Mit großem Einsatz wurde der Jugendclub Göllsdorf wiedereröffnet. Im Rückblick stellt sich die Frage, wie viel Eigenverantwortlichkeit den Jugendlichen zuzumuten ist. Foto: Schmidt

Der Jugendclub in Göllsdorf wurde von Kinder- und Jugendreferat (KiJu) geschlossen. Die Göllsdorfer Räte sehen das KiJu mit in der Verantwortung. Ein Gespräch soll aufklären.

Rottweil-Göllsdorf - Kaum vier Jahre sind seit der Wiedereröffnung des Jugendclubs vergangen, als KiJu-Leiter Herbert Stemmler in der jüngsten Ortschaftsratssitzung das Aus des Clubs verkündete. In der Kritik steht die Führung: drei junge Menschen aus Göllsdorf, von denen zum Zeitpunkt der Eröffnung einer die Volljährigkeit erreicht hatte.

Da aufgrund der Personalsituation im KiJu eine persönliche Betreuung nicht möglich sei, würden die Jugendclubs in den Teilorten in Eigenregie geführt, erläuterte Stemmler. Das Vertrauen in die drei jungen Göllsdorfer sei groß gewesen. Mit großem Elan hätten sie ihr Projekt auf den Weg gebracht. Zunächst im Ortschaftsrat, wo sie den Räten ihre Ideen vorstellten und dann in den Räumen, die von der Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellt wurden.

Was sie zunächst vorfanden, war eine "ungeheure Sauerei", meldete sich Anja Straub, Mutter einer der Jugendliche und Ortschaftsrätin zu Wort. Aber sie packten an. Mit ungeheurem Fleiß wurde renoviert, erzählte sie. Stemmler stimmte zu. Sein Eindruck von den Jugendlichen sei sehr positiv gewesen. Dem Wunsch nach eigenständigem Bertreiben habe daher nichts entgegengestanden.

Erst lief alles gut

In der ersten Zeit lief auch alles gut, erinnert sich Ortsvorsteher Wolfgang Dreher. Das Dreierteam habe sich bemüht, "der Bude wieder Leben" einzuhauchen. Zu den Treffs am Freitagabend wären auch einige Kinder und Jugendliche des Ortes gekommen. Zusätzliche Aktionen, etwa Filmabende hätten aber keinen Zuspruch gefunden. So habe auch das Interesse an den Freitagabenden nachgelassen.

Dann kam Corona und mit ihm ab April 2020 auch für den Jugendclub der Lockdown. Zwei Jahre über musste der Club aufgrund der "komplizierten Hygienevoraussetzungen", die in Eigenverantwortung der Jugendlichen nicht leistbar gewesen wären, geschlossen bleiben. Über die ganze Zeit hinweg habe zwischen dem KiJu und den Jugendlichen kein persönlicher Kontakt bestanden. Der betreuende Mitarbeiter habe sich aber über social media angeboten, betonte Stemmler.

Schlüssel in fremden Händen

Als die Wiedereröffnung dann im März dieses Jahres wieder möglich war, hätten die Jugendlichen davon keinen Gebrauch gemacht. Auch ein angebotenes Treffen am 24. Mai sei von ihnen nicht wahrgenommen worden. Erst im Nachgang habe das KiJu von einer Party erfahren, die kurz vor dem Treffen veranstaltet wurde. Sie sei "völlig aus dem Ruder gelaufen". Mit Beschwerden aus der Nachbarschaft und Polizeipräsenz.

Als KiJu-Mitarbeiter den Clubraum besuchen wollten, hätten sie den großen und kleinen Raum entmöbelt vorgefunden. Zwei weitere Räume waren verriegelt. Als darüber hinaus bekannt wurde, dass der Schlüssel zum Jugendclub in fremde Hände gegeben wurde, sei die Entscheidung gefallen. Der Jugendclub wurde geschlossen.

Immer wieder Ruhestörungen

Laut Dreher kam es schon 2019 zu ersten unberechtigten Feiern und Nachtruhestörungen bei der die Polizei einschreiten musste. Als Verursacher wurden Personen außerhalb des Jugendclubs festgestellt, weshalb die Verwaltung alle Nutzer (im Haus befindet sich nicht nur der Jugendclub) angeschrieben und ermahnt hätte.

Ende 2020, also während dem Lockdown, sei er erneut von Anwohnern darauf aufmerksam gemacht worden, dass Feiern in den Räumen des Jugendclubs stattfinden. Daraufhin habe er die Betreiber angeschrieben und sie aufgefordert künftige Feiern zu unterlassen. Der Kontakt zum KiJu blieb hingegen weiter aus.

Erst am 19. November diesen Jahres, so Stemmler, wären die Schlüssel in die Räume übergeben worden. Zurück blieben "leere Flaschen und Partyreste". "Wir haben ihnen einen Vertrauensvorschuss gegeben und wurden negativ überrascht", zeigte sich Stemmler enttäuscht.

Intensivere Betreuung angebracht

Auch die Räte bedauerten die Entwicklung, sahen die Verantwortung aber nicht allein bei den Jugendlichen. Sie korrigierten Stemmler, der von verantwortlichen Volljährigen berichtet hatte. Aus ihrer Sicht wäre eine intensivere Betreuung des KiJus, über social media hinaus, angebracht gewesen. Werde der Club erneut geöffnet, sei der persönliche Kontakt zumindest einmal im Monat notwendig.

"Auch, wenn Jugendliche die Selbstverantwortung übernehmen, muss der Jugendclub betreut werden. Wir haben kein Interesse daran, dass er nur als Trink- und Partyraum genutzt wird", betonte Carina Bold. Um einen Lerneffekt zu erreichen, müsse der Wiedereröffnung ein klärendes Gespräch mit den bisherigen Nutzern vorausgehen, forderten die Räte. Auch wird über einen Beirat nachgedacht, in dem sich zwei Personen aus dem Ortschaftsrat beteiligen könnten.

Zukünftigen federführenden Nutzern werde es nahe gelegt, eine Schulung zu besuchen. Ob im Ort zu weiteren Nutzung des Jugendclubs Interesse besteht, werde in Erfahrung gebracht.