Ingrid Behr sorgt mit dem „Putzgeschwader“ seit zwei Jahrzehnten dafür, dass die Stadt nach dem Schmotzigenabend besenrein an die Fasnet übergeben wird. Doch das ist nur einer von vielen Momenten, die sie ganz eng mit der Oberndorfer Fasnet verbindet.
Natürlich sagt man den beiden, die vor der Tür sitzen – da kann es auch giftig nasskalt sein –, „Hallo!“ Es sind verkleidete Puppen, die auf Fastnacht einstimmen. An der Tür selbst entführt eine Maske für einen Augenblick vom Lindenhof nach Venedig.
Die Fahnen künden allerdings von Oberndorf und Viererbund. Die Traditionsfasnet bestimmt vielleicht nicht das Leben, aber doch ganz viel davon bei Ingrid und Hans-Ulrich Behr. „Nein“, sagt sie, „gar nicht!“ Man mag es kaum glauben: Ihr sollte die Fasnet nicht in die Wiege gelegt worden sein? Und das, wo sie Oberndorferin von Geburt an und durch und durch ist?
Tradition ist wichtig
Ingrid Behr hat ein eigenes Bild dafür. Sie hat ihre Fasnetsfreude nicht geerbt, es sei viel mehr „wie ein Virus: Wenn der Dich erwischt hat, dann hast Du den ein Leben lang drin.“ Und ganz wichtig ist ihr, dass Traditionen erhalten und gepflegt werden. Auch deshalb fühlen Ingrid und ihr Mann Hans-Ulrich Behr bei den Freunden im Viererbund wohl: „Da gibt es keine Moden. Das ist verlässlich. Das ist ein wichtiger Punkt“, sagt sie.
Für die Fasnet gespart
Für die Fasnet hat sie schon als Jugendliche gespart. Ihr erstes Lehrlingsgehalt hat sie in eine Larve investiert. Weggehen stand da nicht so im Vordergrund, erst muss das Narrenkleid da sein. Dann sieht man weiter. Ihr Vater habe immer gefragt, woher sie das Geld fürs Kleid und das Narren habe, erinnert sie sich.
Sie hat es einfach angespart – und erzählt dabei beiläufig etwas, was in vielen traditionsreichen Narrennestern wichtig ist: Wenn man von „fünfter Jahreszeit“ spricht, meint man schon die Ausgelassenheit, das Andere, die Verkehrung der Alltagszustände. Gemeint ist aber auch, dass man von dem wenigen Geld, das man hatte, genügend auf die Seite legte, um die paar Tage so feiern zu können, als wären sie tatsächlich eine „fünfte Jahreszeit“, komprimiert auf ein paar Tage.
Natürlich fangen die schon früher an als der Kalender erzählt. Denn Narrenkleider wollen gerichtet sein, die Deko im – und am – Haus klar machen, was jetzt ansteht. Und dann ist da noch das „Putzgeschwader“, das genau aufpasst, was das Jahr über in der Stadt so läuft. Auch die Stückle wollen aufbereitet sein, damit am Schmotzigen auch alles hervor gekehrt werden kann. Bereits im 21. Jahr. Da hat sich eine Ehrung angesagt.
Bahnhof für den Schantlewagen
Apropos: Nach all der Vorbereitung auch mit der Schmotzigengruppe – wie laufen die „höchsten Feiertage“ für Familie Behr eigentlich ab? Sie beginnen natürlich am Schmotzigen. Da ist für Ingrid ganzer Einsatz gefragt. Am Freitagabend genießt man den Barbummel in Oberndorf, bevor es am Samstagmorgen schon wieder ernst – und musikalisch – wird: Der Schantlewagen macht im Hause Behr Station. Abends geht es auf den Bürgerball.
Der Kinderumzug am Sonntag ist ein Muss. Ingrid Behr findet es rührend, wenn die Kleinen, obwohl sie noch kaum laufen können, im Narrenkleid oder kostümiert unterwegs sind und viel Mühe geben, ganz „echt“ mitzumachen. Wenn man Behrs am Sonntag später nicht in der Stadt trifft, sind sie wahrscheinlich in Elzach. Am Montag ganz sicher beim Rammeln.
Und dann: „Dienstag ist der Höhepunkt“. Im Haus ertönt ab den frühesten Morgenstunden der Narrenmarsch – aus der nächsten Generation kommt schon mal der Hinweis, dass es „mitten in der Nacht“ sei. Aber: „Da muss man durch“, sagt Ingrid Behr. Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie da absolut unerbittlich ist. Und nicht nur da.
Fasnet muss ordentlich sein
Fasnet muss auch ordentlich sein. Da musste Hans-Ulrich lange dran arbeiten, als er die Fahnen ungebügelt aufzog. Es brauchte mehrere Anläufe bis Ingrid mit dem Resultat zufrieden war – und andere Schmotzigengruppen ein Stückle mehr bekamen. Übrigens ist natürlich auch Hans-Ulrich fest eingebunden. Ursprünglich in Epfendorf unterwegs, bekam er von Ingrids Vater einen Schantle für die ersten Schritte in der Oberndorfer Fasnet. Und Schantle ist er wieder geworden, nachdem eine gesundheitliche Zäsur das Narren als Narro kaum mehr zuließ.
Ach ja. Und dann ist Aschermittwoch. Die Fahnen kommen runter, das Haus wird abdekoriert. Alles wird eingemottet. Jetzt ist Platz für die Vorfreude auf die nächste Fasnet.