Dorfhockete, Haushaltsanmeldung und Sanierung der Zufahrtsstraße nach Maria Zell. In Boll gibt es für den neu gewählten Ortschaftsrat gleich viel zu tun. Ortsvorsteherin Meta Staudt blickt im Gespräch auf die Legislaturperiode voraus.
Meta Staudt geht inzwischen in ihre dritte Amtszeit als Ortsvorsteherin in Boll. Sie vertritt mit Beurens neuer Ortsvorsteherin Tanja Saile die Frauenriege unter den Hechinger „Dorfchefs“. Über ihre Erfahrungen, anstehende Projekte in Boll und was sie auch mal verärgert, spricht die Ur-Bollerin mit unserer Redaktion.
Frau Staudt, Sie wurden bei den Kommunalwahlen im Juni wieder Stimmenkönigin in Boll. Bei einer Liste mit sieben Kandidaten für sieben Ortschaftsratssitze ist die Wiederwahl keine Überraschung. Waren Sie dennoch nervös?
Staudt: Nein, tatsächlich nicht. Das wird nun meine dritte Periode als Ortsvorsteherin, zuvor war ich Stellvertreter von Peter Beck. Die Erfahrung in der Kommunalpolitik nimmt einem die Nervosität. Anders sah es bei meinen drei Ortschaftsräten aus, die zum ersten Mal kandidiert haben.
Wie läuft nun ihre dritte Amtsperiode an?
Es geht gleich in einer hohen Schlagzahl weiter. Ende August steht die große Dorfhockete an. Dafür bin ich auch bei den Vereinen stark eingespannt. Dann sind die Haushaltsanmeldungen für das Jahr 2025 zu machen. Viele Projekte werden angesichts der schwierigen finanziellen Situation der Stadt auch in den Stadtteilen kleiner ausfallen oder müssen geschoben werden. Die Legislaturperiode von fünf Jahren klingt nach einer halben Ewigkeit. Schnell merkt man aber, dass die Zeit wie im Flug vergeht.
Welche Projekte stehen denn in Boll in den kommenden Jahren auf der Agenda?
Ein wichtiges Thema ist der Hangrutsch an der Zufahrtsstraße zu Maria Zell. Die Umleitung ist insbesondere für viele Senioren keine Alternative. Ich hoffe, wir können das Projekt im Jahr 2025 zeitnah angehen. Aber ich weiß auch: Erst muss noch der Bauausschuss beraten, dann der Gemeinderat den Baubeschluss fassen. Auch Fördermittel müssen beantragt werden.
Und was steht noch auf Ihrer Wunschliste?
Mir persönlich schweben weitere Bauplätze in Boll vor. Im Flächennutzungsplan ist das Baugebiet „Geigen“ rechter Hand am Ortseingang von Stetten kommend vorgesehen. Wir im Ortschaftsrat wollen die jungen Menschen in Boll halten. Dazu haben wir altersbedingte Leerstände. Auch diese können mit Leben gefüllt werden. Das kostet aber alles Geld. Und uns wurde schon von städtischer Seite gesagt, dass wir nur das allernötigste für die Haushaltsanmeldung berücksichtigen sollen. Nötig ist aber beispielsweise auch der Hochwasserschutz. Besonders das Oberflächenwasser, das den Zellerweg hinunterfließt, ist ein Thema, das in Zukunft angesichts des Klimawandels Priorität hat.
Als Ortsvorsteherin ist man sicher Ansprechpartner für jedermann. Wie sieht ihr Alltag denn ungefähr aus?
Das stimmt. Aber ich bin sehr kontaktfreudig und trenne mein Berufs- und Privatleben nicht. Ich habe natürlich feste Sprechzeiten. Wenn ein Bürger aber etwas von mir möchte, dann kann er mich auch Zuhause anrufen oder einfach vorbeikommen. Dann gibt es natürlich viele Vor-Ort-Termine mit städtischen Mitarbeitern, wo ganz simple Dinge wie beispielsweise die Gestaltung der Duschen im Feuerwehrhaus besprochen werden. Auch viele Abendtermine gehören dazu, gerade wenn man wie ich in den Vereinen aktiv ist. Dabei ist der Posten als Ortsvorsteherin ehrenamtlich, aber natürlich erhalte ich eine Aufwandsentschädigung. Dazu arbeite ich aber weiter halbtags im Autohaus. Terminlich bin ich also gut ausgelastet. Ich gehe dieses Jahr auch nicht in den Sommerurlaub.
Was ärgert Sie im Alltag als Ortsvorsteherin?
Der Egoismus mancher Bürger stört mich schon, auch wenn ich viel toleriere. Manche Menschen sind einfach auf Projekte eingefahren, die nur ihnen selbst einen Vorteil bringen. Ich plädiere aber dafür, stets die Allgemeinheit im Blick zu behalten.
Und was schätzen Sie an Ihrer Heimat Boll?
Boll ist für mich die Heimat schlechthin. Wir haben ein aktives Dorfleben und ein gutes Miteinander. Ich könnte mir nie vorstellen, woanders zu wohnen. Wenn ich aus dem Urlaub komme, freue ich mich immer wieder, das Boller Ortsschild zu sehen.