Im Rahmen der Aktion „Weibergeschichten“ der CDU im Landkreis Lörrach unterhielt sich Gudrun Heute-Bluhm mit Simone Penner, der Bürgermeisterin von Kandern, im Kanderner Rathaus.
Bei diesem Format geht es der Frauenunion des CDU-Kreisverbands vor allem um die Lebens- und Karrierewege von Frauen und deren Gleichberechtigung in öffentlichen Ämtern, Berufen und in der Gesellschaft. Die Frage sei nicht, ob manche Männer etwas gegen Frauen in höheren Ämtern hätten, sondern ob die Frauen sich ein solches Amt überhaupt zutrauen. Simone Penner sagte dazu, das manche Frauen eventuell nicht den typischen und gradlinigen Lebenslauf wie Männer hätten und sich vielleicht schon deshalb nicht trauen würden, sich um ein Amt wie das einer Bürgermeisterin zu bewerben.
Eigenmotivation und Selbstvertrauen
Auf die Frage von Gudrun Heute-Bluhm an Simone Penner, wie sie ihren bisherigen Weg sieht und wie sie Bürgermeistern wurde, entgegnete diese, das sie zuerst einmal zu sich selbst sagte, „Mach jetzt mal, du kannst das!“ Penner hat in Niedersachsen Architektur studiert und danach als freie Architektin beim Architekturbüro Zickenheiner in Lörrach angefangen zu arbeiten.
Teilzeitstelle ermöglicht Familie und Beruf
Bald kam das erste Kind, ihr Mann arbeitete als Geschäftsleiter in der Region. Zwei Jahre später sah sie eine Stellenanzeige der Stadt Freiburg die einen Architekten suchten. Zuerst hatte sie Zweifel, ob sie sich trotz Kind bewerben sollte, da es eine 100-Prozent-Stelle war, aber ihr Mann riet ihr dazu. Der Arbeitgeber in Freiburg schlug dann vor, die Stelle in zwei Teilzeitstellen zu je 50 Prozent aufzuteilen, was Penner sehr entgegen kam. Auch die Vereinbarkeit mit Familie und Beruf funktionierte – mit Hilfe einer Tagesmutter und dem Rückhalt der Familie.
Bürgermeisterin werden, trotz eines interessanten Jobs
Heute-Bluhm wollte wissen, warum man Bürgermeisterin wird, wenn man doch einen interessanten Beruf hat? Penner, die seit längerem in Schliengen zuhause ist, fand, dass sie, trotz eines interessanten Jobs in Freiburg, eigentlich gerne in der Region rund um Schliengen arbeiten wollte und hatte sich deshalb als Architektin in Kandern beworben hat. Dies war erfolgreich und sie wechselte im Jahr 2015 nach Kandern.
„Mach ich das? Kann ich das?“
Als ihr Bürgermeister-Vorgänger Christian Renkert nach Schliengen gewechselt ist, wo sie sich auch einmal um das Bürgermeisteramt beworben hatte, wurde sie von den einige Kanderner Einwohnern gefragt, ob sie nicht Bürgermeisterin werden wolle. Wieder stellte sich ihr die Frage: „Mach ich das? Kann ich das?“ Um die Frage von Heute-Bluhm zu beantworten erklärte Penner: „Ich habe mich damals nicht aus Spaß um das Bürgermeisteramt beworben, sondern weil ich gestalten wollte.“ Und sie machte und konnte.
Bürgermeisterin, weil sie gestalten will
Nach sechs Monaten Wahlkampf wurde sie zur Bürgermeisterin gewählt und ist nun seit sechs Jahren im Amt. Man sei nicht nicht alleine Bürgermeisterin, sondern als Team, sagte Penner. Und mit dem aktuellen Team sei sie sehr zufrieden. Es mache Spaß, sei konstruktiv und meisten auch sehr befriedigend. Ob sie nicht ihren Job als Architektin vermisse, fragte dann Heute-Bluhm. Eigentlich nicht, antworte Penner. Auch die Frage nach Selbstzweifeln verneinte Penner mit einem einfachen und sehr klaren, „Nö“.
Selbstbewusstsein ist gewachsen
Das Selbstbewusstsein sei mit der Zeit gewachsen und nun auf einem guten Stand. Man müsse allerdings lernen geduldig zu sein, den Mitarbeitern und Bürgern Raum und Zeit geben, um ihre Anliegen zu formulieren und Lösungsansätze zu diskutieren. Allerdings müsse man dann auch irgendwann auf den Punkt kommen und ins Handeln kommen und das sei dann ihr Job.
Ganztagsschule und die Gemeindefinanzierung
„Was treibt dich am meisten um?“, fragte Gudrun Heute-Bluhm Simone Penner als nächstes. „Die Ganztagsschule und die Familien mit ihren Sorgen und Nöten, aber die größten Sorgen machen mir natürlich die Finanzierung von Maßnahmen, Personal und Projekten. Die gerechte Verteilung von Geldern in den Kommunen muss unbedingt stattfinden.“ Auch der S-Bahn Ausbau sei noch nicht wirklich in sicheren Tüchern, da seitens der Landesregierung bis dato noch nichts unterschrieben worden sei. Aber sie empfinde auch Dankbarkeit und Freude – über das neu sanierte Rathaus und die gute Stimmung im Rathaus-Team.
Von einigen Kanderner Bürgern wurde sie damals gefragt, ob sie denn dann nach Kandern ziehen würde, wenn sie Bürgermeisterin wird, erzählte Penner. Sie habe die Frage damals aber ganz offen verneint. Nach 25 Jahren in Schliengen sei dies ihr Zuhause und natürlich auch das Zuhause der ganzen Familie. Zudem sei sie im Notfall schnell in Kandern, was immer wieder mal vorkommen würde.
Frauen in Führungsstellen sind mittlerweile normal
Im allgemeinen seien Frauen in öffentlichen Ämtern und Führungsstellen mittlerweile ein normaler Zustand, sagte Ulrike Lerner, Gemeinderätin, Chefin eines Dachdeckergeschäfts und Mitglied der Frauenunion, und setzte einen guten Schlusspunkt hinter eine anregende und interessante „Weibergeschichte“, an der übrigens auch drei Männer anwesend waren.