun noch einmal gesondert vorgestellt.

Der erste Entwurf, so schildern Susann Krüger und Bernd Neff, habe Alu-Dibond, ein Verbund aus Aluminium und Kunststoff, als Material vorgesehen. Die Gestaltung war in den Schiltacher Stadtfarben Rot und Weiß geplant. Aus dem Rat, "der das Projekt von Anfang an mitgetragen und auch eigene Ideen eingebracht hat", sei der Vorschlag gekommen, stattdessen Corten­stahl zu verwenden, dessen Rostoptik "unheimlich gut zur Stadt im Hintergrund" passe, so Krüger. Auf der Ebene dahinter soll durch dunkel beschichteten Stahl ein Kontrast entstehen, erklärt sie. Und – zu guter letzt – als dritte Ebene bleiben Teile der Betonmauer sichtbar.

Der dunkle Stahl wird direkt an der Mauer befestigt, der Cortenstahl hebt sich durch seinen Abstand von rund zehn Zentimetern optisch etwas ab. Beide Stahl-Schichten stellen Schiltacher und Lehengerichter Motive dar. Die dunkle Stahl-Ebene greift mit Schlossberg und Hohenstein die Topografie der Stadt auf. Mit Marktbrunnen, Rathaus und Fachwerkhäusern sind zentrale Bauwerke dargestellt. Eine Kuh und ein Trachtenpaar schlagen die Brücke ins Lehengericht.

Von Anfang an rostfarben

Die Cortenstahl-Ebene, sie ist laut Morgenstern vor-verwittert und damit von Anfang an rostfarben, bettet die Szenerie in den Schwarzwald ein. Auf ihr sind die Flößer, der Gamber und das Wasserrad am Schüttesägemuseum dargestellt. Auf dem kleinen Vorbau links unten soll das Schiltach-Logo samt Stadtwappen seinen Platz finden.

Die kreative Arbeit ist gemacht. Jetzt geht es an die konkrete Umsetzung durch den Metallbauer. Gerade die Befestigungen an der rund 20 Meter langen Mauer seien "ein heißes Thema", erklärt Morgenstern. Weil – na klar – an einer Hochwasserschutzwand immer wieder auch mit Hochwasser gerechnet werden muss, müssten die Gestaltungselemente "fest fixiert sein". Andererseits "können wir da auch nicht unzählige Löcher in die Wand bohren", führt er aus. Bei einem Vor-Ort-Termin von Stahlbauer, Agentur und Stadt sollen die weiteren Details noch besprochen werden.

Zu den Kosten für den Metallbauer von rund 24 000 Euro kommt noch das Honorar für die Agentur, das die Stadt auf etwa 15 000 Euro schätzt.

Infokasten: „Vergabe“

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat die Stahlarbeiten für die Gestaltung der Hochwasserschutzmauer vergeben.Drei Unternehmen hat die Stadt dafür angeschrieben – alle drei reichten Angebote ein, allerdings nur eines innerhalb des Ausschreibungszeitraums bis zum 27. September. Das Unternehmen A2 Metallbau Armbruster aus Oberwolfach gab ein Angebot über knapp 59 000 Euro ab. Anbieter 2 lag mit gut 24 000 Euro deutlich darunter – reichte sein Angebot aber erst am 28. September ein. Anbieter 3 war mit knapp 60 000 Euro am teuersten und auch am spätesten dran (4. Oktober). Deshalb schlug die Verwaltung vor, die Arbeiten an A2 zu vergeben.

Nachdem sich Ratsmitglied Michael Buzzi versichert hatte, dass Material und Ausführung vergleichbar sind, stellte er dann aber den Antrag, die Arbeiten an den günstigeren Bieter 2 zu vergeben. Bei zwei Enthaltungen bekam so schließlich das Unternehmen Schmieder Metallbau aus Wolfach den Zuschlag.