Fünf Wochen nach der Übernahme geht es beim Betreiber des Waldmössinger Pflegeheims nun ans Fein-Tuning.
Neue Besen kehren gut, wie man so sagt, und der neue Betreiber des Pflegeheims in Waldmössingen, ehemals Stegwiesen, steckt fünf Wochen nach der Übernahme mitten in der Neustrukturierung. Künftig firmiert der Betreiber unter dem Namen „Pflegezentrum Waldmössingen GmbH“. Verantwortlich für den Neustart sind seit dem 1. März Tim Sauer, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH und Heimleiter Kai Lohmann. Wer sind sie und was hat sich bisher getan?
Der studierte Wirtschaftsingenieur Sauer hat nach eigenen Worten als Banker bei der Finanzierung von Pflegeheimen geholfen. Ab 2013 habe er sich im Auftrag eines Investors kaufmännisch um rund 150 Pflegeheime in Deutschland, Österreich und Irland gekümmert. Schließlich stellte er sich auf eigene Beine und betreibt nun selbst drei Pflegeheime an den Standorten Neu-Ulm, Stockach und eben Waldmössingen – das größte.
Jedes der drei Heime bildet eine eigene GmbH, deren Geschäftsführer jeweils Tim Sauer ist. Er stellt im Gespräch mit unserer Redaktion noch einmal klar, dass er nicht der Eigentümer, sondern lediglich Mieter des weitläufigen Gebäudes in der Waldmössinger Ortsmitte ist. Dass er sein Engagement allerdings auf keinen Fall kurzfristig sehe, zeige die 20-jährige Laufzeit des Mietvertrags, betont der Geschäftsführer.
Qualifizierter Heimleiter
Ins Boot geholt hat er Kai Lohmann als Heimleiter. Dieser absolvierte eine Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung und verfügt über reiche Erfahrung in der Heim- und Pflegedienstleitung. Lohmann hängte ein Management-Studium an und hatte seit 2009 die Leitung von Häusern verschiedener Größe in Baden-Württemberg inne. Er hatte sogar im Vorfeld Kontakt mit dem Betreiber der Stegwiesen und sei sogar als Regionalleiter vorgesehen gewesen, berichtet Lohmann. Dies habe sich allerdings letztendlich zerschlagen.
„Ruhe reinbringen“
Im Augenblick seien sie dabei, so beide unisono, „Ruhe reinzubringen“. Die Insolvenz sei für das Personal anstrengend gewesen. Der Krankenstand sei hoch gewesen und sie hätten eine gewisse Lagerbildung feststellen müssen. „Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre für die Bewohner und für das Personal schaffen, dann wird der Betrieb laufen“, gibt Lohmann eines der Ziele aus.
Zudem seien die beiden dabei, das Personal aufzustocken. Dies sei allerdings nicht einfach. „Wir sind hier im Ländlichen Raum. Hier gibt es naturgemäß weniger Bewerbungen als in der Stadt.“ Auch der Fachkräftemangel sei zu spüren. Aber er ist optimistisch: „Wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass man hier gut arbeiten kann, werden wir unser Ziel erreichen.“ Der Personalstamm soll sogar „einen Touch“ höher als der vorgeschriebene Personalschlüssel liegen, um Krankheitsfälle und die normale Fluktuation kurzfristig aufzufangen. Zeitarbeiter soll es im Heim künftig nicht mehr geben.
Auslastung erhöhen
Gleichzeitig werde man versuchen, bei der Auslastung die angepeilten 95 bis 100 Prozent zu erreichen, um die Wirtschaftlichkeit des Betriebs sicherzustellen. Man sei diesem Ziel bereits sehr nahe und liege schon über 90 Prozent, so Tim Sauer. Kleinere Häuser seien durchaus schwerer zu führen als größere, räumt er ein. Wobei Waldmössingen als kleineres Haus gilt. Aber für alle gilt: „Das System an sich muss funktionieren.“ Der Markt sei eng.
Derzeit noch „zubuttern“
„Im Moment verdiene ich in Waldmössingen noch kein Geld und muss zubuttern“, so Sauer, gibt sich allerdings zuversichtlich, dass die Wirtschaftlichkeit bald erreicht ist. Momentan sind Sauer und Lohmann eher dabei, an kleineren, aber in Sauers Augen mitentscheidenden, Stellschrauben zu drehen. Dazu gehören auch Gespräche mit Versorgern, die erst mit der Übernahme vor fünf Wochen gestartet werden konnten.
Umbenennung geplant
Immer noch brach liegen die Räume für die Tagespflege. Sauer und Lohmann wollen das schnell ändern. „Hier liegt der Fokus im zweiten Halbjahr“, kündigt Sauer an. Er ist überzeugt, dass ein großer Bedarf in der Bevölkerung besteht.
Neuer Name geplant
Zur angestrebten Wohlfühlatmosphäre an der Heimbachstraße gehört aber auch ein neuer, eingängiger Name, der eben dieses Gefühl vermitteln und einen Bezug zum Standort haben soll. Derzeit läuft eine Umfrage beim Personal. Es soll auch schon Favoriten geben. Die Entscheidung wird bald fallen.