Von links: Ulrich Behle (Strategieberater Brugger Magnetsysteme), Johannes Wetzka (IT-Administrator Brugger), Firmenchef Thomas Brugger, Mark Finnern (KI-Experte), Innenarchitekt Arkas Förstner (mit Raumbrille) und Firmenchef Clemens Maurer vor der Trauerhalle des Bestattungsinstituts Hauser Foto: Zeger

Vom Nussknacker bis zur Raumbrille: In Schramberg berichten Unternehmer über gescheiterte Projekte – und warum genau diese Erfahrungen entscheidend für künftigen Erfolg sind.

Ein Wiener würde es wohl so formulieren: „Sie hat a schöne Leich g’habt.“ Doch am Dienstagabend im Bestattungshaus Hauser ging es nicht um den Abschied von einem Menschen, sondern um das bewusste Verabschieden und Loslassen genialer Ideen.

 

Erzählt wurden Geschichten von besonderen Nussknackern, von virtuellen Brillen und auch von ganz persönlichen, familiären Vorhaben – alles Projekte, bei denen irgendwann die Reißleine gezogen wurde. Im Mittelpunkt des Abends stand ein offener und konstruktiver Umgang mit gescheiterten Geschäftsideen.

Organisiert wurde der Abend von der KI-Impact Group sowie „Make it in Schramberg“, einer Initiative der Wirtschaftsförderung. Rund 30 Interessierte fanden sich in der Trauerhalle ein – darunter Selbstständige aus Schramberg, Bestatter aus Oberndorf, Führungskräfte und Kreative aus dem Umland.

Daten für Innovation

Mark Finnern (Innovations Katalysator & Gründer der KI-Impact Group) führte in das Thema ein, indem er von eigenen KI-Projekten berichtete, die nicht zum erhofften Erfolg geführt hatten. Sein Plädoyer: Mut und Risikobereitschaft verdienen Anerkennung – auch dann, wenn sich Ideen als Irrweg erweisen. „Fehler sind keine Sackgassen, sondern wertvolle Daten für die nächste Innovation“, betonte er. Mit einem Zitat des KI-Experten Ethan Mollick unterstrich er seine Botschaft: „Wer bei KI nicht scheitert, hat nicht wirklich experimentiert.“

Wie sich Scheitern in Fortschritt verwandeln kann, zeigten Geschäftsführer Clemens Maurer (Maurer Gruppe) und Innenarchitekt Arkas Förstner. Gemeinsam entwickelten sie vor mehr als zehn Jahren eine virtuelle Brille, mit der sich Räume – insbesondere Bäder – realitätsnah erleben lassen sollten. „Wir kommen heute trotzdem nicht in Trauer“, stellte Förstner voran. Denn die intensive Analyse des Projekts habe wertvolle Erkenntnisse gebracht, auch wenn der „durchschlagende Erfolg“ ausblieb.

Gäste berichten von ihren persönlichen Rückschlägen. Foto: Zeger
Die Wall of Fails in der Trauerhalle Foto: Zeger

Die Badplanung habe durch die Brille eher den Charakter eines Computerspiels angenommen, wodurch zentrale Elemente der persönlichen Beratung verloren gegangen seien, ergänzte Maurer. Die Brille in Form eines futuristisch anmutenden „Carbonkranzes“ mit integrierten Monitoren habe sich letztlich sogar als hinderlich im Kundengespräch erwiesen. „Wir sind mit der Raumbrille gescheitert, aber der Digitalisierung haben wir deshalb nicht abgeschworen – im Gegenteil“, so Maurer. Dass selbst große Anbieter wie Apple mit ähnlichen Produkten kämpfen, zeige ein Blick auf aktuelle Entwicklungen am Markt. „Da sind wir in guter Gesellschaft.“ Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Ein bisschen stylisher sind diese Brillen schon.“

Besser strukturieren

Praxisnah berichtete auch Geschäftsführer Thomas Brugger (Brugger Magnetssysteme) gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Ulrich Behle (Strategieberater) und Johannes Wetzka (IT-Administrator) von eigenen Erfahrungen. Ein Tool zur internen Dateisuche wurde erst kürzlich wieder abgeschafft – es lieferte einfach zu viele Ergebnisse. Seine Erkenntnis: „Wenn ich mich besser strukturiere, funktioniert es auch ohne KI.“ Beim Thema Dokumentenmanagement helfe „Aufräumen grundsätzlich“, meinte Brugger pragmatisch. Bei einem Prototypen blieb es, als Thomas Brugger die Idee hatte, einen Nussknacker speziell für Macadamianüsse auf den Markt zu bringen.

An der „Wall of Fails“ hatten Teilnehmende noch weitere Ideen gepostet. So ging es um eine Bildersuche für den Webshop (vorzeitig abgebrochen und neu gestartet), um ein „Spielbuch“, das beim Programmieren aus dem Ruder gelaufen ist und auch um die Idee, im Ausland zu leben. „Da hätten wir mehr Mut gebraucht“, erzählte eine Teilnehmerin.