Der Blick auf die Anzahl der Sitze im Jugendgemeinderat bestätigt: Das Interesse der Jugend an kommunaler Politik sinkt. Darum bleibt der Vorstandsvorsitzende aber trotzdem dran.
Emil Hubert lässt sich von der Politikverdrossenheit bei Jugendlichen nicht abschrecken. Seit fünf Jahren engagiert er sich im Jugendgemeinderat (JGR) und ist seit Ende 2025 Vorsitzender.
Auf den Jugendgemeinderat aufmerksam wurde er durch seinen Gemeinschaftskundelehrer und seinen Bruder, der selber früher im Gemeinderat aktiv war: „Und die zwei Sachen kamen dann eben zusammen.“
Sehr wenige Bewerber
Sehr wenige Bewerber
Das Interesse junger Menschen an kommunaler Politik sinkt, auch in Bad Liebenzell. 2019 wurde die Zahl der Sitze im Jugendgemeinderat von 18 auf 14 reduziert, dennoch fehlten Bewerber. Im Jahr 2023 wurden knapp 14 neue Räte gewählt. Ebenso knapp ist der Jugendgemeinderat seit Oktober 2025 mit 14 Sitzen besetzt – die Mitglieder sind zwischen 13 und 23 Jahre alt. Laut Kai Schieber, Mitarbeiter im Hauptamt der Stadt Bad Liebenzell, haben sich voriges Jahr „nur sehr wenige Jugendliche beworben“.
Hubert will künftig mit dem JGR verstärkt an Schulen gehen, um dort für politische Arbeit zu werben – auch an Grundschulen. „Wir probieren natürlich auch, noch Jüngere mit einzubeziehen“.
Der JGR besteht in Bad Liebenzell seit 1995. Als Vorsitzender übernimmt Hubert vor allem die Organisation: „Das Gremium teilt sich die Aufgaben eigentlich auf, aber die meisten entfallen dann doch auf den Vorsitzenden.“
Grenzen bei den Projekten
Grenzen bei den Projekten
Ein aktuelles Projekt ist die Erneuerung des Planetenwegs: „Seit 1999 ist nichts mehr passiert und deshalb ist eine Generalüberholung nötig.“
Grundsätzlich sieht Hubert Nachholbedarf: „Bad Liebenzell ist eine alte Kurstadt – dementsprechend ist sehr viel in Kuranlagen investiert worden. Weniger beachtet wurden Themen, die Jugendliche betreffen.“ Auch im Dachverband der Jugendgemeinderäte ist der JGR aktiv.
Dennoch räumt der Vorsitzende ein: „Man hat bloß bedingt einen Einfluss, weil man auch ganz ehrlich nicht ganz ernst genommen wird von manchen Mitgliedern.“ Daher müsse man Präsenz zeigen, so Hubert.
Er möchte die bildungspolitische Arbeit weiter ausbauen – dafür ist ein Rhetorikkurs für die Ratsmitglieder geplant. Außerdem reisen die Ratsmitglieder im Juni für vier Tage nach Berlin, wo sie gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (SPD) aus dem Kreis Calw/Freudenstadt den Bundestag besuchen.
Ideen werden ausgebremst
Ideen werden ausgebremst
Ein zentrales Projekt war der Sportplatz. Ein geplanter Bolzplatz wurde zunächst abgelehnt. „Da fühlt man sich dann schon ein bisschen verarscht.“ Inzwischen gibt es einen Kompromiss: Ein Zugang über einen zeitgesteuerten Tunnel, den der JGR mitfinanzieren muss, bei Vormietrecht für Schulen und Vereine.
Während einige Ideen realisiert werden, hat der JGR trotzdem mit Rückschlägen zu kämpfen: Beispielsweise wollte der JGR die stillgelegte Bahnunterführung zum Sprayen freigeben und hat die Bahn angeschrieben. „Als Antwort der Bahn kam zurück, dass der Bahnuntergang zugeschüttet wird.“
Etwa die Hälfte der Ideen, die der JGR umsetzen möchte, werden ausgebremst, schätzt Hubert.
Engagement vor Ort
Engagement vor Ort
Der JGR arbeitet auch praktisch mit – etwa bei der Sanierung einer Freibadtreppe mit dem Förderverein „Freibad Bad Liebenzell.“
Außerdem werde mit der EnBW über legale Graffiti-Flächen in der Nähe des Spielplatzes gesprochen.
Zudem beteiligt sich der JGR zusammen mit dem Dachverband an Dialogprojekten zu Politik und will zukünftig präsenter an Schulen sein. „Mir ging es früher auch so, dass noch viele Fragen offen waren.“
Motivation bleibt
Motivation bleibt
Für Hubert ist ein Hauptproblem, wie kommunale Politik an junge Leute vermittelt werden kann: „Ich beobachte leider in der Jugend, dass das politische Interesse oftmals nicht da ist.“
Gleichzeitig erlebt er interessierte junge Menschen, die sich mit Politik auseinandersetzen: „Bei mir in der Klasse war jeder bei der vergangenen Landtagswahl wählen“. Hubert ist selbst oft an Vorhaben gescheitert: „Ich bin am Anfang mit richtig viel Motivation ins Amt gestartet – und dann wird man von der Verwaltung ausgebremst.“
Dennoch lohnt es sich für ihn dranzubleiben: „Ich glaube, dass es durchaus möglich ist, mehr Leute zu inspirieren. Wertschätzung ist auch ein Punkt, der mich motiviert.“
Am Ende zählt für ihn der Aspekt, dass man etwas für die Jugendlichen bewirken könne.