Die Kirchengemeinde Südliche Ortenau besteht seit Anfang des Jahres. Der größte Verwaltungsaufwand ist abgeschlossen, nun geht es ans Eingemachte.
„Römisch-katholische Kirchengemeinde Südliche Ortenau“ – dieser Begriff, gesteht Öffentlichkeitsreferentin Melanie Bischoff, geht ihr noch nicht ganz so glatt über die Lippen. Doch der Zusammenschluss der bisherigen fünf Seelsorgeeinheiten aus dem Dekanat Lahr ist seit Jahresbeginn Realität. Wie hat der große Neustart geklappt und wie soll es künftig weitergehen? Bei einer Pressekonferenz beantworteten die neuen Verantwortlichen diese Fragen.
„Es ist viel passiert“, fasst Bischoff die vergangenen sieben Jahre zusammen. Seitdem ist bekannt, dass es im Rahmen der Kirchenentwicklung 2030 zu einer Zusammenlegung kommen wird. Eine neue Anschrift, eine neue Webseite, ein neuer Gottesdienstplan – „das organisatorische Drumherum“ sei nun erledigt. Nun, so Bischoff, könne man die neue Einheit mit Leben füllen.
Wie das geschehen soll, darüber gab Nelson Ribeiro, leitender Pfarrer, Auskunft. Das Wichtigste schob er vorneweg: „Wir werden die Kirche im Dorf lassen.“ Heißt, die Menschen sollen weiterhin ihre Kirche, ihre Gottesdienste, ihre Ansprechpersonen vor Ort haben. Die Verwaltung, verhehlte er nicht, ist nun aber zentralisiert und dabei breit aufgestellt. „In Italien gibt es ganze Diözesen, die kleiner sind als die Kirchengemeinde Südliche Ortenau.“ Die Verwaltung, erklärte Ribeiro weiter, sei über die vergangenen Jahre immer komplexer geworden. Insofern biete die neue Struktur einen entscheidenden Vorteil: Die – neben Ribeiro – sechs weiteren Pfarrer „haben nun Ressourcen frei, sich ihren eigentlichen Aufgaben zu widmen“.
Pfarrer werden durch neue Struktur entlastet
Der leitende Referent Martin Wetzel ergänzt, wie das zustande kommt: „Die hauptamtliche Leitung war früher auf eine Person zugespitzt: den Pfarrer.“ Nun jedoch gebe es ein Kernteam mit ihm, Ribeiro sowie dessen Stellvertreter Josef Rösch, das sich unter Aufsicht und in Zusammenarbeit mit dem Pfarreirat auf die strategischen, pastoralischen Aspekte fokussiert.
Für die wirtschaftliche Seite, „quasi die Geschäftsführer der Kirchengemeinde“, sind nun Pfarreiökonom Martin Göhringer und dessen Vize Jonas Limberger zuständig. Die sieben Pfarrer selbst müssen nun seltener Gottesdienste aufgrund anderer Aufgaben ausfallen lassen.
Über diese neue Aufteilung zeigt sich auch Katja Fässler, Vorsitzende des neuen Pfarreirats, sehr froh: „Die Ehrenamtlichen waren in wirtschaftliche Entscheidungen verstrickt. Das hat sie oft überfordert.“ Fässler freut sich nun darauf, in die Zukunft zu blicken. „Wir schauen: Wo wollen wir hin, an welchen Stellschrauben können wir drehen?“ Eines sei schon jetzt klar: Die künftige Ausrichtung soll unter dem Credo stehen, „die Leute an der Basis mitzunehmen.“
Eine entscheidende Rolle sollen dabei die Gemeindeteams spielen. Aktuell sind noch die alten Teams in Amt und Würden, sie sollen sich jedoch neu aufstellen, erklärt der stellvertretende Pfarreiratsvorsitzende Gerd Kostanzer. „Wir müssen in die Hand nehmen, dass Glaube weiter gelebt werden kann. Glaube, Gemeinschaft und Verantwortung sollen christliches Leben entstehen lassen“, beschreibt er das Ziel.
Die neuen Gemeindeteams sollen durch eine Gemeindeversammlung, die jedem Gläubigen offenstehen wird, legitimiert werden. „Kein Team wird dem anderen gleichen“, prophezeit Ribeiro. Denn je nach Gemeinde gebe es unterschiedliche Vorstellungen von Glaube und Kirche.
Bislang, so der Tenor der Verantwortlichen, haben sich Ängste und Sorgen vor der großen Umstrukturierung bei den Menschen noch nicht eingestellt. Vielmehr sei die Erkenntnis eingekehrt, „dass die Welt am 1. Januar nicht untergegangen ist“, beschreibt es Ribeiro. „Die Menschen merken, dass sich im Alltag gar nicht so viel geändert hat.“ Fässler ist überzeugt, dass dies am Gottesdienstplan liegt, der weiterhin regelmäßige Andachten, Messen und Eucharistien ermöglicht. „Das hat viele Ängste genommen.“ Kostanzer erkennt gerade bei ehrenamtlichen Helfern inzwischen sogar eine „Aufbruchstimmung“.
Was steht also nun konkret an? Gibt es große Projekte, um die Austrittszahlen zu reduzieren und die Menschen wieder zurück auf die Kirchenbänke zu locken? Ribeiro verneint das. Vielmehr gehe es nun darum, „gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir bringen die Kirchengemeinde Südliche Ortenau ins Laufen“, verspricht der leitende Pfarrer.
Name: St. Peter und Paul
Die Pfarrkirche der neuen Einheit ist St. Peter und Paul in Lahr. Entsprechend trägt auch die Pfarrei den Namen„St. Peter und Paul“. Melanie Bischoff erklärt allerdings, dass sich intern als Bezeichnung bereits „Kirchengemeinde Südliche Ortenau“ durchgesetzt hat.