Die Polizei hofft bei ihren Ermittlungen auf weitere Zeugenaussagen zum Sprengstoff-Bankraub in Sulz. Foto: Heidepriem

Eine junge Frau beobachtet hautnah die Sprengung des Geldautomaten in Sulz, informiert die Polizei und macht Fotos. Dass sie in großer Gefahr schwebt, wird ihr erst Stunden später klar.

Als die Sulzerin plötzlich in ihrem Bett hochschreckt, zeigt der Wecker 3.50 Uhr. „Es gab einen dumpfen Knall, und das ganze Haus zitterte“, berichtet die 20-Jährige, deren Name und andere Daten hier aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden. „Ich bin kurz darauf ans Fenster gegangen, um nachzusehen, was los ist.“

 

Was die Zeugin in diesem Moment nicht ahnt: Unter ihr, in vielleicht zehn bis fünfzehn Metern Entfernung, sind Bankräuber gerade dabei, die Geldautomaten der Volksbank in Sulz in die Luft zu sprengen. Mehrere Täter – nach Zeugenangaben vier – haben sich laut Polizei gegen 3.50 Uhr Zutritt zum Vorraum der Bankfiliale verschafft und mit massivem Einsatz von Sprengstoff versucht, an das Geld in den Geldautomaten zu kommen.

Einer der Täter tritt plötzlich auf die Straße

Geistesgegenwärtig greift die 20-Jährige kurz nach dem Knall zum Handy und beginnt zu fotografieren. Die Ereignisse rasen nur so an der jungen Frau vorbei. „Es war 3.51 Uhr, als ich aufstand, um 3.53 Uhr habe ich angefangen, Fotos zu knipsen“, weiß sie noch. Während sie am Fenster steht, tritt einer der Täter aus dem Vorraum der Bank auf die Straße. Er ist schwarz gekleidet und maskiert. „Dann hat er plötzlich zu mir hochgeschaut“, sagt die Zeugin, „er sah mir direkt ins Gesicht.“

Der Audi RS vor der Volksbank Sulz. Foto: Privat

Dass sie sich in großer Gefahr befindet, ist der Zeugin zunächst nicht klar. „Ich war ein wie in Trance“, sagt sie. Doch Stunden später fragt sie sich bei dem Gedanken an den direkten Blickkontakt mit dem Verbrecher: „Was wäre gewesen, wenn die Waffen gehabt hätten?“

Polizeisprecher Marcel Ferraro warnt jedenfalls eindringlich: „In solchen Fällen sollte man niemals mit den Tätern Kontakt aufnehmen. Die sind oft bewaffnet, und wenn sie ihre Flucht behindert sehen, sind sie zu allem bereit.“

Wieder lässt ein Knall das Haus erzittern

Kurz nach dem Blickkontakt mit dem Täter lässt eine zweite Detonation das Haus erneut erzittern. „Noch ein dumpfer Knall, helles Splittern, Krachen, es wackelte wieder, alles auf einmal“, berichtet die Zeugin.

Nur kurz nach den beiden Explosionen sei das Fahrzeug, ein schwarzer Audi RS, weggefahren. Kurz darauf kommt die Polizei zum Tatort. Die 20-Jährige eilt auf die Straße – bekleidet nur mit einer Winterjacke über dem Pyjama und in Hausschuhen. Sie will ihre Aussage machen und der Polizei ihre Fotos übergeben. Da weiß sie noch nicht, dass sie mehrere Stunden im Freien würde verharren müssen. Die ebenfalls anrückende Feuerwehr sperrt das Gebäude unverzüglich – bis klar ist, dass für die Bewohner keine Gefahr besteht. Da zeigt die Uhr bereits sechs Uhr morgens.

Besteht ein Zusammenhang zu anderen Sprengungen?

Die Polizei Konstanz hat Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. Zeitweise kreisten Polizeihubschrauber über Sulz. Zu einer Festnahme kam es bisher nicht. Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil habe die Ermittlungen aufgenommen, teilte die Polizei mit. Die Kriminaltechnik sicherte über mehrere Stunden Spuren im komplett zerstörten Eingangsbereich und im Innenraum der Bank. Sie werden nun ausgewertet – auch darauf, ob ein Zusammenhang mit ähnlichen Raubzügen in der Region besteht.

Die Polizei setzt dabei auf weitere Zeugenaussagen. „Wichtig wäre für uns insbesondere, ob jemand schon im Vorfeld der Tat verdächtige Beobachtungen gemacht hat“, sagt Polizeisprecher Ferraro. Sachdienliche Hinweise können der Kriminalpolizeidirektion Rottweil unter der Telefonnummer 0741/477-0 oder jeder anderen Polizeidienststelle gemeldet werden.

Volksbank will keine Stellung nehmen

Über die Höhe der Beute wurden noch keine Angaben gemacht – diese ist laut Polizeisprecher noch gar nicht bekannt. Zur Höhe des Gebäudeschadens konnte die Polizei ebenfalls keine Angaben machen.

Die Volksbank Rottweil hat auf die Anfragen unserer Redaktion lediglich mitgeteilt, dass sie aktuell keine Stellung zu dem Fall nehmen wolle.