Diskussion zwischen Pflanzen und Harken: Johannes Fechner (von links) und Martin Rosemann im Gespräch mit Gewerkschaftern und Betriebsräten. Foto: Lienhard

Gewerkschafter und Betriebsräte sprechen mit den SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner und Martin Rosemann.

„Das ist meine erste Veranstaltung in einem Baumarkt“, sagt Johannes Fechner. Der SPD-Politiker sitzt in der Mitte einer Tafel im Genussgarten der Lahrer Gärtnerei Sauter. Im Hintergrund werden Einkaufswägen vorbeigeschoben, aus den Boxen plätschert „Take on me“. Die Atmosphäre ist entspannt. Doch inhaltlich geht es um durchaus harte Themen wie Transformationsprozesse und Arbeitsbelastung.

 

Im mindestens zweijährigen Abstand lädt Fechner, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Emmendingen – Lahr, zum Arbeitnehmergespräch mit Gewerkschaftern und Betriebsräten. Nach Lahr hat er Besuch aus Tübingen mitgebracht. Parteigenosse Martin Rosemann, Sprecher für Arbeit und Soziales in der Bundestagsfraktion, gibt Einblicke in die Arbeit der SPD innerhalb der Ampelkoalition. Gekommen sind elf Gäste.

Fechner betont in seiner Begrüßung, dass es aktuell in der Öffentlichkeit vor allem außenpolitische Themen zu bearbeiten gebe. „Nichtsdestotrotz haben wir in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik einige Herausforderungen“, bilanziert der Politiker. Der Austausch mit Gewerkschaften und Betriebsräten sei wichtig – auch wenn man sich anschaue, was die politische Konkurrenz vorhabe.

Fechner positioniert sich gegen politische Konkurrenz

Die AfD etwa vertrete keine Arbeitnehmerinteressen, in Bezug auf ihr Steuerprogramm sei sie eher die Partei der Großverdiener. CDU-Bundesvorsitzender Friedrich Merz hingegen wolle das Rentenalter erhöhen. „Ich glaube, da müssen wir dagegenhalten“, findet Fechner. „Und das geht am besten im Schulterschluss zwischen den Gruppen, die sich seit Jahrzehnten für die Interessen der Arbeitnehmer einsetzen.“

Stefan Falk war 20 Jahre im Betriebsrat eines Konzerns, heute ist er als Betriebsseelsorger der Erzdiözese Freiburg für alle Branchen in der Ortenau zuständig. „Ich erlebe, dass überall ziemlich viel Druck auf dem Kessel ist“, sagt er. Er spreche mit vielen Menschen, die über Mobbing und Burn-out klagen oder ihre Miete nicht mehr zahlen können. Gerade habe Falk einigen Leuten privat Geld geliehen. „Das sind Leute, die 40 Stunden arbeiten“, kritisiert er. Er wirft die Frage der Verteilungsgerechtigkeit auf, es mache ihn wütend und ratlos wenn er sehe, dass die Reichen immer reicher werden.

„Wir sind die Partei der Arbeit“, sagt Rosemann. Wenn die Arbeitgeberverbände „Bock auf Arbeit“ sagen, sei das in Ordnung. Doch der Politiker lehnt die Forderung ab, dass Menschen, die schon 40 Stunden arbeiten noch mehr Überstunden machen sollen. „Wir haben doch keinen Mangel an Überstunden“, sagt er.

Zum Abschluss verspricht Fechner weiterhin im engen Austausch zu bleiben. „Es wird dieses Mal keine zwei Jahre bis zum nächste Gespräch dauern“, sagt er.